Kletterhallen-Unfallstatistik 2025

Der Deutsche Alpenverein und der Kletteranlagenverband KLEVER geben seit 2015 jährlich einen Bericht zur Kletterhallen-Unfallstatistik heraus. Der Bericht stellt das Unfallgeschehen beim Klettern und Bouldern in künstlichen Kletteranlagen dar auf Basis der Meldungen über den Unfallmeldebogen für Kletter- und Boulderanlagen der DAV-Sicherheitsforschung. Ziel der Unfallstatistik ist die Identifikation von Handlungsfeldern für die Unfallprävention und Information der Klettergemeinschaft.

Die Anzahl der von DAV und KLEVER betreuten künstlichen Kletteranlagen beträgt zurzeit etwa 250 und deckt die Mehrheit der Anlagen in Deutschland ab. Seit 2024 sind auch Anlagen des Verbandes der Kletteranlagenbetreiber Österreichs (VKAÖ) mit demselben Meldeformular in der Erfassung. Die hier vorgestellten Zahlen beruhen auf Meldungen zum Unfallgeschehen 2025 in künstlichen Kletteranlagen in Deutschland und Österreich.

Es besteht keine allgemeine Meldepflicht durch Betreiber von künstlichen Kletteranlagen zu Unfällen im Klettersport. Nicht alle Kletteranlagen melden Unfälle gleichermaßen; es muss von einer nicht erfassten Dunkelziffer ausgegangen werden.

Unfälle 2025

Von 341 gemeldeten Unfällen im Berichtsjahr 2025 fanden jene 252 Unfälle Eingang in die Auswertung, bei welchen ein Rettungsdiensteinsatz erfolgt ist oder auch mindestens eine mittelschwere Verletzung (Einordnung siehe Abbildung) zu verzeichnen war. In diesen Fällen ist eine solide Datenbasis vorhanden.

Eingangskriterium für die Auswertung 2025: Unfall mit Rettungsdiensteinsatz oder auch mindestens mittelschwere Verletzung. Illustration: DAV Sicherheitsforschung
Unfälle nach Schwere der Verletzungen. Eingangskriterium für die Auswertung 2025: Unfall mit Rettungsdiensteinsatz oder auch mindestens mittelschwere Verletzung. Illustration: DAV Sicherheitsforschung


Beim Bouldern
ereigneten sich 174 Unfälle, welche das Eingangskriterium der Auswertung erfüllen, beim Klettern 68 Unfälle (dabei 8 Unfälle an Selbstsicherungsautomaten).

Gesamtheit der ausgewerteten Unfälle 2025 nach ausgeübter Disziplin beim Unfall. Illustration: DAV Sicherheitsforschung

Sonstige Unfälle betrafen z.B. Verletzungen im Hallenumfeld, Trainingsbereich oder beim Spielen. Von den 10 Fällen (4% aller Unfälle) betrafen 5 Kopfverletzungen, dabei 2x Kinder beim Herumlaufen im Kinderbereich und 3x Anlagennutzer*innen beim Stolpern oder auch Anprallen auf Wegen und in Umkleiden.

Verletzungsbilder

Unter den 174 Unfällen beim Bouldern dominieren Verletzungen an den unteren und oberen Extremitäten (89%, Beine n=95, 55%; Arme n=60, 34%).

Die absoluten Zahlen der betroffenen Körperregionen aufgeteilt nach Klettern und Bouldern. Illustration: DAV Sicherheitsforschung

Die absolut geringere Anzahl an Unfällen beim Klettern (n=68) ging häufiger mit schweren Verletzungen einher. Bei Unfällen mit einzelnen verletzten Körperregionen betroffen waren hauptsächlich Beine (n=22) und Rumpf (n=17); in 13 Fällen lagen multiple Verletzungen vor (beispielsweise Schäden im Bereich der Wirbelsäule und zusätzlich Extremitäten).

Schwere (n=24) bis tödliche Verletzungen (n=1) im Berichtsjahr 2025 nach Disziplin. Illustration: DAV Sicherheitsforschung
  • Schwere Unfälle beim Bouldern gingen in 3 Fällen mit offenen Brüchen von Extremitäten einher, in einem Fall Wirbelbruch nach Sturz auf Steiß.

