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Toni Palzer: Stationen einer sensationellen Skimo-Karriere

Am 1. April hat Toni Palzer die Tourenski gegen das Rennrad getauscht und geht jetzt als Radprofi für das UCI WorldTour-Team BORA-hansgrohe an den Start. In den zurückliegenden 13 Jahren hat die "Ramsauer Rakete" dutzende nationale und internationale Titel gewonnen und prägte die Skimo-Szene. Zum Abschied hat Toni einige Fotos von seinen wichtigsten Stationen mitgebracht und kommentiert sie höchstpersönlich.

2010: Deutsche Meisterschaft am Jenner in Berchtesgaden

 

Bei der Deutschen Meisterschaft 2010 am Jenner war Toni noch zu jung, um bei den Herren mitlaufen zu dürfen. Dank einer Sondergenehmigung des Deutschen Alpenvereins durfte der damals 16-jährige dann doch starten. Start war an der Talstation der Jennerbahn, dann ging es 1250 Höhenmeter bergauf auf den Gipfel des Jenner, Abfahrt zur Mittelstation, wieder hoch auf den Gipfel, dann Ziel an der Mittelstation nach über 2000 Höhenmeter. Toni war zwar Tagesschnellster, einen Titel hat er dennoch nicht bekommen. Als Kadett hätte er die kleine Runde laufen müssen, er hat aber die Senioren-Strecke gemacht, weshalb der Erfolg nicht gewertet wurde. Ein Schlüsselmoment für seine spätere Karriere war es natürlich trotzdem.

 

 


 

Toni ist nicht nur Profi auf den Skiern, sondern auch vor der Kamera. Er präsentiert sich souverän den Medien gegenüber. Diese lockere und bodenständige Art hat bis heute nicht nachgelassen, weshalb er beliebter Interviewpartner der Medienleute ist. Dieses Interview gab er nach seinem ersten DM-Sieg 2010 beim Jennerstier in Berchtesgaden. 

 

 

2011: Weltmeisterschaft in Claut (Italien)

2011 ist Toni zweifacher Junior-Weltmeister (Sprint und Individual) geworden und hat einen Vize-Weltmeistertitel im Vertical geholt. Austragungsort der WM war Claut in Italien. 

 

2013: Weltmeisterschaft in Pelvoux

Knapp zehn Stunden braucht man mit dem Auto von Berchtesgaden nach Pelvoux in Frankreich. Die Fahrt hat sich 2013 aber gelohnt: Junior-Vizeweltmeister im Sprint plus Junior-Weltmeister im Individual und im Vertical. In Puy-Saint-Vincent, etwas nördlich von Pelvoux, hat er später seinen ersten Senioren-Weltcup-Sieg gefeiert. Die Streckenführung dort ist richtig alpin, lange Aufsteige, lange Abfahrten. Am Ende stehen immer die "komplettesten" Skibergsteiger auf dem Podest.

 

2015: Sellaronda & Mountain Attack

 

 

 

42 Kilometer, 3000 Höhenmeter: Der Sellaronda Skimarathon ist ein "knüppelhartes Rennen". Als Skibergsteiger muss man die Sellaronda aber einmal gelaufen sein. Am letzten Anstieg zeigte das Favoriten-Team, das lange vorne lag, Schwäche. Am Ende der Sellaronda  2015 stand ein Ex-aequo-Sieg von Toni Palzer und seinem Teampartner Damiano Lenzi und dem Team Michele Boscacci/Lorenzo Holzknecht. Ein historischer Moment, der anschließend auch angemessen gefeiert wurde.

 

2015: Weltmeisterschaft in Verbier

 

 

Was war die coolste WM ever? Toni findet, Verbier 2015. In Verbierliegen die Wurzeln im Skibergsteigen, da ist der Zielort der Patrouille des Glaciers, dem prestigeträchtigsten Skitourenwettbewerb überhaupt. Für Toni war es die wohl erfolgreichste Weltmeisterschaft seiner Karriere mit einem ersten Platz bei den U23-Herren in allen drei Disziplinen,einem Vizeweltmeistertitel im Sprint bei den Herren, seine erste große WM-Medaille und einem dritten Platz in der WM-Gesamtwertung der Senioren.

