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Interview mit einen tollen Sportler - Skibergsteiger Toni Lautenbacher

02.09.2020, 12:59 Uhr

Ein junger Mann geht neue Wege.

Toni Lautenbacher – ein Interview mit einem tollen Sportler auf seinem neuen Weg.

„Es gibt nichts emotionaleres als Sport“ sagt Toni Lautenbacher in unserem Abschlussinterview.

Über einen wohltuenden neuen Weg nach dem Profisport.

Den Einstieg in die Möglichkeit auf unbestimmte Zeit Profisportler werden zu können, schaffte Toni Lautenbacher, der in Benediktbeuern zuhause ist im Alter von 18 Jahren über die Sportförderung der Deutschen Bundeswehr. 2020 liegen 10 Jahre als Berufssoldat und ein buntes Leben als Athlet im Wettkampfskibergsteigen hinter ihm.

Im Sommer 2012 nahm er als Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Berglauf in Bulgarien teil. Hier liegt sein emotionaler Einstieg in den Profisport. Damals wurde er 16ter im Gesamtfeld. Mit dem Zeitpunkt wurden seine Ausdauerleistung durch erhöhten Trainingsaufwand immer besser und er folge seiner Leidenschaft. Heute bezeichnet er die Erfolge in der Vertikalen ohne Schnee, als einer seiner sportlichen Meilensteine.

Nicht lange dauerte es und Toni startete seine Wettkämpfe im Winter mit dem DAV im Team der Skibergsteiger. Toni war mit dem Zeitpunkt ein festes Mitglied der Mannschaft.

 

Sport ist ein knallhartes Geschäft.

 

Das merkte der junge Toni schnell. Seit seinen Anfängen ist das sportliche und athletische Niveau im Skibergstiegen stetig gestiegen. „Doch als junger Athlet nimmst du all die Trainingsstrapazen mit scheinbarer Leichtigkeit auf dich.“ Für die Außenwelt sieht es so aus, als wenn du den ganzen Tag nur Sport machen würdest. Bis zur maximalen Leistungsfähigkeit bei einem Wettkampf, weißt eigentlich nur du allein wie weit und manchmal auch, wie einsam der harte Weg im Profisportgeschäft ist. Doch gerade das hat seine Persönlichkeit aus den vielen Jahren Leistungssport geprägt. In den 10 Jahren als Berufssportler sind all seine Wegbegleiter ein fester Bestandteil seiner Erfolge.

 

Toni ist ein charismatischer, freundlicher junger Mann, der sich durch seine zierliche Erscheinung nicht in den Mittelpunkt spielt. Einige Jahre war er Teamkapitän. Aus gutem Grund. Er wirkt wie ein erfahrener Pool innerhalb der Mannschaft. Gepaart mit vielen, internationalen Wettkampferfahrungen und seiner inneren Ruhe gibt er nun seinen Platz frei und überlässt dem jungen Nachwuchs des Deutschen Alpenverein im Skibergstiegen das Feld.

 

Diese Entscheidung fällt ihm – sichtlich - nicht leicht. Nicht weil ihm die vielen Trainingsstunden fehlen würden sondern viel mehr, weil: “Es nichts Emotionales gibt als den Wettkampfsport“. Wie nichts Vergleichbares prägt dich Sport in den jungen Jahren deiner persönlichen Entwicklung. „Ich bin jetzt vorbereitet.“

Am Emotionalsten beschreibt Toni seine Rückschläge. Einige Zeit hatte Toni mit seinem Körper zu kämpfen. Irgendwas sträubte sich in ihm und ließ die Vorbereitungen „nicht funktionieren.“ Doch auch betont er, diese Zeiten nicht missen zu wollen.

