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LVS-Gerätewahl – Worauf kommt es an?

Überblick 2022

13.01.2022, 13:53 Uhr

Was sind die Unterschiede und worauf kommt es bei der LVS-Gerätewahl an? Dafür stellen wir euch die aktuellen LVS-Geräte der verschiedenen Hersteller des laufenden Winters in Kürze vor. Ein detaillierter Test wie zuletzt 2017/18 ist zurzeit in Bearbeitung und wird folgen.

Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten werden vollständig von Lawinen erfasste Personen immer häufiger lebend geborgen. Unter anderem wird dies auf die zunehmende Verbreitung von LVS-Geräten unter Skitourengehern und Variantenfahrerinnen zurückgeführt. Wer noch zu den 3 % zählt, die nicht mit vollständiger Notfallausrüstung – LVS, Schaufel und Sonde – auf Skitour unterwegs sind oder eine*r unter jenen 4 % ist, die noch ein veraltetes 1- oder 2-Antennen-Gerät verwenden (lt. DAV-Skitourenstudie siehe Panorama 1/22), für den ist es spätestens nach dieser Lektüre höchste Zeit, sich ein modernes 3-Antennen-Gerät anzuschaffen. Aber auch für alle anderen dient unsere Vergleichstabelle als Informationsquelle oder mögliche Entscheidungshilfe für eine Neuanschaffung. In die Vorstellung wurden alle von den kontaktierten Herstellern im Herbst 2021 an uns zugesandten neuen oder upgedateten Geräte seit dem letzten großen Test mit einbezogen.

 

Welche Eigenschaften sind zentral?

Die 3-Antennen-Technologie (es gibt keine anderen Geräte mehr am Markt) ist Standard. Die Geräte aller Hersteller senden grundsätzlich immer mit der längsten Antenne. Ortovox hat in seinen Geräten die Smart-Antenna-Technologie – eine automatische Umschaltung der Sendeantenne je nach Koppellage eingebaut und Pieps verspricht wiederum mit seinem Auto-Antenna-Switch, dass die Sendeantenne gewechselt wird, falls Störquellen diese beeinflussen.

Für die Suche sind eine möglichst große Reichweite in allen Raumdimensionen für den Erstempfang (Signalsuche), ein stabiles Signal ab Erstempfang und eine möglichst gradlinige Heranführung (Grobsuche) die wichtigsten Qualitätskriterien.

Die nächste Phase ist die Feinsuche. Hier sind mittlerweile alle Geräte mit ausreichend schnellen Prozessoren ausgestattet, was die Geräteführung in dieser Phase deutlich erleichtert. Dennoch passieren gerade hier die meisten Fehler und bleibt folglich am meisten Zeit liegen. Hier hat – genauso wie in der Punktsuche – jedoch die Benutzerin einen größeren Einfluss als das Gerät!

 

Welche Geräte sind für wen geeignet?

Was die reine Such- oder Sendeleistung betrifft, unterscheiden sich sog. Einsteiger- bzw. Allroundgeräte nur unwesentlichen von den als Profi-Modellen angepriesenen Varianten ein- und desselben Herstellers. Wer also keinen Wert auf zusätzliche Features wie Neigungsmesser, erweiterter Gruppencheck oder einen analogen Suchmodus mit vergrößerter maximaler Reichweite legt und nicht Bergführer, Trainer oder Tourenleiter ist, ist bei den getesteten Marken auch mit der „Sparvariante“ desselben Modells gut bedient.

