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Keine Entwarnung für Mensch und Klima

10.08.2021, 09:12 Uhr

Der erste Teil des sechsten IPCC-Sachstandsberichts ist erschienen. Klingt langweilig? Hinter den nüchternen Sätzen der Klima- Wissenschaftler*innen tönt unüberhörbar der Alarm.

Der aktuelle Zustand des Klimas

  • Es ist eindeutig, dass der Einfluss des Menschen die Atmosphäre, den Ozean und die Landflächen erwärmt hat.
  • Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im gesamten Klimasystem und der gegenwärtige Zustand vieler Aspekte des Klimasystems sind seit vielen Jahrhunderten bis Jahrtausenden beispiellos.
  • Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt aus.
 

Mögliche Klimazukünfte

  • Eine globale Erwärmung von 1,5 °C und 2 °C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden, es sei denn, es erfolgen in den kommenden Jahrzehnten drastische Reduktionen der CO2- und anderer Treibhausgasemissionen.
  • Es wird eine Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen (Meereshitzewellen) und Starkniederschläge, landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren in einigen Regionen, das Ausmaß tropischer Wirbelstürme sowie Rückgänge des arktischen Meereieses, von Schneebedeckung und Permafrost geben.
  • Viele Veränderungen aufgrund vergangener und künftiger Treibhausgasemissionen sind über Jahrhunderte bis Jahrtausende unumkehrbar, insbesondere Veränderungen des Ozeans, von Eisschilden und des globalen Meeresspiegels.

Steffen Reich, Leiter des Ressorts Naturschutz beim Deutschen Alpenverein, meint: „Der IPCC-Bericht unterstreicht noch einmal die Bedeutung der Klimaresolution, die der DAV 2019 verabschiedet hat. Dort heißt es: „Die Zeit des Zauderns ist vorbei. Wir müssen handeln. Jetzt!“

 

Begrenzung zukünftigen Klimawandels

  • Aus naturwissenschaftlicher Sicht erfordert die Begrenzung der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau eine Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen, wobei zumindest netto Null CO2-Emissionen erreicht werden müssen, zusammen mit starken Verringerungen anderer Treibhausgasemissionen.
  • Eine starke, rasche und anhaltende Verringerung von CH4-Emissionen (Methan) würde auch den Erwärmungseffekt begrenzen, der sich aus abnehmender Luftverschmutzung durch Aerosole ergibt, und die Luftqualität verbessern.

„Klar ist, dass die Mammutaufgabe, den Klimawandel zu begrenzen, nur gemeinsam gemeistert werden kann. Der DAV sollte mit gutem Beispiel vorangehen, seine Emissionen deutlich vermindern und sich auf den Weg zur Klimaneutralität machen“, so Steffen Reich.

 

Zum IPCC

Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change; Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen, auch Weltklimarat) ist eine Institution, die den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenfasst. Dazu beruft das IPCC Wissenschaftler*innen aus aller Welt, an den Sachstandsberichten mitzuarbeiten. Am 9. August ist der erste Teil des sechsten Sachstandsberichts erschienen. Teil zwei (Folgen, Anpassung und Verwundbarkeiten) und drei (Bewältigung des Klimawandels) sind für Februar und März 2022 geplant. Das IPCC gibt dabei keine Handlungsempfehlungen. Es wurde 1988 gegründet, seine Sachstandberichte gelten innerhalb der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Darstellung des Forschungsstands über das Klima.

 

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