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Bestätigung für die Sanierungscharta

Die Ergebnisse der Leserumfrage zu „Alpinen Klassikern“ bestätigen die Empfehlungen der Alpenvereine zu diesem sportlichen Kulturgut.

 

Eine teilweise Rückbesinnung auf „Alpine Klassiker“ hatten wir in DAV Panorama 5/2013 postuliert und unsere Leser um ihre Meinung gebeten. Natürlich gibt es dazu als Grundlage die „Sanierungscharta“ der Alpenvereine, die mit einer sehr breiten Basis weiterer Kletterverbände und -vertreter abgestimmt ist und definiert, was derzeit als „guter Stil“ oder „best practice“ akzeptiert wird. Die Umfrage sollte die Zustimmung der Aktiven zu diesen Empfehlungen abklären – und ergab tatsächlich, dass eine breite Mehrheit ähnlich fühlt, denkt und handelt.

 

Über 600 Kletterer haben sich an der Umfrage beteiligt; gut drei Viertel der Teilnehmenden klettern zumindest „gelegentlich“ Klassiker, sie wussten also worüber sie urteilten.

 

Wie viele "alpine Klassiker" sollten saniert werden?

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Pluralistisches Bild: Rund 60% wünschen sich mehr Sanierung, 40% weniger.

 

Auf den ersten Blick sieht das Meinungsbild geteilt aus: Knapp die Hälfte wünschte sich, es sollten „gar keine“ (14%) oder „weniger als jetzt“ (26%) Klassiker saniert werden, während etwas mehr Sanierungen befürworteten – 37% wünschten sich „noch ein paar mehr“ Sanierungen, 23% wollten sie für „alle“ Klassiker. In der Frage, wie man mit „Denkmalrouten“ umgehen solle, hielten sich die Meinungen die Waage: 52% wollten sie „sanieren wie Klassiker“, 48% „original belassen“.

 

Wie sollte man mit „Denkmalrouten“ umgehen?

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Geteilte Meinung zu „Denkmälern“: Pflege oder „Finger weg“ sind gleich verteilt.

 

 

Man mag die 60:40-Mehrheit für mehr Sanierung als Widerspruch zur Empfehlung der Charta empfinden. Läge damit aber falsch. Denn die Alpenvereins-Maxime strebt lediglich an, „den ursprünglichen Charakter der Kletterführen zu erhalten“, also darauf zu verzichten, „die Zahl der fixen Sicherungen zu erhöhen“. Das heißt: Sanierungen können durchaus stattfinden, aber zurückhaltend und mit Bohrhaken nur an „neuralgischen Punkten“. Zur Gewichtung, wie viele Routen und Klassiker saniert werden sollten, gibt die Charta keine Empfehlung. Hier mag das sehr geteilte Meinungsbild der Umfrage eine Bestätigung für die derzeitige Grundhaltung sein, einen Pluralismus der Stile zu akzeptieren und zu fördern – der sich eben in der Art der Absicherung oder Sanierung niederschlägt.

 

Wertvoller als die statistischen Ergebnisse der Fragen sind die Kommentare, die auf die letzte, offene Frage abgegeben wurden. Da gab es die Extremposition, dass „die Sicherheit der Kletterer Vorrang hat“. Oder die Zuspitzung: „Denkmalrouten sollten über den Namen kennntlich sein, nicht über den Verrottungsgrad der Sicherungspunkte.“ Und auch die pfiffige Aussage: „Gerade die Denkmalrouten sollten saniert werden! Sonst werden sie ja so gut wie überhaupt nicht mehr begangen.“

Aber auch die entgegengesetzte Sicht wurde ausgedrückt: „Normalhaken sollten nicht durch Bohrhaken ersetzt werden“, „nichts sanieren, was auch selbst einigermaßen sicher abzusichern ist“, „die meisten Marksteine der Alpingeschichte sind in unseren Breiten zerstört“.

Die meisten Kletterer aber formulierten Sätze, die wörtlich aus Charta stammen könnten: „Die Route sollte mit dem Charakter erhalten bleiben, den der Erstbegeher ihr verliehen hat“, „an neuralgischen Punkten alte Normalhaken mit Bohrhaken ersetzen“, „es soll sich auch in sanierten Klassikern noch lohnen, Keile und Friends mitzunehmen“.

 

Eins wird klar aus den Kommentaren: Es gibt noch sehr unterschiedliche Interpretationen zu den Begriffen „Sanierung“, „Klassiker“ und „Denkmalroute“, die Diskussion wird also weitergehen – eine Aufgabe auch für die Alpenvereine. Auf jeden Fall scheint deren Charta mit ihrem Ansatz von alpinem Pluralismus und Respekt vor dem Bestehenden nicht nur die alpine Elite zu repräsentieren, sondern auch der Ansicht der Breitensportler zu entsprechen. Eine direkte Ermunterung für die Arbeit der Alpenvereine kam von einem Allgäuer Bergführer: „Was wir brauchen, ist eine alpine Raumordnung, die ein pluralistisches Klettern auch in Zukunft möglich macht.“

 

Und was könnten denn „Alpine Denkmäler“ sein? Die offene Frage ergab drei klare Favoriten: die Pumprisse an der Fleischbank, die Comici in der Nordwand der Großen Zinne und quasi „alles“ an der Laliderer-Nordwand.

Hier finden Sie die komplette Liste mit allen Kommentaren.

 

Mehr zum Thema Klassiker & Sanierung unter www.alpenverein.de/klassiker