 

À propos Tourenleiterin: Mit Ausnahme des Tracker 4 von BCA verfügten alle getesteten Modelle über eine sog. Gruppencheck-Funktion. Wesentlich erscheint uns hierbei, dass dabei das zu überprüfende Gerät eindeutig identifiziert werden kann, und – speziell im Freeride-Setting bei beengten Platzverhältnissen – der Suchradius auch nicht zu groß ist und im besten Fall direkt Gerät an Gerät gecheckt werden kann. Darüber hinaus sollte die Signalerkennung nicht nur akustisch, sondern ebenfalls optisch erfolgen, um auch bei starkem Wind oder anderen Störgeräuschen das Signal eindeutig zuordnen zu können. Die „Profi“-Geräte Barryvox S, Pieps BT Pro bzw. BD Guide BT sowie das Neo Arva Pro verfügen über einen erweiterten Gruppencheck Modus (zusätzliche Überprüfung Puls- und Periodendauer der Geräte).

 

 

Auf was sollte ich sonst noch achten?

Das beste LVS ist nur so gut wie sein Benutzer. Auch wenn der suchenden Person durch Sprachassistenten und geführte Feinsuche immer mehr abgenommen wird, gilt nach wie vor: Mit dem eigenen Gerät gut vertraut sein, dessen Eigenheiten kennen und regelmäßig den Ernstfall üben, sodass ich im Fall des Falles genau weiß, was zu tun ist! Und: LVS-Gerät mit ausreichend Batteriekapazität immer dabei (und ganztägig eingeschaltet!) haben, LVS-Check durchführen und elektronische, magnetische und metallische Störquellen (Handy, Metallflasche, Heizhandschuhe, Alufolie o.Ä.) in mindestens 20 cm (beim Senden) oder 50 cm (beim Suchen) vom Gerät entfernt tragen (z.B. Handy im Rucksack und LVS in der innenliegenden Hosentasche). Der Einfluss externer Störquellen ist momentan Gegenstand von Untersuchungen und darf keinesfalls unterschätzt werden (SiFo Artikel Störquellen, Studie Heizhandschuhe, Avalanche Canada Tranceiver Interference)

 

Ganz nützlich kann auch der Standby-Modus sein, falls mehrere Retter gleichzeitig vor Ort sind. Damit kann das Sendesignal für eine Zeit unterdrückt werden, ohne das Gerät dabei auszuschalten und es stört so nicht die suchenden Retter. Diesen Modus haben das Ortovox Diract, das Arva Neo Pro und das Mammut Barryvox S.

 

Alle vorgestellten Geräte haben mittlerweile auch eine sogenanntes Auto-Revert Funktion. Das bedeutet: Sollte beim Suchen eine Nachlawine den Suchenden verschütten, schaltet das Gerät nach einer gewissen Stillstandphase wieder in den Sendemodus. Die Zeiten dafür variieren zwischen 60 Sekunden und 8 Minuten je nach Hersteller/Gerät und sind teilweise individuell einstellbar. Beim Pieps Pro BT / Powder BD bzw. BD Guide BT / Recon BT ist die Auto-Revert Funktion standardmäßig deaktiviert. Beim Arva Neo 5, beim Mammut Barryvox, Ortovox Diract sowie bei den Pieps Micro Geräten kann diese Funktion dagegen nicht deaktiviert werden.

 

Update & Wartung 

 

Die Hersteller Ortovox und Pieps haben zudem Smartphone-Apps herausgebracht, mit welcher sich die jeweiligen neuen LVS-Geräte per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden lassen und die Möglichkeit von Updates, Konfiguration und weiteren Services bieten. Trainer können insbesondere mit der Pieps App verschiedene Übungsszenarien durchspielen.

 

Auch Wartungsintervalle geben die Hersteller vor. Bei den meisten sollte 3 Jahre nach Kaufdatum das LVS-Gerät das erste Mal professionell überprüft werden. Updates sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil, um die komplexen LVS-Geräte auf dem neuesten Stand zu halten, ohne dass alle paar Jahre ein neues Gerät hermuss. Alle hier vorgestellten Geräte bis auf das Evo 5 von Arva sind updatefähig. Das Neo Pro muss dafür zu Arva geschickt werden. Während bei Pieps/Black Diamond und Ortovox das Updaten leicht über die App realisierbar ist, unterstützt Mammut ein Gerät-zu-Gerät Update. Bei BCA lässt sich das Update über den Computer per Kabel aufspielen.