  • Schwere Unfälle beim Klettern resultierten in 9 von 15 Fällen in Wirbelverletzungen bei Bodensturz.

  • Der einzige tödliche Unfall im Berichtsjahr war bei Bodensturz (nicht eingehängt) beim Klettern an Selbstsicherungsautomaten zu verzeichnen.

  • Beim schweren Unfall in der Kategorie Sonstiges kam es sich zu Bruch von Elle und Speiche bei einem Sturz beim Spielen im Kinderparadies.

Boulderunfälle

  • Den Hauptanteil der Boulderunfälle machten Mattenstürze aus (n=155, 89 %).

  • In 17% der Unfallberichte wird (im Freitexteingabefeld) explizit erwähnt, dass beim Versuch des Erreichens des Top-Griffs oder beim Halten desselben sich ein Sturz durch Abrutschen/ Kontrollverlust ereignet hat. Angesichts der meist knappen Vorgangsbeschreibungen deutet dies auf ein ausgeprägtes Bewusstsein der Meldenden für die Problematik "Schwierigkeit in der Höhe" hin.

Boulderunfälle 2025 nach Unfallausgang und dominierender Ausgang Mattensturz im Detail. Illustration: DAV Sicherheitsforschung

Der Blick im Detail auf die Mattenstürze nach Altersklassen zeigt erstens, dass der Hauptteil der ausgewerteten Unfälle die Altersklasse der 21- bis 40-Jährigen betrifft und hier das Unfallmuster "Umknicken" mit Verletzung unterer Extremitäten dominiert. Dies unterscheidet sich vom Verletzungsprofil bei Kindern und Jugendlichen. Mit dem Alter verschiebt sich der Anteil von Verletzungen der oberen Extremitäten zu Verletzungen der unteren Extremitäten bzw. Rumpfverletzungen. Kinder haben einen höheren Körperschwerpunkt als Erwachsene und andere Sturzreflexe.

Mattenstürze je Altersklasse und Anteil der verletzten Körperregionen. Auffällig ist die Verschiebung von oberen zu unteren Extremitäten mit dem Alter.

Große Sturzhöhen bei gleichzeitig unkontrolliertem Abrutschen bergen ein hohes Verletzungsrisiko. Falls die Möglichkeit besteht ist eine Reduzierung der Absprunghöhe immer anzuraten – gerade Verletzungen nach Absprung vom Top sind unnötig und vermeidbar. Abklettern ist immer vorzuziehen.

Abklettern, richtig Fallen/Landen, Spotten und Co. müssen erlernt und ggf. altersspezifisch trainiert werden. Der DAV-Boulderschein: Indoor Bouldercheck für Kinder und Jugendliche zielt darauf ab, die grundlegenden Verhaltensregeln beim Bouldern indoor und ein gutes Verständnis für Sicherheit zu vermitteln.

Betreuenden ist anzuraten, Kompetenz zum Spotten von kleinen Kindern zu erwerben, für die Altersgruppe geeignete Boulderbereiche/ Probleme zu wählen und gegebenenfalls organisatorisch z.B. durch "Ansage" eine Reduktion der maximalen Höhe beim Bouldern zu erreichen.

Betrieblich lässt sich im Routenbau (außerhalb dezidierter Kinderbereiche) berücksichtigen, Boulder, die beispielsweise durch Abstände von Griffen oder auch explizite Beschilderung kleinere Kletternde ansprechen, in entsprechend reduzierter Höhe enden zu lassen.

Ob für Kleine oder Große - im Routenbau in künstlichen Kletteranlagen empfiehlt es sich, zielgruppengerecht zu bauen. Dazu gehören passende Angebote zum Abklettern. In immer mehr Hallen bereits umgesetzt: Downclimb-Griffe bei jedem Top, von dem nicht über leichtere Routen abgeklettert oder ausgestiegen werden kann. Im breitensportlichen Routenbau sollte darauf geachtet werden, die Hauptschwierigkeit eines Boulders nicht in schwer kontrollierbaren Zügen in maximaler Höhe zu erzeugen, insbesondere keine dynamischen Züge zur Seite.

Kletterunfälle

68 Kletterunfälle mit Rettungsdiensteinsatz oder auch mindestens mittelschweren Verletzungen wurden 2025 gemeldet. Die meisten Unfälle ereigneten sich beim Klettern im Vorstieg, gefolgt von Unfällen beim Ablassen.

