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Warum ich Mountainbiker bin?

Mountainbikerinnen und Mountainbiker lieben die Natur – so lautet eine der Erkenntnisse aus der Umfrage „Mountainbiken im DAV“. Die Motivationen und Ansichten von MTB- und E-MTB-Fahrerinnen und Fahrern sind recht ähnlich. Zwischen beiden Gruppen gibt es aber auch Unterschiede.

Im Sommer 2019 führte der DAV eine Umfrage unter Mountainbikerinnen und Mountainbikern durch. Das Ziel war, mehr über deren Motivation, das Verhalten und die Einstellungen zu erfahren. Dabei interessierten insbesondere die Unterschiede zwischen den Fahrerinnen und Fahrern klassischer MTBs und E-MTBs (in der Umfrage als „MTBike“ und „MTPedelecs“ bezeichnet). Über 7500 aktive Mountainbikerinnen und Mountainbiker aus den DAV-Sektionen nahmen teil. Darunter waren dreiviertel Männer – was nicht überrascht, ist der Sport doch immer noch stark männlich geprägt. Die Studie ist nicht repräsentativ; die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entstammen einer ausgewählten MTB-affinen Stichprobe.

 

Mit oder ohne "E"?

Fahren die DAV-Mitglieder eher mit oder ohne elektrische Unterstützung? Die Ergebnisse zeigen, dass das E-MTB noch nicht allzu weit verbreitet ist: Etwas weniger als zehn Prozent der Befragten besitzt ein E-MTB. Das klassische Mountainbike ist also nach wie vor das beliebtere Sportgerät. Wer MTB fährt, übt daneben oft mehrere andere Sportarten aus. Mountainbikerinnen und Mountainbiker gehen oft auch Wandern und Bergsteigen. Das ist positiv zu sehen: „Denn dann ist es eher möglich, die Wünsche und Bedürfnisse der anderen Gruppen zu verstehen“, so Nicolas Gareis, einer der Zuständigen für das Thema Mountainbike beim DAV.

Wie häufig sind MTBler und E-MTBler unterwegs? Ein Drittel der Befragten gibt an, nicht regelmäßig in den Bergen unterwegs zu sein, 24 Prozent sind ein bis zwei Mal in der Woche auf dem Rad aktiv. Die meisten jedoch setzen sich unregelmäßig aufs Bike. Dabei zeigen sich keine großen Unterschiede in der Nutzung der beiden Sportgeräte.

 

Lieber in den Mittelgebirgen als in den Alpen

Überraschend hoch ist der Anteil derjenigen, die hauptsächlich in den Mittelgebirgen unterwegs sind. 50 Prozent ziehen die flacheren Bergregionen vor, 32 Prozent der Befragten biken eher in den Alpen. Immerhin 18 Prozent nutzen ihr Bergfahrrad vornehmlich in städtischen Gebieten.

Die hohe Bedeutung der Mittelgebirge hängt auch damit zusammen, dass viele Mitglieder die Berge nahe des Wohnorts vorziehen. Knapp die Hälfte beginnt die Tour direkt vor der Haustür. Eine Anfahrt zum Ausgangspunkt entfällt – und damit auch der Ausstoß von klimaschädlichem CO2. „Im Umkehrschluss könnte dies bedeuten, dass, wenn vor Ort kein attraktives Angebot zur Verfügung steht, weitere Anreisen in Kauf genommen werden oder auf die Ausübung des Sports verzichtet wird“, folgern die Initiatoren der Studie.

Wer nicht zuhause startet, nimmt meistens das eigene Auto zur Anfahrt. Fast 90 Prozent der Bikerinnen und Biker geben dies an. Mit größerem Abstand folgen der Regionalzug (27 Prozent) oder eine Mitfahrgelegenheit (14 Prozent). Ein Grund für die Wahl des PKW könnte die größere Flexibilität sein. Außerdem fehlen im öffentlichen Verkehr oft die Kapazitäten und komfortable Möglichkeiten, ein Fahrrad mitzunehmen.

 

E-Biker fahren längere Touren...

65 Prozent der Befragten bezeichnen sich selbst als „Tourenfahrer“. Als wenig sportlich ambitionierte „Genussfahrerin oder Genussfahrer“ sehen sich 44 Prozent. Nur ein geringer Bruchteil ordnet sich als „Downhiller“ und „Leistungssportler“ ein. Egal ob mit dem MTB oder E-MTB, am liebsten wird auf Forststraßen bergauf gefahren. Wer ohne Motor unterwegs ist, nutzt hingegen bergab häufiger den Trail.

Betrachtet man die Länge der gefahrenen Touren, so stechen zwei Dinge ins Auge: Während Strecken unter zehn Kilometern und im Bereich zwischen 31 und 50 Kilometern sowohl mit dem MTB, als auch mit dem E-MTB von einer ähnlichen Anzahl gefahren wird, gibt es bei anderen Distanzen große Unterschiede. Strecken zwischen elf und 30 Kilometern werden doppelt so oft von klassischen MTB-Fahrerinnen und Fahrern zurückgelegt.