 

Charakteristika

Nun kurz zu den Charakteristika der einzelnen LVS-Geräte, die seit 2018 neu auf den Markt gekommen sind oder ein Update bekommen haben:

 

BCA

Mit dem Tracker 4 (Version 6.4) bringt BCA als ehemaliger LVS-Pionier – das Tracker 1 war das erste 2-Antennen-Gerät am Markt – ihre neueste Generation mit leichten Änderungen heraus. Es ist etwas schwerer als der Vorgänger Tracker 3, bietet dafür ein etwas mehr Reichweite und ein überarbeitetes Gehäuse. Das etwas verwirrende SE für engl. Search (dt. Suchen) beim Vorgänger wurde am Drehschalter durch eine eindeutigere Lupe ersetzt. Die Anzeige unterscheidet sich zu den anderen Herstellern insofern, dass rote LEDs die Richtung weisen und kein LCD-Bildschirm, demnach wird hier keine Hintergrundbeleuchtung benötigt. Beim Tracker ist außerdem die Mehrpersonen-Verschüttung (MPV) anders gelöst – für ein Gerät kann für ca. 1min das Signal unterdrückt werden. Im Big-Picture-Modus können in einer Art Scanfunktion alle Signale inkl. Distanz und Richtungsanzeige angezeigt werden und mit Pit-Bull-Locking wird nur stärkste Signal verfolgt.

 

Mammut

Die Mammut LVS-Geräte Barryvox sowie Barryvox S sind schon seit Ende 2017 auf dem Markt. Ein paar Updatedurchläufe (aktuell Version 3.4.) haben die Geräte seitdem bekommen, unter anderem eine Optimierung der visuellen Benutzeroberfläche, der Batterieerkennung sowie -kapazität. Für das Barryvox S kam außerdem ein verbesserten Pro Check und Analogmodus heraus. Das „Profigerät“ Barryvox S bietet neben ein paar Zusatzfunktionen die Möglichkeit, individuelle Einstellmöglichkeiten direkt im Gerät durch die zusätzlichen seitlichen Tasten durchzuführen. Im Suchmodus unterstützen Animationen den Nutzer und anstatt der sonst typischen Alkaline können beim Barryvox S (und nur da!) Lithium-Batterien genutzt werden für erhöhte Laufzeit und Auslaufsicherheit.

Das Allroundgerät Barryvox steht in den „Hardfacts“ jedoch in nichts nach. Die Reichweite ist bei beiden Geräten hoch. Die Bedienung des klar abzulesenden Displays sowie die akustische Unterstützung sind gut verständlich.

 

Pieps / Black Diamond

Die Geräte von Black Diamond (BD) sind mit einer Ausnahme (Recon LT) baugleich zu den Pieps Geräten – nur in anderem Gewand. Das Pieps Powder BT und das Black Diamond Recon BT (Softwarevers. 2.2.) sind „Allround“ Geräte. Hier wurde der Mechanismus der Verriegelung für die Auswahltaste gegenüber der Vorgängermodelle der DSP Serie verbessert (siehe: freiwillige Produktverbesserungsmaßnahme). Eine laut Herstellerangaben hohe Reichweite sowie eine stabile Signalverarbeitung im Feldversuch zeichnen die Geräte aus.

Vergleichbare Eigenschaften weisen die von außen sehr ähnlich wirkenden „Profi“ Geräte Pieps Pro BT / Black Diamond Guide BT (2.2) auf, die außerdem als Zusatzfunktionen einen Neigungsmesser, einen Analogen-Suchmodus und eine Scantaste aufweisen sowie das Suchen des herstellereigenen Senders Pieps TX-600 für Tiere oder Ausrüstung unterstützen.

 

 

Bei allen LVS-Geräten von Pieps und BD können Lithium-Batterien verwendet werden, was die Laufzeit und Resistenz gegen Kälte etwas erhöht. Außerdem wird nur bei diesen Geräten die kurzzeitige Sendeunterdrückung bei Verwendung der Pieps Sonde iProbe unterstützt.

