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Skitouren im Kleinwalsertal

Von Manfred Scheuermann
 
Weites Skigelände in grandioser Landschaft, moderne Infrastruktur, ausgewogene Naturschutzkonzepte: Das gleich am Alpenrand gelegene, schneesichere Kleinwalsertal bietet Tourenspaß auf höchstem Niveau. Höchste Zeit für einen längeren Aufenthalt. 
 
Traumhaft schön und für das Kleine Walsertal charakteristisch, stehen der wuchtige Widderstein und der einzigartige Hohe Ifen als Wächter des Tales in den Himmel hinein. In einen fast immer azurblauen, fast südlichen Himmel“, schwärmte E. A. Pfeifer 1956 in seinem Buch „Das Kleine Walsertal, ein Alpenjuwel“ und fuhr fort: „Geblieben sind die lieblichen, samtbraunen Walserhäuser, geblieben die liebenswerten Bergmenschen in ihrer sonnigen, geselligen Art. (…) Wer einmal im Winter im Kleinen Walsertal war, kehrt immer wieder. Er träumt das ganze Jahr über von den Tagen und Wochen, die er dort verbrachte, zumal man dort nicht hinter der Welt, sondern mitten in ihr ist, in der Skiwelt nämlich“. Ein Feuerwerk der Begeisterung, doch wie präsentiert sich die Region heute, knapp 60 Jahre später? Was hat der Massentourismus aus dem „Alpenjuwel“ gemacht?
 
Die verstreut liegenden fotogenen Walserhäuser gibt es noch, dazwischen haben sich viele nicht allzu klotzige Hotels, diverse Banken, Bahnen und Lifte geschoben. Die Anzahl der Besucher und Autos hat sich vervielfacht. Immerhin liegt das Kleinwalsertal mit jährlich rund 1,5 Millionen Nächtigungen an fünfter Stelle aller österreichischen Tourismusregionen. Wenn aber frühmorgens auf dem Weg nach Riezlern plötzlich das unverwechselbare Pultdach des Hohen Ifens ins Blickfeld gerät, dicke kuschelweiche Schneekappen auf den Häusern und sanft gewellte glitzernde Schneeflächen feinsten Puderzucker versprechen, dann ist es wieder da, jenes Kribbeln, das wohl auch die Skipioniere im Bauch hatten. Der einzigartige Landschaftscharakter dieses klimatisch begünstigten Hochtales ist erhalten geblieben, auch die bemerkenswerte Gastfreundschaft der „liebenswerten Bergmenschen“ und zum Glück auch viele Skitourenmöglichkeiten, die die Herzen der Tourengeher höher schlagen lassen.
 
Gottesacker-Skitour
Beim Aufstieg zur Torscharte liegt das Gottesackerplateau unter dem Felsband des Ifen im Winterdunst, Foto: Manfred Scheurmann
 
Gleich zur Rechten fallen die eigenartigen Riesenstufen der Gottesackerwände auf. Für Geologen ein Spektakel; kaum zu glauben, dass es dort zwei rassige Tourenabfahrten gibt. Vom heimeligen Mahdtalhaus der DAV-Sektion Stuttgart schlängelt sich die ausgeschilderte Aufstiegsroute entfernt von Raufußhühnern und Rotwild durch den Wald hinauf zum Toreck und zur Torscharte. Eigens für Touren- geher wurde dort eine Schneise angelegt, zum Ausgleich haben fleißige Helfer woanders junge Bäumchen im steilen Schutzwald eingepflanzt. Vom Gipfel erblickt man den gesamten Allgäuer Hauptkamm und steht erhaben über dem Gottesackerplateau, hinter dem die schräg gestellte Mauer des Ifens wuchtet. Der Gottesacker soll einmal sehr fruchtbar, ein „Acker Gottes“ gewesen sein. Der Legende nach stand hier ein großer reicher Bauernhof. Doch der wohlhabende Bauer behandelte seine Mägde und Knechte schlecht und wies eines Augustabends einen Bettler ab, der daraufhin den Hof verfluchte. Ein Blitz schlug ein, Hof und Bauersfamilie verbrannten und der Acker Gottes erstarrte zu Stein.
 
Hahnenkoepfle-Skitour
Abfahrt vom Hahnenköpfle, Foto: Manfred Scheuermann
Geblieben ist das wellige, leicht geneigte Hochplateau, das es fast mit der Weite skandinavischer Fjells aufnehmen könnte. Wer es bequem will, nimmt die Ifenbahn und gleitet, gute Sicht vorausgesetzt, darüber hinweg zur verfallenen Gottesackeralpe. Von dort lassen sich die hochalpinen Tourenabfahrten schon nach kurzem Aufstieg erreichen. Das unscheinbare Hahnenköpfle über dem Ifen-Skigebiet gehört den Tourengehern spätestens dann, wenn im Frühjahr der Skibetrieb bereits ruht, der Schnee aber oft noch wochenlang bis ins Tal reicht. Dann genießen Dutzende prächtiges Skigelände. „Als schönste Schitour des Kleinen Walsertales, mithin auch des Schwarzwassergebietes, gilt allgemein das Hahnenköpfle, eine kleine Erhebung nördlich des Hoch-Ifengipfels. Die Abfahrt bietet einen einzigartigen Genuss und ist für jeden Schitouristen, sei er nun erfahren oder Anfänger, ein schönes Erlebnis“, schwärmte Ildefons Flatz in den 1950er Jahren in der Zeitschrift „Das Kleine Walsertal“, eindeutig noch vor der Lifterschließung. Der Blick nach Westen ist vom Gipfel aus verstellt – nur zehn Minuten weiter, auf einer lockenden weißen Kuppe unter dem Ifen, präsentiert sich plötzlich das ganze Schweizer Alpenpanorama von der Schesaplana über den Tödi bis zum Säntis. Bei lawinensicherem Schnee biegen versierte Skialpinisten in der oberen Ifenmulde nach Süden ab und steigen sehr steil durch den versteckten Winter- Durchschlupf dem Hohen Ifen aufs Haupt. Abgefahren wird auf der anderen, genauso steilen Seite ins Schwarzwassertal. Selbst bei bestem Firn darf man aber dort nicht der Versuchung nachgeben, in der Falllinie bis nach unten zu schwingen. Hier haben die Gämsen eine Wildruhezone, die nach Passieren der Felsstufe im weiten Rechtsbogen umfahren werden muss.
 
 
Den kompletten Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von DAV Panorama.