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Gletscherrückgang und tauender Permafrost

Gletscher reagieren unmittelbar auf Veränderungen von Niederschlagsmustern sowie Temperatur und sind deshalb wichtige Klimazeiger. Seit dem Ende der kleinen Eiszeit um 1850 sind gravierende Veränderungen zu beobachten: 

 

  • Die Alpengletscher haben seit dem über 60 % ihres Volumens verloren.
  • Seit den 1990er Jahren befinden sich mehr als 80 % der Gletscher der Ostalpen auf dem Rückzug, seit 2010 sind es 100 %.
  • Im Durchschnitt ziehen sich Österreichische Gletscher pro Jahr um ca. 15 m zurück. In extrem warmen Sommern (z. B. 2003 oder 2015) liegt der durchschnittliche Längenverlust bei etwa 23 m.
  • Prognose: In den Ostalpen (z. B. Ötztaler Alpen) werden bei dem heutigen Trend in 30 bis 40 Jahren die meisten Gletscher verschwunden sein. 
 

Die Folgen des Gletscherrückzuges sind in den Alpen bereits spürbar

  • Veränderte Abflussraten und steigende Hochwassergefahr im Spätwinter/Frühjahr.
  • Unzuverlässige Wasserverfügbarkeit auf hochalpinen Alpenvereinshütten und möglicherweise in einigen Talregionen.
  • Zunehmend bilden sich neue Gletscherseen. Ein Ausbruch hätte verheerende Folgen.
  • Erhöhtes Gefahrenpotenzial für Bergsportler (Freilegung von Lockermaterial in ehe-maligen Eis- und Firnflanken, instabiles Moränenmaterial, Gletscherbruch, Toteis, etc.).
 

Tauender Permafrost - kleine Änderungen haben große Folgen

Der zweite wichtige Klimazeiger im Hochgebirge ist Permafrost. Darunter versteht man Böden, Felswände oder Schutthalden, die dauerhaft Temperaturen unter 0 °C aufweisen. In den Alpen ist dies in Nordhängen schon oberhalb von 2.400 m, in Südhängen ober-halb von rund 2.900 m der Fall. Je kälter das Gemisch aus Gestein und Eis in Moränen oder Schutthalden, desto stabiler sind diese. Leichte Erwärmungen reichen jedoch aus, um Hangstabilitäten im Hochgebirge zu reduzieren: Hänge beginnen zu kriechen und Felswände werden anfälliger für Steinschlag.

 

  • Seit 1850 ist die Untergrenze von Permafrost um rund 150 m angestiegen.
  • Bei einer für den Alpenraum prognostizierten Temperaturerhöhung von +1,5 °C bis 2050 könnte die Permafrostgrenze um weitere 200-750 m steigen. 

Mehr zum Thema Alpiner Permafrost hier.

 

Permafrost-Temperaturen so warm wie noch nie

Aktueller Bericht über den Zustand des Permafrosts in der Schweiz veröffentlicht

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Permafrosttemperaturen in den Schweizer Alpen folgen seit 2009 einem deutlichen Erwärmungstrend: 2014 waren die Bodentemperaturen im Schweizer Messnetz (PERMOS) so hoch wie noch nie seit Messbeginn. Permafrost erfüllt eine wichtige Funktion im Hochgebirge: so lange Boden, Schutthalden oder Felswände gefroren sind, wirkt Permafrost stabilisierend. Bei Erwärmung drohen Instabilitäten, Hangbewegungen und im härtesten Fall größere Felsstürze. Der neueste Bericht des Schweizer Permafrost Messnetzes (PERMOS) zeigt aktuelle Daten von Messstandorten in der Schweiz für den Zeitraum 2010 - 2014.   

Alpiner Permafrost

Klimazeiger und stabilisierendes Element in den Alpen

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Permafrost ist ein wichtiges Element der Cryosphäre in den Alpen, jedoch bleibt er im Vergleich zu den Gletschern unsichtbar. Nur Blockgletscher sind eindeutig erkennbare Landschaftsformen des Permafrosts. Die Bedeutung von Permafrost kann nicht hoch genug eingestuft werden: er ist ein sensibler Klimazeiger und erfüllt eine bedeutende Rolle in Sachen Hangstabilität, Hydrologie und Naturgefahren. Die Erwärmung des Permafrost macht mittlerweile auch uns Alpenbewohnern und -besuchern zu schaffen: alpine Schutzhütten, die auf Permafrost gebaut sind, beginnen zu sacken; früher sichere Übergänge und Normalrouten sind zunehmend steinschlaggefährdet.