Kletterhallen-Unfallstatistik 2025: Viele schwere Unfälle wären vermeidbar

- DAV-Sicherheitsforschung wertet Unfallgeschehen in Kletter- und Boulderhallen aus – Partnercheck, Selbstcheck und kontrolliertes Abklettern beim Bouldern bleiben zentrale Bausteine der Unfallprävention.

Sicher klettern in der Halle: Partnercheck und aufmerksames Sichern helfen, Unfälle zu vermeiden, Foto: DAV/Marisa Koch

Klettern und Bouldern in der Halle erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Wo viele Menschen aktiv sind, passieren jedoch auch Unfälle. Die Kletterhallen-Unfallstatistik 2025 des Deutschen Alpenvereins (DAV) und der Kletteranlagenverbände Kletterhallenverband e.V. (KLEVER) und Verband der Kletteranlagenbetreiber Österreichs (VKAÖ) zeigt, was die häufigsten und schwerwiegendsten Unfallmuster sind – und vor allem, wie sich Unfälle vermeiden lassen. 

Für das Berichtsjahr 2025 wurden insgesamt 341 Unfälle in künstlichen Kletteranlagen in Deutschland und Österreich gemeldet. In die detaillierte Auswertung gingen 252 Fälle ein, bei denen der Rettungsdienst im Einsatz war oder mindestens eine mittelschwere Verletzung vorlag. 174 dieser Unfälle ereigneten sich beim Bouldern, 68 beim Klettern, darunter acht an Selbstsicherungsautomaten. Zehn weitere Fälle entfielen auf sonstige Unfälle im Umfeld der Anlagen. 

Unfälle nach ausgeübter Disziplin, Grafik: Kletterhallenunfallstatistik 2025
„Viele schwere Unfälle beim Klettern wären vermeidbar. Entscheidend ist, dass grundlegende Sicherheitsroutinen auch mit zunehmender Erfahrung nicht vernachlässigt werden. Ein gewissenhafter Check vor jedem Losklettern kann schwere Unfälle verhindern. Gerade Routine kann dazu führen, dass vermeintlich selbstverständliche Schritte übersprungen werden – mit unter Umständen gravierenden Folgen."
- Julius Kerscher, DAV-Sicherheitsforschung

Bouldern: Abklettern statt Abspringen

Beim Bouldern machen Stürze auf die Matte mit 155 Fällen den mit Abstand größten Anteil der ausgewerteten Unfälle aus. Besonders häufig von Verletzung betroffen sind Arme und Beine. Insgesamt entfielen 89 Prozent der Verletzungen auf die oberen und unteren Extremitäten.

Boulderunfälle nach Unfallausgang: Mattenstürze dominieren das Unfallgeschehen beim Bouldern, Grafik: Kletterhallenunfallstatistik 2025

Die Auswertung im Detail zeigt Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Bei Kindern und Jugendlichen sind häufiger die oberen Extremitäten betroffen, mit zunehmendem Alter verschiebt sich das Verletzungsgeschehen stärker in Richtung Beine und Rumpf.

Eine wichtige Präventionsmaßnahme ist deshalb, unnötig hohe und unkontrollierte Stürze zu vermeiden. Wo möglich, sollte abgeklettert statt abgesprungen werden. Auch richtiges Fallen und Landen sowie das Spotten sollten erlernt und regelmäßig geübt werden. Der DAV hat dazu im Rahmen der Fachmesse Halls and Walls den Boulderschein als Maßnahme vorgestellt. Gleichzeitig können Kletterhallen durch geeigneten Routenbau, zum Beispiel relativ sanfte Einstiege von Kletterrouten bzw. beim Bouldern niedrigere Schlüsselstellen und sogenannte Downclimb-Griffe dazu beitragen, das Verletzungsrisiko zu reduzieren.

Klettern: Bodenstürze bleiben ein ernstes Problem

Beim Seilklettern wurden 2025 insgesamt 68 Unfälle mit Rettungsdiensteinsatz oder mindestens mittelschweren Verletzungen ausgewertet. Zwar liegt die Zahl deutlich unter jener beim Bouldern, die Verletzungen fallen beim Klettern jedoch häufiger schwer aus.

