logo-dav-116x55px

Klettern in Deutschland – Zahlen, Daten & Fakten

27.06.2018, 10:55 Uhr

Das Interesse am Klettern & Bouldern nahm in den zurückliegenden Jahren stark zu. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen wieder, die der Deutsche Alpenverein (DAV) in verschiedenen Leserbefragungen und repräsentativen Studien erhoben hat.

DAV & Klettern

Mit seiner Gründung 1869 sieht der DAV auf eine knapp 150-jährige Geschichte zurück. Der DAV ist die größte Bergsteigervereinigung der Welt mit aktuell mehr als 1,2 Millionen Mitgliedern (Stand Dezember 2017). Als Spitzenverband für Alpinistik ist der DAV Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB); er ist zuständiger Fachverband für das Sport- und Wettkampfklettern in Deutschland und betreut die Nationalmannschaften im Klettern und Skibergsteigen.

 

Kletter-Arten

Klettern war ursprünglich ein Individualsport, heute ist es ein Breitensport geworden:

 

Früher war der Fels das Maß aller Dinge; künstliche Wände in Hallen waren ursprünglich einzig zum Training für das Alpinklettern gedacht. Routen in diesen künstlichen Anlagen zu durchklettern, hat sich erst im Laufe der Zeit zu einer eigenen Disziplin entwickelt hat. Heute nun ist nicht mehr der Gipfel zwingend das Ziel, sondern vielmehr das Klettern als solches.

 

Beim Klettern unterscheiden sich heutzutage vier Spielarten: Sportklettern indoor sowie Sportklettern outdoor, Alpinklettern und Bouldern. Mehr Informationen gibt es im Artikel Faszination Klettern.

 

Mit Blick auf den Zeitaufwand ist das Sportklettern (neben dem Biken/Radfahren) die Sportart, die von DAV-Mitgliedern mit am intensivsten betrieben wird: Kletterinnen und Kletterer gehen an durchschnittlich 29,2 Tagen pro Jahr in die Kletterhalle. Zum Vergleich: Sportklettern outdoor 15,3 Tage sowie Alpines Klettern 5,4 Tage. (lt. DAV-Panorama-Leserbefragung 2017)

 

Die aktuelle Kletter- und Boulderszene in Deutschland

In der (letzten) Leserbefragung des DAV-Mitgliedermagazins Panorama gaben 27 Prozent an, Sportklettern indoor zu betreiben. 21 Prozent gaben an, draußen zum Sportklettern zu gehen. Etwa 20 Prozent der DAV-Mitglieder bouldern.

 

Die Zahl derer, die zwei oder mehrere Disziplinen betreiben, ist hoch und die Schnittmenge entsprechend groß. Eine frühere Studie (Kletteranlagen-Besucherbefragung des DAV 2013) hat ergeben, dass nur etwa 6 Prozent ausschließlich Bouldern. Der DAV geht daher davon aus, dass etwa 1/3 der Mitglieder klettert. Das heißt: Im Alpenverein waren 2017 rund 400.000 Kletterer und Boulderer organisiert. Aus einer Bedarfsbefragung 2013 weiß der DAV, dass 76 Prozent aller Kletterer in Hallen DAV-Mitglieder sind. Nimmt man das auch heute noch als Grundlage, kann man auf gut 500.000 Sportkletterer in Deutschland schließen.

 

Es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Aktivenzahl beim Bouldern sogar deutlich höher ausfällt, als aus den DAV-Erhebungen hervorgeht: Boulderer sind sicherlich weniger im Alpenverein aktiv als Kletterer. Insofern kann es gut sein, dass die Gesamtzahl der Kletterer und Boulderer in Deutschland sogar deutlich höher liegt als 500.000.

 

Die Entwicklung der Kletterszene in den letzten 15 Jahren

Der DAV führt in regelmäßigen Abständen Leserbefragungen im DAV-Mitgliedermagazin Panorama durch. Aus diesen geht auch hervor, wie sich die Aktivenzahlen in den letzten Jahren entwickelt haben:

 

So weist der Trend zwischen den Jahren 2004 und 2017 deutlich nach oben – sowohl prozentual als auch absolut: 2004 gingen etwa 18 Prozent der DAV-Mitglieder zum Klettern in Hallen; 2017 waren es 27 Prozent. Gleichzeitig stiegen in diesem Zeitraum die Mitliederzahlen von 686.000 auf 1.184.000. Sportklettern outdoor betreiben etwa 20 Prozent der Mitglieder über die Jahre recht konstant – mit nur leichten Schwankungen.

 

Etwa zwei Drittel der Kletterer (der Besucher-Befragung 2013) klettern auf der UIAA-Skala zwischen Grad V und Grad VIII. Und damit maximal bis zu mittleren Schwierigkeitsgraden. Ähnlich verhält es sich beim Bouldern, hier werden vor allem die Grade 5 bis 7 auf der Fb-Skala erreicht.

 

Gleiche Befragung ergab: Das Durchschnittsalter der Kletterer beträgt 35 Jahre. 77 Prozent der Kletterer sind 20-49 Jahre alt. Unter den Kletterern ist der Männeranteil mit 66 Prozent deutlich höher als der Frauenanteil (34 Prozent).

 

Rund 500 Kletterhallen in Deutschland

Dass Klettern heute einem so breiten Publikum zugänglich und also ein Breitensport ist, ist vor allem mit der immer größeren Zahl schnell erreichbarer Hallen zu erklären:

 

Der DAV schätzt die Zahl der Kletterhallen (mit mehr als 100 Quadratmetern Kletterfläche) im Jahr 2018 auf etwa 500. Rund 220 Anlagen werden von den Sektionen des DAV betrieben, 200 weitere von kommerziellen Anbietern. Ergänzt werden die großen Kletteranlagen von kleineren Wänden, die beispielsweise in Fitnesscentern, Schulen, Universitäten oder Reha-Einrichtungen errichtet wurden.

 

Eine Übersicht über die DAV-Kletteranlagen und die meisten kommerziellen Anlagen findet sich in der Kletterhallen-Suche. Diese Übersicht ermöglicht unter anderem die Suche nach Namen der Kletterhalle oder auch eine Umkreissuche.

 

Bedarf an Kletterhallen vervielfacht

So wie die Zahl der Aktiven in den letzten drei Jahrzehnten stark zugenommen hat, hat es auch die Zahl der Kletterhallen:

 

Mit mehr als 100 Quadratmetern Kletterfläche hat sich die Zahl der Anlagen gegenüber 1989 etwa um den Faktor 25 entwickelt. In Deutschland gab es:

 

  • 20 Anlagen im Jahr 1989
  • 180 Anlagen im Jahr 2000
  • 440 Anlagen im Jahr 2015
  • etwa 500 Anlagen bis Ende 2018

Davon sind etwa 2/3 (in erster Linie) Seilkletterhallen; etwa 1/3 sind reine Boulderhallen.

 

Zwischen 2000 und 2010 wurden deutschlandweit durchschnittlich 18 Anlagen pro Jahr eröffnet, nach 2010 sogar durchschnittlich 24 Anlagen. Dabei wächst die Zahl der Boulderhallen in den letzten Jahren stärker als die der Seilkletterhallen.

 

Die nach wie vor weltweit größte Kletterhalle ist das Kletterzentrum Thalkirchen in München mit 7.750 Quadratmetern Kletterfläche. Ein gemütliches Bistro und eine Galerie mit direktem Blick auf die Kletterwände sowie eine Dachterrasse runden das Klettererlebnis in Thalkirchen ab.