Gemeinsam gegen Bettwanzen: Alpenvereine starten Aufklärungskampagne

- Der Deutsche Alpenverein (DAV) startet zusammen mit den Alpenvereinen in Österreich (ÖAV) und Südtirol (AVS) eine umfassende Informationsoffensive zum Umgang mit Bettwanzen auf Alpenvereinshütten. Ziel ist es, Gäste besser aufzuklären und aktiv in die Prävention einzubeziehen. Wer auf Hütten übernachtet, muss grundsätzlich mit Bettwanzen rechnen – ihre Eindämmung gelingt nur gemeinsam.

Das Logo der Kampagne: "Gemeinsam gegen Bettwanzen." Foto: DAV/Alpenvereinshütten

Bettwanzen sind ein globales Phänomen

Bettwanzen kommen weltweit vor – in Berghütten ebenso wie in Hotels oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie werden meist unbemerkt über Gepäck und Kleidung eingeschleppt. Mit mangelnder Hygiene hat ihr Auftreten nichts zu tun. Die zunehmende Mobilität und der globale Warenverkehr begünstigen ihre Verbreitung zusätzlich. Gleichzeitig haben Bettwanzen im Laufe der Jahrzehnte Resistenzen gegen viele früher wirksame chemische Bekämpfungsmittel entwickelt. 

Auch auf Alpenvereinshütten ist das Thema präsent: Jährlich sind beim DAV etwa fünf bis zwanzig Hütten (rund fünf Prozent) betroffen – Tendenz steigend, ähnlich wie bei Unterkünften im Tal. Berghütten bieten aufgrund ihrer Bauweise besonders gute Bedingungen für Bettwanzen: Holz, verwinkelte Räume und schwer zugängliche Bereiche schaffen ideale Rückzugsorte. 

Bettwanzen fühlen sich leider auch auf Alpenvereinshütten wohl. Foto: Bedbug Foundation

Umfassende Maßnahmen auf Alpenvereinshütten 

Auf Alpenvereinshütten greift ein Bündel abgestimmter Maßnahmen – von akuter Bekämpfung bis zur langfristigen Prävention:

  • Sofortige professionelle Bekämpfung bei bestätigtem Befall, meist mit Insektiziden, ergänzt durch Wärmebehandlung ab 42 °C, wo möglich

  • Freilegen und gründliches Reinigen potenzieller Verstecke

  • Monitoring über mehrere Wochen nach der Behandlung

  • Regelmäßige Eigenkontrollen durch das Hüttenteam

  • Schulungen für Mitarbeitende sowie klar dokumentierte Meldewege

  • Bauliche Prävention, etwa durch glatte und gut zugängliche Oberflächen

  • Praktische Maßnahmen im Alltag, z. B. zur Gepäckaufbewahrung oder zur Behandlung von Textilien.

Dieses Zusammenspiel aus schneller Reaktion, baulicher Vorsorge und geschultem Personal bildet die Grundlage für einen wirksamen Schutz.

Ein Bettwanzenspürhund bei der Arbeit auf einer Alpenvereinshütte. Foto: DAV/Franz Güntner

Prävention braucht die Mithilfe der Gäste

Die neue Kampagne „Gemeinsam gegen Bettwanzen“ setzt gezielt bei den Gästen an. Denn ohne ihre Mithilfe geht es nicht: „Das Problem lässt sich nur gemeinsam lösen“, betont Robert Kolbitsch, DAV-Ressortleiter Hütten und Wege. „Wer aufmerksam ist und einfache Regeln beachtet, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere Gäste und die Hütten.“ 

Bettwanzen verbreiten sich nicht aktiv – sie „reisen“ im Gepäck, etwa in Rucksäcken, Schlafsäcken oder Kleidung. Jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen, eine Verbreitung zu verhindern.

Konkrete Verhaltensregeln für Gäste

Die Kampagne empfiehlt unter anderem:

  • Gepäck und Kleidung möglichst in verschließbaren Beuteln aufbewahren

  • Rucksäcke nicht auf Betten oder in deren Nähe lagern

  • Nutzung eines Bug Bags (auf einigen Hütten bereits Pflicht, sonst dringend empfohlen)

  • Kleidung regelmäßig bei mindestens 60 °C waschen oder alternativ drei Tage bei -18 °C einfrieren

  • Gepäck vor und nach der Tour kontrollieren, idealerweise durch Ausschütten in Badewanne oder Dusche 

  • Verdachtsfälle (Sichtungen von Bettwanzen, Häutungsreste, Kotspuren, winzige Blutflecken auf Bettwäsche oder Schlafsäcken sowie Stiche am Körper) sofort dem Hüttenteam melden

Zusätzlich haben einige Hütten eigene Präventionsmaßnahmen gegen Bettwanzen eingeführt und informieren bereits bei der Reservierung oder auf ihrer Website darüber. So kann beispielsweise vorgeschrieben sein, dass keine eigenen Hüttenschlafsäcke verwendet werden dürfen, Hüttenschlafsäcke bei Ankunft in der Mikrowelle erhitzt werden müssen oder ein Bug Bag zu nutzen ist. 

Bug Bags als wirksame Präventionsmaßnahme

Bug Bags verhindern, dass Bettwanzen im Rucksack "mitwandern". Foto: DAV/Marisa Koch

Auf einigen Hütten ist die Nutzung sogenannter Bug Bags bereits verpflichtend. Auf allen anderen Hütten wird sie dringend empfohlen. Diese luftdicht verschließbaren Säcke ermöglichen es, den gesamten Rucksack während des Aufenthalts sicher aufzubewahren. So wird verhindert, dass Bettwanzen von einer Hütte zur nächsten Hütte im Rucksack mitwandern.

Künftig werden Bug Bags auch im DAV-Shop als Basisausstattung erhältlich sein. Alternativ können Drybags, Vakuumbeutel oder stabile Müllsäcke mit Verschluss verwendet werden.

Offener Umgang statt Tabuthema

Ein wichtiges Ziel der Alpenvereine ist es, Bettwanzen zu enttabuisieren. Frühe Hinweise durch die Gäste sind entscheidend, damit Hüttenbetreiber schnell reagieren können. Auf Alpenvereinshütten bestehen dafür etablierte Abläufe – von der sofortigen Bekämpfung über das Monitoring bis hin zu langfristigen baulichen Maßnahmen. 

Vor Ort leisten die Hüttenwirtsleute einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der Gäste. Zusätzlich werden die Gäste über Flyer, Plakate und Hinweise im Online-Buchungssystem informiert.

Plakat der Bettwanzenkampagne von DAV, ÖAV und AVS. Foto: DAV/Alpenvereinshütten

Keine Gesundheitsgefahr

Trotz des Themas besteht kein Grund zur Sorge: Bettwanzen übertragen keine Krankheiten. Ihre Stiche sind unangenehm, aber gesundheitlich unbedenklich und klingen meist innerhalb von etwa zehn Tagen ab. Kühlende Gele oder juckreizstillende Cremes können die Beschwerden lindern. 

Du hast es in der Hand

Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Bettwanzen“ macht der DAV deutlich: Prävention ist Teamarbeit. Wer auf Hütten übernachtet, übernimmt Verantwortung – für sich selbst, andere Gäste und den Erhalt der Hütten als sichere und angenehme Orte im Gebirge.

Service für Medienschaffende

  • Kontakt: Julian Rohn, 089/14003-332, julian.rohn@alpenverein.de