Anteile der Kletterunfälle (gesamt n=68) nach Sicherungskontext: Vorstieg, Ablassen, Toprope, Sturztraining und Selbstsicherungsautomat. Illustration: DAV Sicherheitsforschung
Kletterunfälle im Berichtsjahr 2025: Bodenstürze und Anprall an der Wand dominieren zahlenmäßig das Unfallgeschehen. Illustration: DAV Sicherheitsforschung
Kletterunfälle im Berichtsjahr 2025: Sportverletzungen und Kollisionen. Illustration: DAV Sicherheitsforschung

In der Detailbetrachtung der Unfälle nach Sicherungskontext und jeweils nach Unfallausgang fällt die hohe Zahl der Bodenstürze beim Ablassen ins Auge. Insgesamt ist der Anteil von Bodenstürzen in Situationen, die im Gegensatz zu Vorstieg bzw. Sturztraining theoretisch ohne freies Sturzpotential einhergehen, mit 44% bedenklich hoch. Im Folgenden werden im einzelne Aspekte dazu und Unfallmuster vertieft.

Kletterunfälle im Berichtsjahr 2025. Auffällig ist die Zahl der Bodenstürze beim Ablassen (n=15). Illustration: DAV Sicherheitsforschung

Bodenstürze beim Ablassen (n=15)

Im Jahr 2025 ereigneten sich die 15 der gesamt 31 Bodenstürze beim Seilklettern während des Ablassens. 8 von 15 dieser Bodenstürze resultierten in mittelschweren Verletzungen, 3 in schweren Verletzungen; in je einem Fall war die Verletzung leicht oder sehr leicht, in einem Fall ungemeldet.

1 Bodensturz beim Ablassen ereignete sich in Kombination aus zu kurzem Seil und fehlendem Knoten im Seilende, 1 weiterer Bodensturz wegen Versagen des Einbindeknotens (siehe unten); 1 Fall ist noch ungeklärt.

12 Bodenstürze beim Ablassen ereigneten sich mit unkontrollierten Seildurchlauf durch das Sicherungsgerät:

  • 9x von Karabiner und Bremshandposition abhängige Halbautomaten vom Typ Autotuber (EN15151-2);

  • 2x karabinerunabhängige Geräte nach EN15151-1 (GriGri, Neox);

  • 1x HMS-Karabiner.

  • Nur in einem Fall kam es nahe des Umlenkers zu unkontrolliertem Seildurchlauf. In den übrigen 11 Fällen lag die Höhe im Mittel bei 5m (Std.Abw.= 1,66).

  • In einem dieser Fälle (Kinder-Seilschaft) endete trotz Hintersicherung ein Sturz aus geringer Höhe (ca. 3-4m) am Boden (leicht verletzt).

Unfallbeispiele Bodenstürze

Bodensturz mit multiplen Brüchen: Der [Einbinde-]Knoten hat sich beim Ablassen gelöst, sodass das Kind aus ca. 12-13 Metern höhe Richtung Boden gestürzt ist. Die daneben stehende Mutter hat das Kind noch fangen können. Das Fehlen des einfachen Achterknotens im Seil nach dem Ausbinden lässt darauf schließen, dass kein vollständiger Achterknoten verwendet wurde.

Bodensturz mit Wirbelverletzungen und Brüchen: Trotz Partnerchecks wurde übersehen, dass der Knoten nicht fertig war. Kletterer erkannte dies am Top und glaubte, sich mit Handumwicklung des Seiles beim Ablassen festhalten zu können. In der Hälfte der Wand verließen ihn aber die Kräfte und er stürzte zu Boden.

Unfälle aufgrund von Einbindefehlern/ fehlenden Knoten im Seilende sind tragisch. Es kann davon ausgegangen werden, dass durch einen gründlichen Partnercheck diese vermeidbar gewesen wären.

Bodenstürze beim Toprope-Klettern (n=4)

  • In einem der 4 Fälle führte das Auslassen der Bremshand bei einem von der Bremshandposition abhängigen Sicherungsgerät vom Typ Autotuber zum Bodensturz.

  • In 2 Fällen versagte die Verbindung der kletternden Person zum Seil.

    • Ein einem dieser Fälle lag nach Zeugenaussagen kein Knoten am Seilende des Kletterers vor, ein fehlerhaftes Einbinden ist zu vermuten.

