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Beitrag vom LBV - Der Alpenplan: Raum für Mensch und Natur

Der Alpenplan ist ein besonderes Planungsinstrument. Weil er nicht nur eine Interessensgruppe vertritt, sondern die verschiedenen Ansprüche an die Alpen als Lebens-, Wirtschafts-, Erholungs- und Naturraum gleichermaßen berücksichtigt. Für den Naturschutz in Bayern spielt er dabei eine ganz wesentliche Rolle. Nun gibt es ja bereits eine ganze Reihe von Schutzgebietskategorien, zum Beispiel Naturschutzgebiete, National- und Naturparke, Landschaftsschutzgebiete oder die FFH- und Vogelschutz-Gebiete aus dem europäischen Natura2000-Schutzgebietsnetzwerk. Warum braucht man da also noch ein Instrument, warum ist ausgerechnet der Alpenplan unverzichtbar?

 

Schutz – auch außerhalb von Schutzgebieten

Der Alpenplan ist im eigentlichen Sinn ja gar kein Naturschutzinstrument. Seine Schutzwirkung ergibt sich eher indirekt, indem er bestimme Zonen vor Erschließung schützt und damit den Druck auf alpine Freiräume verringert. Das kommt dem erholungssuchenden Bergsteiger zu Gute – aber eben auch sensiblen Tierarten, wie zum Beispiel dem Birkhuhn oder dem Steinbock. In seiner Wirkung geht der Alpenplan dabei teilweise sogar noch über die „richtigen“ Schutzgebiete hinaus. So ist die Einrichtung von Naturschutzgebieten oft politisch bedingt. Dass der Landkreis Miesbach kein einziges Naturschutzgebiet aufweisen kann, ist sicher nicht dem Mangel an schützenswerten Flächen zuzuschreiben. Dem gegenüber sind große Teile des Landkreises durch die Schutzzone C des Alpenplans vor Erschließung geschützt. So ist sichergestellt, dass diese Flächen auch in Zukunft noch Lebensraum für störungsempfindliche Arten bieten.

 

Kontinuität: Naturschutz in Raum und Zeit

Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten und ihren Lebensräumen braucht Platz und Zeit. Lebensraum ist für einige Tierarten, wie beispielsweise den Birkhühnern, ist in den Alpen ohnehin begrenzt. Ein schmaler Streifen optimaler Bedingungen in der subalpinen Stufe wird nach oben begrenzt durch die anstehenden felsigen und nahrungsarmen Gebiete und nach unten durch ungeeignete Waldgebiete und menschliche Besiedelung. Wenn dieser schmale Streifen nun auch noch durch Seilbahnen und Skipisten zerteilt wird, bedeutet das für viele Tiere: Zerschneidung von Lebensräumen, Verlust von Wandermöglichkeiten und damit einen mangelnden Austausch zwischen Teilpopulationen. Der Alpenplan schützt große, zusammenhängende Gebiete – für viele Arten sind diese zum Überleben unverzichtbar!

 

Doch Naturschutz braucht auch Zeit. Pflanzen und Tiere brauchen Zeit, um sich an neue Bedingungen anzupassen, Populationen verändern sich nicht von heute auf morgen. Während in der Zone A Erschließungsprojekte langfristig geplant und umgesetzt werden können, haben Birkhühner die Chance, ihre traditionsreichen Balzplätze über die Jahrzehnte zu halten – oder langsam, im Laufe der Jahre, zu verlagern. So profitieren Mensch und Natur von der Verlässlichkeit, die der Alpenplan mit seinem 45-jährigen Bestehen bietet. Es wäre fatal, diesen verlässlichen Grundstein zu untergraben.