 

Das Pieps Micro BT Race (davor Button, akt. Version 3.2) ist ein handliches, leichtes Gerät mit etwas weniger Reichweite als die beiden bereits vorgestellten Pieps Geräte, aber mit gewohnt stabiler Signalverarbeitung. Der Wechsel zwischen Suchen und Senden lässt sich hier über den mittig angebrachten Knopf durchführen. Anders wollte das Black Diamond realisieren, das das Innenleben des Micro BT in eine andere Schale verpackt. Heraus kam diesen Winter neu das Black Diamond Recon LT (1.2) mit ergonomischer Form und einem robusten Schaltermechanismus, der ein versehentliches Umschalten wohl ausschließen lässt. Als drittes Gerät in ähnlichem Gewand gibt es schon seit ein paar Jahren das Pieps Micro BT Sensor (3.2). Hier ist ein Näherungssensor verbaut, der falls nicht bedeckt sofort in den Suchmodus umschaltet. Solang das Gerät angeschaltet und verdeckt (im Tragegurt – und nur da!) verstaut ist sendet das Gerät. Dieser Modus wird durch mehrmalige Vibrationen des Gerätes bestätigt. Alle drei LVS-Geräte benötigen nur eine AA-Batterie und gehören außerdem zu den leichtesten LVS-Geräten auf dem Markt.

 

Ortovox

Die wohl größte Neuerung diesen Winter brachte Ortovox mit seinem Gerät Diract Voice auf den Markt. Eine neuartige Sprachnavigation wurde integriert. Im Suchmodus sind dann unter anderem Kommandos wie „Gehe in 50m Suchstreifen“ bei der Signalsuche oder „Gehe runter an die Schneeoberfläche“ bei der Feinsuche für den Anwender zu hören. Sicherlich ein interessantes Feature vor allem für wenig geübte Nutzer. Der Anschaltknopf auf der Geräterückseite wird vom Kippschalter, mit dem zwischen Such- und Sendemodus gewechselt wird, schützend verdeckt. Das Diract Voice verfügt außerdem als einziges Gerät über eine Lithium Akku, der einfach per Kabel aufgeladen werden kann. Als günstigere Option ist außerdem das Ortovox Diract erhältlich, allerdings ohne Sprachnavigation und Akku.

 

Arva

Das neue leistungsstärkste Gerät des französischen Herstellers Arva ist das Neo Pro (Version 1.3.). Das Gerät ist recht voluminös, hat an der Seite einen separaten Drehregler für das Ein- und Ausschalten Es bietet einen Analogmodus und weist auf dem Papier eine hohe Reichweite auf. Zwei zusätzliche Tasten für eine vereinfachte Navigation bei den Einstellungen sind unter dem Display angebracht. Aufgefallen ist uns bereits die lange Einschaltzeit aufgrund des sehr ausführlichen Selbstchecks von durchschnittlich 17 Sekunden.

Arva hat außerdem als günstigeres Allroundgerät das Evo 5 im Portfolio. Es ist kompakter und leichter als der große Bruder. Der Schieberegler zum Wechseln der Modi ist etwas schwergängig und hat einen zusätzlichen Knopf, um in den Suchmodus zu gelangen. Die LVS-Geräte von Arva sind die einzigen, die keine Gummierung als Randschutz aufweisen, sondern lediglich aus einem kompletten Kunststoffgehäuse bestehen.

 

 

Detaillierter LVS-Geräte-Test folgt

In allen Einzelheiten werden wir euch die neuen LVS-Geräte im Herbst 22 vorstellen, nachdem sie diesen Winter ausführlich auf den Prüfstand gestellt wurden. Untersucht wurden dabei Reichweiten in verschiedenen Koppellagen, Grob- und Feinsuche und Mehrverschüttungszenarien.