    • Im anderen Fall kam es zum unbeabsichtigten Aushängen eines Karabiners: Die kletternde Person war mit einem trilock-Karabiner eingehängt (ohne gegenläufig orientierten weiteren Karabiner und ohne Positionierung zum Verhindern von Karabinerbewegungen im Knotenauge. Ein Partnercheck hatte den korrekten Verschluss beim Losklettern bestätigt. Vermutlich durch Bewegung der textilen Teile am frei beweglichen Karabiner kam es zum unbeabsichtigten Aufziehen des Verschlussmechanismus und Aushängen des Seiles.

Karabinerverschlüsse vom Typ Push-/Pull–Twist und auch manche als „trilock“ bezeichnete Karabiner lassen sich unter Umständen aufdrücken oder durch Seilschlaufen aufziehen. Zum Toprope-Klettern sollte eine höhere Sicherheitsstufe gewählt werden, siehe die Empfehlung Karabiner mit Verschlusssicherung: Vor- und Nachteile

Bodenstürze beim Vorstieg (n=4)

  • Bei insgesamt 8 von 11 Bodenstürzen handelte es sich um einen Sturz beim Versuch, das Seil in eine Zwischensicherung einzuhängen.

  • 8 Bodenstürze ereigneten sich bei Sturz in Höhe 5.-7. Zwischensicherung, 3 Fälle unterhalb.

  • Alle 3 Bodenstürze unterhalb der 5. Zwischensicherung erfolgten durch Abrutschen beim Einhängeversuch: Einmal an der 1. Zwischensicherung, einmal an der 2.; im dritten Fall endete der Einhängeversuch der 4. am Boden - die 3. Zwischensicherung war nicht eingehängt worden.

  • Bei einem Bodensturz war die sichernde Person durch eine Schlaufe im Seil abgelenkt und verlor dadurch die Kontrolle über den Sicherungsvorgang.

  • In 3 Fällen wurde fehlerhafte Handhabung des Sicherungsgerätes in Verbindung mit Verbrennungen an der Führungshand der sichernden Person berichtet (in zwei Fällen Sicherungsgerät Typ Autotuber, einmal von der Bremshandposition unabhängiges Gerät).

Clippen stellt einen heiklen Moment im Vorstieg dar. Sichernde müssen achtsam sein, Kletternde eine stabile Position finden. Im Routenbau kann das Risiko von Bodenstürzen gesenkt werden, indem Routen bodennah relativ leicht (im Vergleich zum angegebenen Schwierigkeitsgrad) gehalten, und gradgemäß gute Clipp-Positionen angeboten werden.

Unfälle bei Sturztrainings (n=7)

  • Bei 3 Veranstaltungen ereignete sich eine Verletzung durch Anprall an einem Griff.

  • Bei 4 privaten Sturztraining kam es zum Unfall durch Bodensturz, Kollision oder Anprall. In 2 Fällen erfolgte der geplante Sturz im Bereich 3.-5. Zwischensicherung bei unklarer Kommunikation. In einem dieser Fälle kam es zu Bodensturz mit Lendenwirbelfraktur.

Unfallbeispiele: Privates Sturztraining

Bodensturz: Die kletternde Person wollte einen Trainingssturz absolvieren, während die sichernde Person der Meinung war, es würde mehr Seil für den Vorstieg benötigt. Das geplante Sturztraining war nicht im Vorfeld abgesprochen, die erste Exe war nicht eingehängt. […] Während des Seilausgebens hat die kletternde Person an der 4. Exe unangekündigt einen Sturz simuliert, und ist dabei aus ca. 4,5 m Höhe neben der sichernden Person auf den Boden gestürzt. (Lendenwirbelfraktur)

Kollision: Eine Kollision bei Sturz in 5. Exe (Hüfthöhe 6. Exe) bei einem Sturztraining führte zum Aufprall der stürzenden Person (80kg) mit dem Gesäß auf der sichernden Person (69kg) und resultierte in Schlüsselbeinbruch samt Bänderrissen der Schulter der sichernden Person; unklare Kommunikation wurde als ursächlich benannt. Ein Gerät zum Ausgleich von Gewichtsunterschieden wurde nicht verwendet.

