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"Funpark Alpen!"

15.05.2012, 10:09 Uhr

Angeschnallt und ab geht die Post: 12 Meter im freien Fall in die Tiefe - mit einem Tempo von 65 Stundenkilometern. Der „Skyswing“, eine Art Riesenschaukel in der Urlaubsregion Serfaus-Fiss-Ladis, verspricht einen „Moment, nach dem man süchtig werden könnte“. Der Spaß des einen ist das Leid des anderen. Hier prallen gegensätzliche Berggenüsse aufeinander. Genüsse, die ihre Spuren hinterlassen: Sommerrodelbahnen ziehen sich über Almwiesen, Aussichtsplattformen überragen Gipfel. Nicht nur Augen, auch Ohren leiden: Das Kreischen der Alpen-Jahrmarktsbesucher bedeutet das Ende des Ruhe suchenden Bergwanderers. So zum Beispiel im Rofan, wo neuerdings die Seilrutsche „Aerofan“ über die Köpfe der Bergsteiger saust.
 
 

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Mountain Wilderness demonstriert unter dem
35 künstliche Welten

Die Umweltschutzorganisation Mountain Wilderness geht dem Trend auf die Spur. Die Broschüre „Funpark Alpen – Dokumentation einer bedenklichen Entwicklung“ stellt 35 derartiger Erlebniswelten vor, die allein in den letzten 10 Jahren entstanden sind. Die meisten davon liegen in Tirol. Die Lektüre zeigt eindrücklich: Viele Tourismusregionen setzen immer mehr auf „künstlich inszenierte“ Erlebnisse am Berg. Dagegen hatte die Mountain Wilderness in den letzten Jahren an mehreren Schauplätzen protestiert.

 
 

Echte Bergerlebnisse

Ein „unverfälschtes“ Naturerlebnis sieht gewiss anders aus. Für die Autoren ist klar:„Verloren geht genau das, was die Berge eigentlich so einzigartig macht: die Stille, die Weite, das befriedigende Erlebnis nach einem Tag draußen.“ In den Fun-Parks würden Berge zur Kulisse degradiert. Ein Kick ohne Anstrengung, für den der Bergsteiger nur Kopfschütteln übrig hat. Jener hat seine Zufriedenheit selbst erarbeitet. Steckt darin „nicht mehr Suchtpotenzial, mehr Reiz zur Wiederholung, als ein künstlich geschaffenes Erlebnis nur in der Kulisse der Berge?“, fragen die Autoren.
 
 

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Protest-Biwak am
Literatur

Funpark Alpen! Dokumentation einer bedenklichen Entwicklung.
Herausgeber: Mountain Wilderness Deutschland e.V.
AutorInnen: Gotlind Blechschmidt, Timmy Marklowski, Karin Lankes, Michael Pröttel
1. Auflage April 2012, 57 Seiten
 
 
 

 

Position des DAV

Auch der Deutsche Alpenverein sieht die Einrichtung von „Fun Parks“ kritisch. Die Alpen müssen für den Tourismus nicht „aufgewertet“ werden. Der DAV möchte touristische Konzepte unterstützen, die das „Kapital“ Natur und Landschaft sinnvoll nutzen. „Umweltbewusstsein wird besonders durch den unmittelbaren Kontakt mit der Natur gefördert“, so Jörg Ruckriegel, Leiter des Ressorts Natur- und Umweltschutz. In Gebirgsregionen, die sich vom Menschen weitestgehend unbeeinflusst entwickelt haben, sollen keine künstlichen Attraktionen errichtet werden. Der DAV hält neue Installationen - wenn überhaupt - nur dort für vertretbar, wo sie sich auf Bereiche mit bestehender Infrastruktur, zum Beispiel Seilbahnen, beschränken.