 

„Ich kann 10 Jahre nicht in Worte fassen.“

 

Nur bin ich so dankbar für diese Zeit. Vor allem für meine Platzierungen. Die vielen Länder, die ich bereisen durfte und die kulturelle Erfahrungen, die ich mit dem Team zusammen machen konnte. „Das begleitet mich mein ganzes Leben und macht mich sehr stolz.“

 

Man trifft so viele Menschen, auf die du als Athlet angewiesen bist und die dich immer ein Stück weit mitprägen. Es sind so viele Menschen, die mir in den 10 Jahren geholfen und mich begleitet haben. Auf diesem Weg danke ich nochmals jedem einzelnen von ihnen für ihre Unterstützung.

Ohne die Förderung der Deutschen Bundeswehr, die Physiotherapie Fuchs in Bad Reichenhall und die Trainer wäre es für mich nicht möglich gewesen so weit zu kommen.

 

Meine Entscheidung dem Profisport den Rücken zu kehren ist im Februar 2020 gefallen, als wir Nachwuchs bekamen. Mit dem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass du im Training und folglich auch im Wettkampf nicht mehr an deine 100% gehst. Du gehst weniger Risiko ein, du trägst eine andere Verantwortung in dir. Ich trage diese gerne. Doch die Skimo Szene wächst und wächst weiter. Das empfinde ich als sehr positiv. Damit steigt folglich auch das sportliche Niveau! Die Jungs da draußen sind unglaublich fit und wenn du nicht 100% dabei bist, bist du nicht international konkurrenzfähig.

 

Tonis neuer Weg führt ihn in die Ausbildung als Feuerwehrmann in Penzberg. Dort wird er nochmals die Schulbank drücken. Toni hat viele Talente. Er ist gelernter Konditor, ehemaliger Sportsoldat und beginnt nun: „As richtige Lem“, wie es sei Teamkollege“ Anton Palzer nennt. Er stellt sich den neuen Aufgaben. In der familiären Verantwortung und den beruflichen Herausforderungen, dessen Ziele nicht kleiner werden. Aus einem Individualsportler wird er hineinwachsen in den Großbetrieb, zum Werksfeuerwehrmann. Toni bringt dafür alle Voraussetzungen mit.

 

Auch gegenüber seinen langjährigen Sponsoren: 
Scarpa, Maloja , enervitATK bindings, Berggluehen, LEKI 
Hier stieß er auf Verständnis und Zustimmung für seine Zukunftspläne.

 

Für Tonis Zukunft: Die Berge bleiben! Der Sport bleibt! Nichts geht mehr verloren. Nur die Einstellungen der Menschen ändern sich. Toni ist und bleibt ein Naturbursche.

„Du musst 100% bei der Sache sein, sonst kannst du sie nicht authentisch vertreten.“ Auch das hat mich der Sport gelehrt: Meine Konzentration 100% zu nutzen und fokussiert zu agieren.

Toni stünde für die Sportliche Entwicklung des DAV im Skibergsteigen weiterhin zur Verfügung. Doch innert der nächsten ein bis zwei Jahre, bleibt er zunächst bei seinen neu erklärten Zielen. Er bedankt sich beim Deutschen Alpenverein für all die für ihn geschaffenen Möglichkeiten, dem entgegengebrachten Vertrauen und die Motivation.

 

Toni wird an diesen Abschnitt seines Lebens immer zurückdenken und gibt uns für die Zukunft mit: „Jeder wird diesen Punkt früher oder später spüren. Dafür kommen immer mehrere Faktoren in deinem Leben zusammen – und dann weißt du`s.“ Sport ist jeden Tag mit Höhen und Tiefen verbunden und alles kann von ein auf den anderen Tag - vorbei sein.

„Ich bin sehr stolz mit mir im Reinen zu sein. Teilweise auch selbst noch überrascht, was ich erreicht habe. – Jetzt sind mal die anderen dran.“

So tritt ein toller Sportler und eine Ära der Deutschen Skibergsteiger mit einem Lächeln aus seinem Amt des Berufs-/ und Leistungssportlers zurück und widmet sich den Bergen. In Ruhe.

 

Danke an Toni Lautenbacher für dieses Interview.

Das Interview wurde am 06.05.2020 geführt.