 

... aber keine höheren

Bei Touren über 50 Kilometern kehrt sich dies um. Gerade einmal 12 Prozent der klassischen MTBler und MTBlerinnen unternehmen solche langen Touren, gegenüber 30 Prozent der E-Biker und E-Bikerinnen. Ein Grund könnte sein, dass letztere auch längere Touren gleich von der Haustür starten und die „Anreise“ deshalb mit einfließt.

Touren unter 1000 Höhenmeter werden häufiger ohne elektrische Unterstützung bewältigt. Bei Touren mit größeren Höhenunterschieden zeigen sich hingegen kaum Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Interessant ist, dass 28 Prozent der E-Biker und E-Bikerinnen angeben, nicht zu wissen, wie viele Höhenmeter sie in der Regel zurücklegen. Dies trifft demgegenüber nur auf 5 Prozent der MTB-Fahrerinnen und -Fahrer zu.

 

Alle schätzen das Naturerlebnis

Trail-Center und Bike-Parks können Wege in der Natur entlasten. Die Mehrzahl der Befragten (66 Prozent) nutzt diese Angebote jedoch nicht. Nur ein Viertel besucht Bike-Parks, Trailcenter etwa 15 Prozent. Das könnte daran liegen, dass vor der Haustür solche Angebote nicht vorhanden sind. Andererseits ist die wichtigste Motivation der Bikerinnen und Biker eine andere: An erster Stelle steht das „Naturerlebnis“ – egal, welches Gefährt man nutzt. Für die meisten ist es besonders wichtig, beim Sport eine „vielfältige, attraktive Landschaft“ zu erleben. Die Bikerinnen und Biker sind in zweiter Linie an „Fitness und Gesundheit“ interessiert.

 

E-Biker wollen mehr einkehren

Sportliche Ambition ist für beide Gruppen sehr bedeutsam. Wer auf dem klassischen MTB unterwegs ist, schätzt darüber hinaus das „Unterwegssein aus eigener Kraft“. Elektrische Unterstützung wird gerne dafür genutzt, Gebiete zu erreichen, die man wegen der Distanz und mangelnder Kondition nicht erreicht hätte. Vielen Sportlerinnen und Sportlern ist auch die Gesellschaft von anderen Menschen wichtig.

Klassische MTBler und MTBlerinnen suchen sich oft eine „sportlich fordernde Strecke“ aus. „Breite Forststraßen“ werden als besonders unwichtig angesehen. Das klingt schlüssig, präferieren diese doch beim Bergabfahren schmale Trails. In einem Punkt unterscheiden sich die Vorlieben der beiden Gruppen deutlich: Den E-Bikern ist es viel wichtiger, unterwegs eine Einkehrmöglichkeit zu finden.

 

Umweltschutz und Konflikte – Einschränkungen für E-Bikes?

Für die Befragten ist klar: Mountainbiken sei generell mit Naturschutz vereinbar. Die Zustimmung liegt bei über 90 Prozent. Problematisch sehen viele, dass durch das E-Bike wesentlich mehr Menschen in die Berge kämen. Etwa die Hälfte der Befragten stimmt für eine (wie auch immer geartete) Einschränkung von E-Bikes in den Bergen. Über 34 Prozent sind dagegen. Wie man die Nutzung von E-MTBs begrenzen kann, wurde in der Studie nicht gefragt. Bei den klassischen MTBs besteht hingegen größere Einigkeit: Die Mehrheit der Befragten lehnt generelle Beschränkungen für das nichtmotorisierte Rad ab (82 Prozent).

Etwa ein Drittel der Mountainbikerinnen und Mountainbiker haben bereits negative Erfahrungen gemacht. Sehr häufig werden Konflikte mit Wanderern genannt, aber auch solche mit E-Bikern. Die Probleme lägen zum Beispiel an deren unangepasster Fahrweise und der wenigen Erfahrung. Auch Konflikte mit Hundehaltern, Almbauern und Gastwirten haben die Fahrerinnen und Fahrer bereits erlebt. Kritisiert wird zum Beispiel, dass ein Angebot an speziellen MTB-Strecken oftmals fehlt und eine unklare Rechtslage besteht.

 

Was soll der DAV unternehmen?

Besonders häufig äußern die Befragten den Wunsch, der DAV solle sich dafür einsetzen, die Akzeptanz des Mountainbikens zu stärken. Dann könnte man vom Gegeneinander wieder zum Miteinander kommen. Der DAV soll weiterhin informieren, bei Konflikten vermitteln und dabei mit anderen großen Verbänden zusammenarbeiten.

Ganz konkret müsste sich der DAV dafür einsetzen, spezifische MTB-Strecken und Beschilderungen einzurichten. Mehrere Befragte meinen, Verbote würden die Konflikte nicht lösen. Deshalb seien generelle Streckensperrungen nicht wirksam. Das Angebot von Ausbildungen und Technikkursen müsste außerdem erweitert werden.