 

2017: Mountain Attack/Sellaronda

 

 

Ein Sieg bei der Sellaronda liest sich immer gut im Skimo-Lebenslauf. Bei Toni steht der Sieg seit 2017 drin - trotz widrigster Wetterverhältnisse. Er hat vom Start weg gedacht: Entweder ich lauf eine Rekordzeit, oder ich brech komplett ein. Er ist nicht eingebrochen, sondern hat den alten Streckenrekord um sieben Minuten verbessert. Lange ist ihm der Rekord nicht geblieben, gleich im Jahr darauf ist Michele Boscacci die Strecke noch schneller gelaufen. 

 

2017: Weltmeisterschaft Alpago

Nach dem Sieg bei der Mountain Attack haben sich schwierigere Zeiten für Toni angekündigt. Das Herz spielte nicht mehr mit - für einen Ausdauersportler natürlich verheerend. Doch Toni ist zäh, er kam schneller wieder zurück als erwartet. Die WM in Alpago war am Ende sogar seine erfogreichste Weltmeisterschaft überhaupt. Zwei Medaillen hat er geholt: Bronze im Individual, Silber im Sprint und Dritter in der Gesamtwertung.

 

2017/2018: Gesamtweltcupsieg Vertical

In der Saison 2017/2018 holte sich Toni den Sieg im Vertical Gesamtweltcup und das in einem persönlich schwierigen Winter in dem ihn gesundheitliche Probleme plagten. Damals war er sogar froh, als der Winter vorbei war. Die Kristallkugel ist eine schöne Entschädigung für den zähen Winter. 

 

2018/19: Gesamtweltcup Silber

Die Saison 2018/19 hat Toni als Zweiter hinter Robert Antonioli und vor Michele Boscacci beendet. Ob's an der valtellinesischen "Riamilli" (Rührmilch, österr. für Buttermilch) liegt oder nicht; Robert Antonioli lief sehr stark und hat den ersten Platz verdient.

 

2019: Weltmeisterschaft Villars

An die WM 2019 in Villars denkt Toni nicht so gern zurück. Sein Ziel, Einzelweltmeister zu werden, hat er nicht erreicht. Generell hat in Villars nicht viel geplappt. Die beste Platzierung war ein fünfter Platz im Vertical; ein schwacher Lohn für viel Einsatz. Aber so ist's im Sport: Manchmal läuft's, manchmal nicht. Aber auch aus einer schlechten Saison kann man lernen und Schlüsse ziehen, um so als Athlet daran zu wachsen.

 

2020: Weltcup Berchtesgaden

Der Weltcup dahoam war auch der letzte große Wettbewerb mit Publikum. Wenige Wochen später hat Corona die Welt lahmgelegt. Aber beim Jennerstier hat nochmal alles gepasst: Spitzenstimmung, Kaiserwetter und beste Schneeverhältnisse am Jenner in Berchtesgaden. Toni hat seinen Heimvorteil genutzt, zweimal kam er unter die Top 5 (Individual und Vertical). 2022, beim nächsten Jennerstier, steht Toni vermutlich auf der Zuschauerseite und feuert die Athlethen an.

 

Rekord: Watzman-Überschreitung

 

23 Kilometer, 2300 Höhenmeter: klingt nach einer ambitionierten Tagestour. Toni hat die Überschreitung in 2 Stunden und 47 Minuten gemacht - so schnell wie noch keiner vorher.

 

2021: Weltmeisterschaft Andorra

Alles hat ein Ende: Die Weltmeisterschaft in Andorra war der letzte große Wettkampf für Toni. Er beendet seine Skibergsteiger-Karriere mit einem Vizeweltmeistertitel im Vertical. Vor ihm überquerte nur Rémi Bonnet die Ziellinie.

 

Was ist Skimo?

Ursprung und Disziplinen im Überblick

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SKIMO steht für Skimountainneering. Mit den Ski am Berg unterwegs. Hinauf und Hinunter. Wie der Wanderer im Sommer in den Bergen unterwegs ist, so ist der Skibergsteiger ein Skifahrer, der mit Hilfe von Aufstiegsfellen die Berge im Schnee hinaufgeht und ohne die Aufstiegsfelle den Berg wieder hinuntergleitet. Die Aufstiegsfelle bestehen aus Hartsynthetikfasern und ähneln der Haut eines Seehundes. Von den Tieren stammt das ursprüngliche Fellmaterial.    Eine robuste Naturfaser nimmt fast keine Feuchtigkeit auf und bleibt auch bei großer Kälte weich und geschmeidig.