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Was machen Hüttenwirtsleute im Winter?

14.12.2021, 09:39 Uhr

Wirtsleute sind oft so leidenschaftlich in ihrer Arbeit, dass man sie sich kaum in einem anderen Beruf vorstellen kann. Aber was machen sie eigentlich, wenn die Hütten geschlossen sind und die Winterpause da ist? Hier stellen wir kurz und bündig verschiedene Berufe der Wirtsleute vor.

Christine - Augsburger Hütte

Christine ist nicht nur Hüttenwirtin der Augsburger Hütte, sondern auch noch Wirtschaftsprüferin bei KPMG. Während sie in den Sommermonaten auf 2.298 Metern Bergsteiger*innen liebevoll umsorgt, prüft sie im von Oktober bis Mai Jahresabschlüsse verschiedenster Unternehmen und Konzerne.

„Es ist eigenartig am 27. September die Hütte in Bergschuhen zu verlassen und am 1. Oktober plötzlich im Anzug und mit Laptoptasche ins Büro zu gehen und den inneren Schalter wieder auf Bürowelt, Bildschirmarbeit und Gesetzestexte umzustellen“, sagt Christine.

So unterschiedlich die beiden Berufe scheinen, gibt es auch zahlreiche Gemeinsamkeiten. Es gilt, Stressphasen auszuhalten, belastbar zu sein und auch bei Herausforderungen immer Lösungen zu finden. Der Gast steht immer mit Mittelpunkt und wird zuvorkommend behandelt. Übrigens arbeiten auch jedes Jahr im Rahmen einer Nebentätigkeit Bürokolleg*innen bei Christine mit auf der Augsburger Hütte.

 

Caro – Heinrich-Schweiger-Haus

Die Hüttenwirtin der Heinrich-Schwaiger-Hauses kommt ursprünglich aus Regensburg, wo sie im Winter im DAV-Kletterzentrum arbeitet. Was die Arbeit auf 2.802 Metern und im Bistro der Regensburger Kletterhalle gemeinsam haben? Das Klientel – Caro ist froh, das ganze Jahr von Bergmenschen umgeben zu sein.

Es ist keine Seltenheit, dass Gäste der Kletterhalle zu Mitarbeitenden auf der Heinrich-Schwaiger-Haus werden und Caro in den Sommermonaten tatkräftig im Hüttenbetrieb unterstützen.

Seit 2019 bewirtschaftet Caro das Heinrich-Schweiger-Haus, doch ihre Liebe zum Hüttenleben begann schon früher. Ihre erste Hüttenerfahrung hat die Hüttenwirtin auf dem Ingolstädter Haus gesammelt.

 

Michi und Gisela – Passauer Hütte

Seit 10 Jahren bewirtschaftet Michi die Passauer Hütte in den Leoganger Steinbergen. Die Hüttenwirtsleute Gisela und Michi sind beide im „zivilen Leben“ im Rathaus beschäftigt. Während Gisela Standesbeamtin in Ihrer Heimat Aichach ist, arbeitete Michi als Bauamtsleiter im Berchtesgadener Land.

„Natürlich ist der Job im Tal von meiner Frau Gisela und mir um 180 Grad anders, außer in einem Punkt: wir haben immer mit Leutl zu tun“, sagt Michi. Die beiden Tätigkeiten seien absolut nicht zu vergleichen und fordern ganz unterschiedliche Denkmuster und dennoch lassen sich die beiden Jobs miteinander verbinden. Die wöchentlichen Fußversorgung mit frischem Lebensmittel verbindet der Hüttenwirt mit einem Arbeitstag im Rathaus und in Schlechtwetterphasen wird die Hütte zum vielleicht außergewöhnlichsten Homeoffice.

 

Josef - Hohenzollernhaus

Josef hat bereits fünf Sommer als Wirt auf dem Hohenzollernhaus in den Ötztaler Alpen verbracht.  Wenn die Hüttenzeit vorbei ist und in Tirol die Skisaison beginnt, geht es für Josef auf die Piste. Nicht etwa um Ski zu fahren, sondern um verletzten Menschen zu helfen. Josef ist nämlich bei der Pistenrettung und hat dort alle Hände voll zu tun.

Auf die Frage, ob seine zwei Berufe etwas gemein haben meint er: „Ich erlebe im Winter einiges was auch im Sommer, oben auf einer Berghütte, nützlich sein kann - wenn sich jemand verletzt, weiß ich genau was zu tun ist."

Einen wirklichen Favoriten wollte er aber nicht benennen: „Auf der Hütte bin ich sowieso gern und im Winter ist die Pistenrettung ein guter Ausgleich. Mir macht beides Freude."

 

Arbeiten auf einer Alpenvereinshütte

Bergpodcast Folge 26

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In dieser Podcastfolge dreht sich alles um unser liebstes Ziel in den Bergen: Die Hütten. Nach einer langen Tour empfängt uns dort ein stärkendes Bergsteigeressen, ein kühles Bier, ein herzliches Team und eine Aussicht, die kaum schöner sein könnte. Wir schwärmen aber nicht nur von romantischer Bergidylle, sondern wollen wissen: Wie ist es eigentlich so, auf einer Hütte zu leben und zu arbeiten? Das Leben und Arbeiten auf einer Hütte ist ein Knochenjob, der so einiges von den Hüttenwirtsleuten und deren Personal abverlangt. In dieser Podcastfolge erzählen Anita Waibl (Riffelseehütte), Julia Stauder (Richterhütte) und Michi Faber (Passauer Hütte), welche Herausforderungen die Bewirtschaftung einer Alpenvereinshütte mit sich bringt, was man dafür alles können muss und warum es für sie nicht nur ein Job ist, sondern eine Berufung.   Wollt ihr selbst einmal auf einer Hütte arbeiten? Auf alpenverein.de/jobs sind jede Menge Hüttenjobs ausgeschrieben. Außerdem findet ihr zusätzliche wichtige Infos zum Arbeiten auf Hütten hier. 

Leben und arbeiten in den Bergen

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Das "harte Leben in den Bergen" - Mythos oder Realität?