Der sorgfältige Check des Team-Setups inklusive Klärung von Gewichtsunterschieden und Kommunikation gehört zu den grundlegenden Kletterregeln. Eine gute Maßnahme für Seilschaften mit Gewichtsunterschied ist der kompetente Einsatz von Bremsassistenten.

Wichtig für Sturztrainings:

  • Sorgfältiger Check des Team-Setup inklusive Kommunikation. Siehe die grundlegenden Kletterregeln.

  • Backup-Maßnahmen bedenken (z.B. Stopp-Knoten am Bremsseil, um Bodensturz zu verhindern).

  • Zu Beginn des Kompetenzaufbau auf ausreichenden Bodenabstand achten (ab 8. Expresse) und besonders defensive Geländewahl bezüglich Anprallrisiko (leicht überhängende Wand, Fallraum ohne weit herausragende Griffe/ Volumen).

  • Stets Umgebung auch bzgl. Gefährdung dritter Personen bedenken (z.B. Fallräume, Ablenkungswirkung).

Fehlerquellenanalyse und weitere Hinweise für ein schrittweise Herangehen an ein Sturztraining gibt es im Artikel der Sicherheitsforschung Unfallfrei Fallen lernen (DAV Panorama 5/2023)

Bodenstürze bei Selbstsicherungsautomaten (n=5)

Die Benutzung von Selbstsicherungsautomaten erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit. Bei allen 5 Bodenstürzen an Selbstsicherungsautomaten im Berichtszeitraum war nicht die Technik, sondern der Faktor Mensch ausschlaggebend: Die Unfälle ereigneten sich wegen Nichteinhängen der kletternden Person am Sicherungsautomaten.

  • 1 Bodensturz resultierte in tödlichen Verletzungen.

  • 4 Fälle resultierten in schweren Verletzungen bei Sturzhöhen von 10m, 6m, 5m und 4.5m.

  • 3 der nicht-eingehängt Verunfallten hatten langjährige Erfahrung im Klettern (>10 Jahre).

Lebensgefahr: Unfallmuster "Nicht-eingehängt" - begünstigt durch nicht verdeckte Einstiegsmöglichkeit und fehlenden Selbstcheck. Illustration: Georg Sojer

Unfallbeispiel Selbstsicherungsautomat

Eine erfahrene Kletterin stieg nach Pause (Gurt bereits im Rucksack verstaut) erneut in Route im persönlichen Grenzbereich ein. Es kam zum unkontrollierten Sturz in ca. 4,50m Höhe und schwerer Verletzung mit 4-fach Beckenbruch und Fersentrümmerfraktur.

 „Ich war allein und bin, ohne mich aus dem Selbstsicherungsautomat auszuklicken, ca. 7 Touren geklettert. Habe mich zwischendurch, weiter am Belay gesichert, auf eine Bank gesetzt, um zwischen den Touren auszuruhen. Nach der 7. Tour entschied ich, aufzuhören, habe mich ausgebunden und wieder auf die Bank gesetzt und anderen Kletterern zugeschaut. Plötzlich kam mir die Idee, doch nochmals eine 6+ zu klettern. Und ohne mich zu sichern (ich war unbewusst der Meinung noch eingebunden zu sein), kletterte ich los und stürzte ca. nach 4 bis 5 Klettermetern- man muss sagen, Gott sei Dank - und nicht erst später.“

Weitere Unfälle erfahrener Kletterer*innen sind bekannt. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um Blackouts oder Unaufmerksamkeiten im Routineablauf handelt. Der Selbstcheck vor jedem Losklettern als zentrale Sicherheitsmaßnahme kann dies verhindern.

Betreiberseitig kann durch geeignete Organisation des Autobelay-Angebotes und den Routenbau dabei das Risiko nicht-eingehängten Kletterns adressiert werden, siehe dav_empfehlung_selbstsicherungsautomaten_2025.pdf und selbstsicherungsautomaten_2025-halls-&-walls.pdf

Sicherungsgeräte-Umfrage 2026

Wie im Vorjahr wurde auch 2026 über eine Befragung erhoben, welche Sicherungsgeräte beim Klettern in künstlichen Kletteranlagen verwendet werden. Befragt wurden an je einem Wochentag und einem Wochenendtag in 15 DAV-Hallen (n=2749) und mehreren KLEVER Hallen (n=962) alle Hallenbesucher nach ihrem zum Klettern benutzten Sicherungsgerät (SG).

