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Tag der Flüsse 2022

19.09.2022, 16:17 Uhr

Flüsse sind wichtige Lebensräume und müssen geschützt werden. Die wenigsten Flüsse fließen heutzutage noch frei und wild. Am 25. September, dem "Tag der Flüsse", soll der Fokus auf dem Schutz unserer wertvollen Gewässer liegen.

Wilde Flüsse sind selten geworden. Vielerorts werden die Gewässer für die Schifffahrt oder auch die Wasserkraft schon lange genutzt. Doch an Großprojekten, wie dem Ausbau des Kraftwerks Kaunertal wird deutlich, wie schützenswert unsere letzten frei fließenden Flüsse sind. Die reißenden Gewässer ziehen nicht nur viele Wassersportler*innen an, sondern sind vor allem auch wichtige und einmalige Lebensräume für Insekten, Pflanzen und Wasserlebewesen. Deshalb findet am 25. September der 18. Tag der Flüsse statt.

 

Flüsse als Lebens- und Erholungsraum besser schützen

Die Wetterereignisse der letzten zwei Jahre als Ausdruck der Klimakrise haben gezeigt, wie verletzlich unsere Flüsse, aber dadurch auch wir Menschen, sind: Auf der einen Seite Starkregenereignisse, die viele Menschen mit dem Leben bezahlen mussten und die vielen Regionen vorher nicht denkbare Schäden zugefügt haben; auf der anderen Seite Trockenheit, die unsere Flüsse in ihrer Funktion als Lebensader in allen möglichen Formen bedrohen. Und schließlich von Menschen gemachte Flussver­schmutzungen, die auf Jahre Schäden am Fluss und seiner Fauna und Flora verursachen.

Das Kuratorium Sport und Natur ruft deshalb aus Anlass des Internationalen Tages des Flusses dazu auf, Flüsse als Lebens- und Erholungsraum besser zu schützen.

 

Wassersportler*innen bemerken Veränderungen in den Flüssen

Wassersport ist nah dran und bemerkt Veränderungen in unseren Flüssen sehr schnell. Kanufahren, Angeln, Segeln, Tauchen, Rudern und weitere Natursportarten – natur- und landschaftsverträglich ausgeübt – sind Erholung vieler Millionen Menschen in Deutschland und die über vier Millionen Aktive, die in den Mitgliedsverbänden des Kuratoriums Sport & Natur organisiert sind, bilden auch ein eindrucksvolles Potenzial für den Naturschutz in der Gewässerpflege und deren regelmäßigen Beobachtung.

Zum Tag der Flüsse erinnern wir an den unbedingten Schutz unserer Gewässer und an die Grundbedürfnisse des sanften Wassersports und der wassergebundenen Erholung!

 

  • Wasser ist Alles: Die dramatischen Pegelstände der Dürrejahre, die Verschmutzungs­katastrophe der Oder, extremes Hochwasser, die bislang zaghaften Fortschritte bei der Erreichung der Ziele der WRRL zeigen: Die Notwendigkeit schnell und besser zu Handeln als bisher und unseren Flüssen Aufmerksamkeit zu schenken war noch nie so offensichtlich wie jetzt!
  • Wassersport sichern: Die Renaturierungen von Gewässern, Uferbereichen und Flussauen sowie deren Schutz sind unbedingt nötig. Diese Maßnahmen dürfen aber nicht dazu führen, dass die Ausübung von natur- und landschaftsverträglichem Wassersport untersagt wird.
  • Durchgängigkeit der Gewässer erhalten: Die Förderung erneuerbarer Energien umfasst auch Wasserkraftanlagen. Die nötige Durchgängigkeit der Wasserlebewesen für den Schutz der Biodiversität muss gesichert werden. Baumaßnahmen müssen aber auch die Durchgängigkeit für muskelkraftbetriebene Wasserfahrzeuge ermöglichen.
  • Bundesnaturschutzgesetz präzisieren: Weiterhin reicht in Verordnungsentwürfen, schon die abstrakte Möglichkeit von negativen Auswirkungen aus, um Verbote zu begründen. Es wird eine Ergänzung im Bundesnaturschutzgesetz benötigt, wonach erst konkrete und auch für verständigen Laien nachvollziehbar erheblich störende Handlungen von Verboten erfasst werden dürfen.
  • Befahrensrecht sichern: Mit Pandemiebeginn hat sich das Bedürfnis der Menschen nach Erholung im Freien deutlich gesteigert. Neben dem Betretensrecht müssen auch das ihm gleichgestellte wasserrechtliche Befahrensrecht mit wind- und muskelkraftbetriebenen Booten sowie Tauchen und deren grundsätzliche Unentgeltlichkeit im Gesetz als „allgemeiner Grundsatz“ verankert werden.
  • Sport bei Naturschutzvorhaben beteiligen: Der „frühzeitige Austausch mit Betroffenen“ über Planungen und Maßnahmen nach § 3 Abs. 5 BNatSchG hat sich häufig als ungenügend für die Sportausübung erwiesen. Die Natursportverbände, das Kuratorium Sport & Natur und der DOSB und dessen Landessportbünde und -verbände sind bei Anhörungen obligatorisch rechtzeitig zu beteiligen, sie können Betroffenheit besser einschätzen und umgekehrt als Multiplikatoren für die Umsetzung und Akzeptanz von Schutzmaßnahmen eintreten.
  • Gremien fortführen: Die Parlamentarische Gruppe Frei fließende Flüsse hat sich als Plattform der Kommunikation und Verständigung zwischen Naturschutz und Sport überaus bewährt. Die Fortführung in dieser Legislaturperiode sollte daher selbstverständlich sein.
  • Eine nachhaltige Sportstrategie des Bundes entwickeln: Das wäre eine Möglichkeit, die gesundheitsfördernde Wirkung und die sozioökonomischen Aspekte des Natursports – und damit auch des Wassersports - zu fixieren und dem Breitensport eine gleichrangige bundespolitische Rolle zu geben.

Natursport ist zugleich Naturerlebnis. Deshalb engagieren wir uns und unsere Mitgliedsverbände sich für die Natur- und landschaftsverträgliche Sportausübung und treten aktiv dafür ein, die Biodiversitätskrise und Klimakrise zu meistern. Wir achten die Regelungen zum Schutz sensibler Lebensräume – erwarten aber, dass diese nachvollziehbar und fair sind.

 

Kuratorium Sport & Natur

 

Schützenswerte Flüsse: Venter & Gurgler Ache

Für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal sollen die Venter und die Gurgler Ache, die beide die Ötztaler Ache speisen, abgeleitet werden. Die beiden reißenden Flüsse und der Verwall- und der Königsbach müssen als Lebensräume und für den Wassersport erhalten bleiben. Warum der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal kein gutes Beispiel für Klimaschutz ist, erklären wir im Video. 

 

Neben dem DAV machen sich viele weitere Organisationen gegen den Ausbau stark, unter anderem der Verein WET - Wildwasser erhalten Tirol. Am 2. Oktober demonstrieren die Wassersportler*innen und Naturschützorgansationen vor Ort für den Schutz der Flusslandschaften und Naturräume. Infos dazu gibt es bei WET.

 

Ausbau des Wasserkraftwerks im Kaunertal

Platzertal und Gurgler Ache in Gefahr

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Ein geflutetes Hochtal und vier abgeleitete Bergflüsse - das Resultat der Pläne der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) zum Ausbau des Speicherkraftwerks im Kaunertal.