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Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert

Meilenstein für Artenschutz in Deutschland

11.06.2021, 15:20 Uhr

Bartgeier – seit 140 Jahren ausgerottet in den deutschen Alpen; am 10. Juni 2021 zurückgekehrt: Der bayerische Naturschutzverband LBV hat zwei Bartgeierweibchen in den Bergen des Nationalparks Berchtesgaden ausgewildert. Bevor die Tiere in die Natur entlassen wurden, erhielten sie noch die Taufe auf die Namen „Bavaria“ und „Wally“. Über eine Live-Webcam aus der Felsnische, in der sie nun leben, können Interessierte die Vögel störungsfrei und aus nächster Nähe beobachten.

Von Spanien ins Klausbachtal

Mit den beiden Bartgeiern ist der größte Vogel der Alpen nach Bayern zurückgekehrt. Die jungen, noch flugunfähigen Tiere stammen aus einer andalusischen Zuchtstation der Vulture Conservation Foundation (VCF) und gehören zu einem europäischen Nachzuchtprogramm.

 

In speziell angefertigten, auf Kraxen befestigten Transportkisten wurden die Bartgeier-Damen Bavaria und Wally den Berg hinauf in eine abgelegene, eigens mit Nestern aus Fichtenzweigen und Schafwolle vorbereitete Felsnische gebracht. Die Vögel bekamen außerdem GPS-Sender angelegt, „sie wurden noch einmal untersucht und das erste Futter aus Gamsknochen in der Nähe platziert. Dann haben wir uns auch schon zurückgezogen, um den beiden Geiern die Eingewöhnung in ihre neue Heimat zu ermöglichen“, berichtet Toni Wegscheider, der als LBV-Projektleiter und Bartgeierexperte die Auswilderung koordiniert und wissenschaftlich begleitet.

 

Neue Heimat

Die auf 1.300 Metern Höhe, schwer zugängliche Felsnische ist sechs mal 20 Meter groß und eingezäunt. Artenschützer haben sie so ausgewählt, um ein störungsfreies Aufwachsen der Tiere zu gewähren: die etwa 90 Tage alten Bartgeier sollen nunmehr ohne menschlichen Kontakt weiter aufwachsen und das Fliegen üben. Dabei können sie Forschende über an einem nahegelegenen Beobachtungsplatz installierte Infrarotkameras und einen Livestream überwachen.

 

Mit dem ersten selbständigen Ausflug der beiden Vögel ist voraussichtlich in drei bis vier Wochen zu rechnen. Bis dahin betreiben sie ausgiebige Flugübungen, bei denen sie ihre Flügel kräftigen: mit ihrer bis zu 2,90 Meter Spannweite werden sie bald die rund sechs Kilo Körpergewicht in die Luft heben. Läuft alles nach Plan, werden Wally und Bavaria zunächst die nähere Umgebung ihrer Felsnische im Nationalpark ausforschen, bevor sie endgültig aufbrechen und den europäischen Alpenraum erkunden.

 

Brückenschluss

In Westeuropa vermehren sich die Bartgeier seit einiger Zeit durch Naturbruten wieder selbstständig; in den Ostalpen entwickelt sich der Bestand bisher schleppend. Als neue Heimat für die zwei Jungtiere fiel die Wahl auf den Nationalpark Berchtesgaden, denn der geschützte, hochalpine Naturraum bringt besonders gute Voraussetzungen für das auf zehn Jahre angelegte Projekt mit. Indem eine wichtige geografische Lücke geschlossen wird, soll die zentraleuropäische Bartgeier-Population gestärkt werden.

 

Weitere Informationen

  • Live-Webcam in der Felsnische: Auf der Website des LBV können alle Geschehnisse in der Auswilderungsnische live verfolgt werden.
  • Die ersten Flugversuche und der weitere Lebensweg der beiden Vögel lassen sich ebenfalls im Internet mitverfolgen: Die Bartgeier sind mit GPS-Sendern, künftige Flugrouten der Vögel werden auf einer Karte im Internet unter www.lbv.de/bartgeier-auf-reisen dargestellt.
  • Mehr Informationen zum Projekt unter www.lbv.de/bartgeier-auswilderung