  • 8% der Befragten gaben an, ohne SG ausgestattet zu sein und nur am Selbstsicherungsautomaten zu klettern!

  • Naturgemäß bestehen hallenspezifische Unterschiede, z.B. hinsichtlich verwendeter Schulungsgeräte; die Gesamtverteilung der verwendeten SG ist dennoch überall ähnlich.

  • Die Grafik zeigt die Verteilung der verwendeten SG (Sicherungsautomaten ausgenommen) über alle befragten Hallenbesucher hinweg.

  • Sicherungsgeräte mit manuell unterstützter Verriegelung (Typ GriGri) und bremskraftverstärkende Geräte Typ Autotuber haben sich gegenüber klassischer, dynamischer Gerätesicherung im Anwendungsfeld Kletteranlage weitgehend durchgesetzt.

Unfälle mit Bodenstürzen bzw. Kollisionen sowohl beim Ablassen als auch bei Stürzen ereigneten sich mit Sicherungsgeräten jeden Typs. Bremskraftunterstützende Geräte haben Sicherheitsreserven - gut geübtes, aufmerksames Sichern unter Einbehaltung des Bremshandprinzip ist unerlässlich.

Fazit

Den Großteil des Unfallgeschehens mit Rettungsdiensteinsatz oder auch mindestens schweren Verletzungen stellen Stürze auf Matten beim Bouldern dar. Maßnahmen zur Unfallprävention sind sowohl auf Seiten der Anlagennutzer*innen möglich (z.B. wenn möglich Substitution des Abspringens durch Abklettern, Kompetenzerwerb richtig Fallen) wie auf betrieblicher Seite (z.B. zielgruppengerechter Routenbau, Abklettermöglichkeiten).

Zu viele schwere Unfälle beim Klettern geschehen, weil der Partnercheck oder bei Selbstsicherungsautomaten der Selbstcheck nicht konsequent und gewissenhaft durchgeführt werden. In der Sicherheitskultur einer Kletteranlage sollten- zumal im stetig Zuwachs erfahrenden Breitensport - alle verantwortlichen Akteure die Bedeutung des Checks durch geeignete Maßnahmen und in geeigneter Frequenz klar machen bzw. in Erinnerung rufen. Mitarbeitende von Kletteranlagen und andere Multiplikator*innen sind aufgerufen, Checks vorbildlich vorzuleben. Kletternde sollten auch verstehen, dass das Unterlassen eines Partnerchecks weit mehr als ein "Kavaliersdelikt" ist - im Fall eines Unfalles kann es zusätzlich zur Last des Unfalles (Selbstvorwürfe) zu juristischen Konsequenzen kommen, wenn sich der Verdacht der Fahrlässigkeit erhärtet.

Die schweren Unfälle an Selbstsicherungsautomaten unterstreichen die Bedeutung der DAV-Empfehlung zu Selbstsicherungsautomaten. Das Risiko eines Einstiegs in Kletterrouten ohne am Automaten eingehängt zu sein, kann mit den vorgestellten Maßnahmen gemindert werden.

Eine weitere häufige Fehlerquelle, die zu Bodenstürzen führt, ist Fehlbedienung von Sicherungsgeräten: z.B. Verletzung des Bremshandprinzips, Verharren in Gerät-Offen-Position beim Seilausgeben bei Geräten, die von der Bremshandposition abhängig funktionieren (z.B. Autotuber) oder auch mangelnde Kontrolle des Seildurchlaufs beim Ablassen. Präventiv wirken können Ausbildungsangebote samt DAV-Kampagnen und organisatorische Maßnahmen beim Eintrittsprocedere und eine gelebte Sicherheitskultur inklusive Ansprechkultur bei Fehlern, siehe DAV-Handbuch zur Risikokultur in künstlichen Kletteranlagen.

Dank

Die DAV-Sicherheitsforschung dankt KLEVER und VKAÖ für die Zusammenarbeit und allen durch Unfallmeldung Beitragenden.

Fragen zur Statistik können gerne an folgende Adressen gesendet werden:

DAV-Sicherheitsforschung

Kontakt: sicherheitsforschung@alpenverein.de

Kletterhallen-Unfallstatistik 2025 zum Download