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Sicherheitsproblem bei Umlenkketten von FIXE

19.04.2017, 15:39 Uhr

Aus gegebenem Anlass weist die DAV-Sicherheitsforschung erneut auf das mögliche Sicherheitsproblem bei FIXE Umlenkeinrichtungen hin. Nach neuesten Infomationen sind in den letzten Jahren in mehreren Kletteranlagen Kettenglieder von FIXE Umlenkeinrichtungen aus Edelstahl gebrochen. Da es sich bei den Umlenkungen um eine Kräfteverteilung (Abbildung) handelte, blieben die Brüche glücklicherweise ohne Folgen.
 
 
Betroffen war jeweils das letzte Kettenglied, das die Verbindung zum Bohrhaken herstellt. Risse traten dabei sowohl im Bereich der Schweißnaht als auch am Schenkel gegenüber der Schweißnaht auf (siehe Abbildungen unten). Nachdem am 28. Juli 2015 vom DAV und am 29. Juli von FIXE (TechRock) Sicherheitswarnungen veröffentlicht wurden, sind an weiteren Außenanlagen von Kletterhallen Umlenkketten mit Rissen im Kettenglied am Bohrhaken entdeckt worden.
 

Deutlicher Riss

Kettenglied mit mittelstarken Korrosionsspuren und einem deutlichen Riss.

 

Feiner Riss

Kettenglied mit feinem Riss gegenüber der Schweißnaht.

 

Ursache Spannungskorrosion

Ein vom Hersteller FIXE beauftragtes spanisches Labor analysierte eine der Umlenkeinrichtungen und bescheinigte als Ursache für die auftretenden Risse Spannungsrisskorrosion. Diese tritt unter drei Voraussetzungen auf: Der Werkstoff ist anfällig für Spannungsrisskorrosion, am Bauteil treten Zugspannungen auf (durch thermische Eigenspannungen im Bauteil oder externe Lasten) und die Umgebung ist korrosionsförderlich. Eine für Korrosion förderliche Umgebung ist im Außenbereich quasi immer gegeben.

Die Anfälligkeit des Materials für Spannungsrisskorrosion wird nach unserem Kenntnisstand durch den manuellen Schweißvorgang des Edelstahls erzeugt. Das von Rissen betroffene Klettenglied im Bohrhaken wird vom Hersteller Fixe manuell geschweißt und weist in der metallographischen Analyse Auffälligkeiten im Gefüge auf.

Im Gegensatz dazu sind die restlichen Kettenglieder unter kontrollierten Bedingungen maschinell geschweißt und weisen keine Auffälligkeiten auf. Ob dann thermische Spannungen im Bauteil oder die Lasten beim Ablassen letztlich die Spannungsrisskorrosion verursachen ist noch nicht klar. 

 

Nicht eingrenzbar auf bestimmte Chargen

FIXE kann das Problem bisher nicht auf eine Produktionscharge eingrenzen. Deshalb können alle Umlenkungen des Herstellers aus Edelstahl betroffen sein. Bisher wurden nur Risse bei Ketten in Kräfteverteilungen entdeckt, bei denen beide Kettenstränge unter Last sind. Bei Festigkeitsuntersuchungen der DAV Sicherheitsforschung fiel eine Kette auf, an der nur ein sehr feiner Riss sichtbar war (Abbildung 3), die aber nur noch 5,6 kN Bruchkraft aufwies!
Eine optische Kontrolle muss daher sehr sorgfältig durchgeführt werden. Spannungsrisskorrosion kann irgendwann in der Lebensdauer eines Bauteils auftreten. Eine einmalige Kontrolle auf Risse ist daher nicht ausreichend um das Problem auszuschließen.

 

Offene Fragen

Zwei Fragen bleiben im Zusammenhang mit der Problematik noch offen. Erstens: können auch Umlenkungen mit Reihenschaltung betroffen sein (Abbildung)? Hier ist die Kette als Redundanzsystem ohne Last dahinter geschaltet. Thermische Spannungen, erzeugt durch den Schweißvorgang, müssten die Korrosion ohne zusätzlichen Lasteintrag hervorrufen.
Und zweitens: kann auch der Ring, der die beiden Ketten (Variante Kräfteverteilung) bzw. die Kette und den Bohrhaken (Variante Reihenschaltung) verbindet, von Spannungsrisskorrosion betroffen sein? Dieser Ring ist zwar ebenfalls manuell geschweißt, hat aber einen wesentlich größeren Querschnitt. Dadurch besteht prinzipiell ein größeres Sicherheitspolster und die Zugspannungen im Material sind geringer. Bisher wurde noch kein Ring mit Rissen entdeckt. Bei der Analyse der Umlenkungen mit rissigen Kettengliedern wiesen die Ringen weder Risse noch reduzierte Festigkeiten auf.
Generell ist das Problem von Spannungsrisskorrosion in der Kletterszene bereits bekannt. Bisher trat das Phänomen aber verstärkt in maritimen oder tropischen Umgebungen auf. Die UIAA Safety Commission widmet sich schon seit längerem diesem Thema. Über die Spannungsrisskorrosion hinaus bestehen die generellen Korrosionsproblematiken natürlich weiterhin.
 

Fazit

Die Edelstahl Umlenkungen von FIXE mit Kräfteverteilung sind als heikel zu bewerten. Sie sollten auf Dauer ausgetauscht werden. Kurzfristig bzw. wenn man als Kletterer an eine solche Umlenkung kommt, können sie hintersichert werden. Hierzu kann beispielsweise eine Exe parallel zu einem Kettenstrang geschalten werden oder die betroffenen Kettenglieder mit Schraubgliedern hintersichert werden (siehe Abbildungen unten).
FIXE Umlenkungen in Reihenschaltungsform aus Edelstahl sollten von Betreibern künstlicher Kletteranlagen und Verantwortlichen von Klettergärten auf starke Korrosionspuren und Risse hin kontrolliert werden. Bei dieser Kontrolle liegt das Hauptaugenmerk auf dem letzten Glied im Bohrhaken sowie auf dem Ring am zweiten Bohrhaken. Die Kontrolle muss sorgfältig erfolgen, da die Risse sehr fein sein können.
 
Umlenkungen, die aufgrund von Rissen oder Verrostung ausgetauscht wurden, können zu Testzwecken und zur Bestandsaufnahme an die DAV Sicherheitsforshcung gesendet werden:
 
DAV Bundesgeschäftsstelle
Sicherheitsforschung
von-Kahr-Str. 2-4
80997 Münchebn
 
 

Hintersicherung Möglichkeit 1

Hintersicherung mit Expresschlinge parallel zu einem Kettenstrang

 

Hintersicherung Möglichkeit 2

Dauerhafte Hintersicherung mit Schraubgliedern