Besonders auffällig: 15 der insgesamt 31 Bodenstürze beim Seilklettern ereigneten sich beim Ablassen (ein theoretisch kontrollierter Vorgang – im Gegensatz zu einem Sturz). In zwölf dieser Fälle lief das Seil unkontrolliert durch das Sicherungsgerät. Weitere Ursachen waren unter anderem ein zu kurzes Seil ohne Knoten im Seilende oder Fehler beim Einbinden.

Bodenstürze sind beim Seilklettern ein zentrales Unfallmuster, Grafik: Kletterhallenunfallstatistik 2025

Die Unfallanalyse macht damit erneut deutlich: Der Partnercheck vor dem Losklettern ist eine der wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen. Einbindeknoten, Sicherungsgerät, Karabiner, Seilende und gegenseitiges Setup müssen gewissenhaft kontrolliert werden. Ebenso entscheidend bleiben Sicherungskompetenz und das Bremshandprinzip – unabhängig davon, welches Sicherungsgerät verwendet wird.

Selbstsicherungsautomaten: Unfallmuster “nicht eingehängt”

Schwerwiegend waren erneut alle Unfälle an Selbstsicherungsautomaten. Bei allen fünf erfassten Bodenstürzen war nicht technisches Versagen die Ursache: Die Betroffenen hatten sich nicht in den Automaten eingehängt.

Vier der Unfälle führten zu schweren Verletzungen, ein Unfall endete tödlich. Bemerkenswert ist, dass drei der Verunfallten mehr als zehn Jahre Klettererfahrung hatten. Erfahrung allein schützt nicht vor Fehlern. Unaufmerksamkeit oder ein kurzer „Blackout“ bei vertrauten Abläufen können schwerwiegende Folgen haben.

Deshalb gilt bei Selbstsicherungsautomaten besonders: Vor jedem Losklettern einen Check durchführen und dabei bewusst kontrollieren, ob der Karabiner zur Verbindung mit dem Automaten korrekt am Gurt eingehängt und verschlossen ist. Zusätzlich können Kletterhallen mit organisatorischen und baulichen Maßnahmen verhindern, dass versehentlich losgeklettert wird, ohne mit dem Automaten verbunden zu sein. Der DAV hat dazu eine Empfehlung veröffentlicht.

Sicherheitskultur gemeinsam leben

Die Unfallstatistik zeigt: Viele schwere Unfälle sind nicht auf außergewöhnliche Situationen oder technisches Versagen zurückzuführen, sondern auf Fehler in eigentlich bekannten Abläufen. Umso wichtiger ist eine Sicherheitskultur, in der Partner- und Selbstcheck selbstverständlich sind und Fehler offen angesprochen werden können.

Ausbildungsangebote, regelmäßige Schulungen und eine gelebte Ansprechkultur in den Hallen können dazu beitragen, Risiken zu reduzieren. Dabei sind sowohl die Kletternden selbst als auch Hallenbetreibende, Trainer*innen und andere Multiplikator*innen gefragt.

Die Kletterhallen-Unfallstatistik wird seit 2015 jährlich vom Deutschen Alpenverein und KLEVER veröffentlicht. Seit 2024 fließen auch Meldungen von Anlagen des Verbandes der Kletteranlagenbetreiber Österreichs (VKAÖ) in die Erfassung ein. Die Statistik basiert auf freiwilligen Meldungen von Kletter- und Boulderanlagen in Deutschland und Österreich. Eine allgemeine Meldepflicht besteht nicht, weshalb die Zahlen nicht das gesamte Unfallgeschehen darstellen. Ziel der Statistik ist es, typische Unfallmuster zu erkennen und daraus konkrete Maßnahmen für die Prävention abzuleiten.

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Miriam Roth, miriam.roth@alpenverein.de, Tel. 089 14003-80