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Selbst ist der Gast

Eingang zum Winterraum Nach der Tour in einer gemütlichen, einsamen Enklave zwischen Firnhängen und Wintersternenhimmel übernachten und dem Wind lauschen – die Idealvorstellung vieler Bergsportler. Möglich wird das durch die Winterräume, die einige Touren erst erlauben.

Der Winterraum, eine beheizbare Miniausgabe einer Selbstversorgerhütte, ist mit Matratzenlagern, Decken, Kochgelegenheit, Geschirr und einfachen Winterrettungsmitteln ausgestattet.

 

Er gewährt außerhalb der Bewirtschaftungszeit der hochalpinen Alpenvereinshütten Schutz und Unterkunft, ermöglicht aber auch zu jeder Jahreszeit besondere Bergerlebnisse.

 

Viele Touren wären ohne diese „Basecamps“ in den Bergen gar nicht denkbar. Zu lange Zustiege, widriges Wetter und zu viele Höhenmeter an einem Tag hätten schon vielen einen Strich durch die Tourenrechnung gemacht, wenn nicht die Sektionen der Alpenvereine diesen wichtigen Bestandteil der alpinen Infrastruktur zur Verfügung stellen würden. Auch die Hüttenwirtsleute leisten ihren wertvollen Beitrag: Sie überprüfen die Räume regelmäßig und beschaffen Brennholz.

 

Gäste mit Eigenheiten

Winterräume haben so viele Gesichter und damit verbundene Erfahrungen, wie sie unterschiedliche Charaktere anziehen: vom Eremiten, der sich gerne einschneien lässt und es spartanisch mag, bis zu internationalen Ausbildungsgruppen, die bei Mehrtagestouren hier Rast machen und Überlebenstrainings abhalten.

Dazu kommen die klassischen Bergsteiger und die „Jungen Wilden“, die am liebsten den ganzen Winter hier oben verbringen würden. Und manchmal verirren sich sogar verliebte Paare dorthin. So unterschiedlich die Nutzer auch sind: Sie alle genießen einen hohen Vertrauensvorschuss der hüttenbesitzenden Sektionen. Die Winterräume sind offen oder mit einem AV-Schloss versperrt, dessen Schlüssel bei jeder Sektion erhältlich ist. Voranmeldungen sind nicht nötig, Brennmaterial wird gegen einen geringen Kostenbeitrag zur Verfügung gestellt.

 

Zustieg mit Hindernissen 

Der erste Knackpunkt bei einem Aufenthalt in einem Winterraum ist die Orientierung vor Ort: Einige sind separate Gebäude, andere sind von außen zugängliche Räume einer Schutzhütte und damit nicht gleich auf den ersten Blick zu finden. Die nächste Hürde ist der Holzofen, dessen richtige Nutzung in Zeiten der Induktions und Elektroherde oft in Vergessenheit geraten ist (s. Illustration). Auch die versteckten Beitragskassen, die sich oft in bescheidenes Grau kleiden, werden häufig übersehen – mittlerweile so oft, dass die Wartung und Pflege des Raumes selbst ohne Reparaturaufwand nicht kostendeckend ist.

 

 

Die zehn häufigsten Zweckentfremdungen von Winterräumen

 Winterraumofen - von Georg Sojer

1 Sonnwendfeuer
Nicht ausgelöschte Öfen sind die Brandursache Nr. 1 auf Hütten! Wenn das Brennholz zur Neige geht, wird gern auf brennbares Inventar ausgewichen.

2 Kühlschrank mit Tiefkühlfach
Eingeschlagene oder offen gelassene Fenster und Türen.

3 Räucherkammer

Einheizen im Backrohr oder im Rauchabzug statt im Ofenloch und dadurch Ruß im ganzen Raum.

4 Testgelände für einen Bankraub

Aufgebrochene und gestohlene Hüttenkassen (aktuell: Heinrich-Schwaiger-Haus).

5 Mülldeponie und Speiserestemuseum

Hier oben gibt es keinen Mülleimer! Trotzdem verursachen viele Benutzer Mehrkosten für die Reinigung und den Abtransport von Abfällen. Zudem locken Essensreste gern Mäuse in den Winterraum.

6 Eigentumswohnung

Viele entrichten den geringen Kostenbeitrag (Übernachtungstarif + 5 € Zuschlag) nicht. Dieser ist aber für das Fortbestehen der Einrichtung essenziell. Manchmal verstehen Platzhirsche die Schutzeinrichtung als ihr dauerhaftes Winterdomizil.

7 Saustall
Zum Ärger vieler vergessen einige, aufzuräumen, abzuwaschen und die Hütte sauber zu verlassen.

8 Reviermarkierung

Einige verstehen den Vorraum leider als öffentliche Toilette.

9 Souvenirshop

Erinnerungsstücke, wie DAV-Decken, Kochtöpfe, Löffel oder Messer, werden gern mit nach Hause genommen.

10 Sauna

Dauerheizen, um die mittlere Raumtemperatur auf 40 Grad zu halten, verschwendet unnötig Brennholz.


 

 

Hütten des Deutschen Alpenvereins

Hüttenkategorien, Winterräume und Selbstversorgung

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Der Deutsche Alpenverein betreibt insgesamt 322 öffentlich zugängliche Schutzhütten, die jeweils von einer Sektion verwaltet werden.