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Ist der Holzberg noch zu retten?

Natur und Klettern in Gefahr

04.05.2022, 13:52 Uhr

Dem beliebten Klettergebiet in einem ehemaligen Steinbruch nahe Leipzig droht das Aus. Eine Baufirma könnte das Gebiet als Deponie nutzen. Mit der Verfüllung des Geländes würde auch ein "Hotspot" der Artenvielfalt zerstört werden.

Update 6. Mai 2022: Klettervertrag nicht verlängert – Aus für Natur und Kletternde droht

Zunächst träumten die DAV-Sektion Leipzig und viele Kletter-Fans von einem eigenem Kletterfelsen mit tollem Biotop vor den Türen Leipzigs. Der Holzberg sollte von der Sektion Leipzig erworben und für Vereinszwecke genutzt werden. Um das Biotop zu erhalten und gleichzeitig naturverträglichen Bergsport zu ermöglichen, gab es sogar eine Förderzusage von einer halben Million Euro durch den Freistaat Sachsen. Doch der Traum ist vorerst ausgeträumt. Der Eigentümer, die Firma Kafril, hat den Vertrag mit der Sektion Leipzig, der das Klettern auf dem Betriebsgelände ermöglichte, zum 26.4.2022 auslaufen lassen und keine Verlängerung in Aussicht gestellt. Das Betreten des Geländes durch Kletternde ist somit ab sofort aus Haftungsgründen untersagt. Die Nutzung eines der beliebtesten Klettergebiete Mitteldeutschlands ist also vorerst nicht mehr möglich.

 

Und es kommt noch schlimmer. Kafril möchte die alten Pläne zur Verfüllung wieder aufgreifen und hat schon die notwendigen Schritte eingeleitet. Um die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, muss beim Oberbergamt eine neue bergrechtliche Genehmigung eingeholt werden. Diese setzt jedoch eine naturschutzrechtliche Genehmigung voraus, welche angesichts der außerordentlichen Artenvielfalt nicht so leicht zu bekommen sein dürfte.

Der Alpenverein Leipzig und der DAV-Landesverband Sachsen setzen sich zusammen mit anderen Umweltorganisationen sowie der Bürgerinitiative Böhlitz weiterhin dafür ein, dass der Holzberg in seiner jetzigen Form als Biotop erhalten bleibt und zukünftig auch wieder beklettert werden kann.

Für den Erhalt des Holzbergs haben sie deshalb eine Petition gestartet:

 

www.openpetition.de/petition/online/holzberg-biotop-rettung-jetzt

#HolzbergRetten #holzbergretter #Holzbergfreunde

 

Nach Auskunft des Landesverbands Sachsen wurde sogar mit Unterstützung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ein Ersatzstandort gefunden. Doch Kafril erkennt die Ersatzstandortlösung nicht an, sieht diesen vielmehr als Zusatzstandort.

 

Lebensraum für geschützte Tierarten

Der Steinbruch Holzberg in den Hohburger Bergen, 35 km östlich von Leipzig, ist mit mehr als 120 Kletterrouten an bis zu vierzig Meter hohen Wänden ein bedeutendes Kletterziel in Mitteldeutschland. Aber nicht nur für Kletterer ist das Gebiet nahe der sächsischen Großstadt ein Paradies: Im Laufe der Zeit hat sich auf dem Gelände ein Lebensraum für viele geschützte Tierarten entwickelt, etwa für Juchtenkäfer, Schlingnatter oder Knoblauchkröte. Der Holzberg gilt mit mehr als 260 Pflanzen- und Tierarten als einer der artenreichsten Hotspots in der gesamten Region Leipzig - und als positives Beispiel, dass Natur und Klettern gut koexistieren können. 2018 kaufte eine örtliche Firma den Steinbruch, um ihn als Erdstoffdeponie zu nutzen. Dafür würde das Gelände mit Baumaterial zugeschüttet werden. Für diese „Verfüllung“ liegt bereits seit 1997 eine Genehmigung vor.

 

Wie lange kann noch geklettert werden?

Nähme die Firma das Vorhaben auf, würde dies in jedem Fall das Ende des Feuchtbiotops bedeuten, welches sich an der Sohle des Steinbruchs entwickelt hat. Aber auch die Kletterer könnten davon betroffen sein. Mit einer umgehenden Initiative hat die DAV-Sektion Leipzig vorerst eine Zusage erwirkt, dass zumindest die Kletterrouten nicht verfüllt werden – diese ist aber jederzeit kündbar und steht damit auf wackeligen Füßen.

Wegen der naturschutzfachlichen Bedeutung des Areals lehnt der Deutsche Alpenverein die Verfüllung komplett ab. Ein artenschutzrechtliches Gutachten, vom Betreiber selbst beauftragt, beschreibt den Steinbruch als Artenschutz-„Hotspot“ für die Region. Vertreter von DAV und IG Klettern haben sich zur Gruppe der Holzbergfreunde zusammengeschlossen und kämpfen seit über einem Jahr gegen die Verfüllung, gemeinsam mit einer örtlichen Bürgerinitiative und anderen Naturschutzverbänden.

 

Suche nach alternativen Standorten

Trotz aller Kritik, für die Kletterer und Umweltschützer sind die wirtschaftlichen Interessen für die Region auch nachvollziehbar. Deshalb haben die Unterstützer des Protests 15 alternative Standorte für die Deponie vorgeschlagen. Diese liegen im zuständigen Landratsamt zur Prüfung. Bisher gibt es jedoch noch keine Rückmeldung. Die Holzbergfreunde sprachen ebenfalls mit dem Umweltministerium. Der grüne Umweltminister Wolfram Günther hatte sich vor seiner Wahl im August 2019 klar gegen die Verfüllung gestellt. Der öffentliche Druck nimmt also zu. Ob sich aber Naturschutz und Natursport gegen die Wirtschaft durchsetzen können, bleibt ungeklärt.

 

Mehr unter www.holzbergfreunde.de

 

Hier finden Sie das Positionspapier des Deutschen Alpenvereins zur geplanten Wiederverfüllung des Steinbruchs Holzberg.