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"Mode spielt auch eine Rolle"

19.11.2019, 09:15 Uhr

Bereits seit 2014 ist Edelrid offizieller Ausstatter der DAV-Kletterkader. Doch was unterscheidet die Bekleidung von Wettkampfathletinnen und -athleten von den Klamotten der Breitensportler? Im Interview erzählt die Teamleiterin für Textil und Bekleidung bei Edelrid, Eva Bermadinger, von schmalen Hüften, kurzen Shorts, und fehlenden Hosentaschen.

Wieso bekam der Kader eine eigene Linie?

Weil Spitzenathleten ganz andere Anforderungen haben als Hobbykletterer. Und es hat etwas mit den Trends im Klettersport zu tun. Unserem normalen Kunden kann man zum Beispiel nicht die Länge der Shorts, die die Kaderathleten wollen, zumuten – denn die ist sehr kurz. Und dann gibt es noch viele andere Details, die bei der Kaderbekleidung berücksichtigt werden müssen. Wir haben zum Beispiel bei den Shorts die Taschen bewusst weggelassen, da ein Athlet im worst case beim Klettern mit den Fingern darin hängenbleiben könnte. Ohne Taschen sind die Shorts in unserer normalen Kollektion aber nicht verkäuflich. Auch der Körperbau ist ein Thema, denn die meisten Athleten haben eher eine schmalere Hüfte und ein breites Kreuz. So wurden speziell für die Athleten noch zusätzliche Größen definiert – XXS etwa.

 

Welches Feature haben die Sachen?

Sie dürfen die Athleten natürlich grundsätzlich in ihrer Bewegungsfreiheit nicht einschränken. Sie werden aus Biobaumwolle und Elasthan hergestellt und haben einen Zwickel im Schritt. Die Oberteile sind so geschnitten, dass die Schultern frei sind, die meisten Teile haben keine Ärmel, damit sich die Kletterer frei bewegen können. Alle Teile sind in den gemeinsam mit dem DAV festgelegten Farben gehalten. Wir haben dem DAV verschiedene Farbkonzepte vorgestellt und dieser hat sich für Schwarz-Rot entschieden.

 

Gibt es noch andere Kriterien?

Das von den Verbänden vorgegebene Branding. Da ist alles genau bestimmt: Beispielsweise wo die Startnummer hin darf und wie viel Platz dafür vorgesehen sein muss. Daneben gibt es noch Vorgaben, wo die Logos angebracht werden dürfen.

 

Können die Athleten eigentlich auch mitsprechen?

Die Kollektion wurde in enger Abstimmung mit den Athleten entwickelt. Es gab im vergangenen Frühjahr ein Treffen, bei dem wir Prototypen dabei hatten, die die Teammitglieder probieren konnten. Damals wurde beispielsweise gewünscht, dass die Beinlänge bei den Shorts viel kürzer sein soll. Auch wurde von den Mädels der Wunsch geäußert, Leggins zu bekommen. Wir reflektieren das Feedback natürlich und haben alles bestmöglich umgesetzt.

 

Kommt auch Kritik?

Sagen wir mal so: viele Kaderathleten sind noch sehr jung, das müssen wir dann oft rauskitzeln. Manche sagen aber schon, wenn es ihnen nicht gefällt. Und gerade die Mädels sind natürlich sehr stark von der aktuellen Mode beeinflusst…

 

Ist die Umsetzung manchmal eine Gratwanderung?

Bekleidung ist in unserem Unternehmen nur ein Teil des Ganzen und wir haben hier einen sehr langen Vorlauf. Das bedeutet, dass vom Entwurf hin zum fertigen Teil fast zwei Jahre vergehen. Die Kollektion für Frühjahr/Sommer 2022 wird also schon im kommenden Jahr entstehen. Was auch anspruchsvoll ist, ist die Logistik. Die Bestellungen sind oft sehr kurzfristig, die Produktionsvorläufe aber dauern sehr lange. Es müssen beispielsweise Stoffe produziert werden, spezielle Farbdrucke sind notwendig… also es ist schon herausfordernd, die Teile rechtzeitig fertig zu bekommen.

 

Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio im kommenden Jahr wird mindestens ein deutscher Athlet dabei sein: Gibt es für 2020 eine besondere Kollektion?

Die aktuelle Kollektion ist ja schon im Hinblick auf die Olympischen Spiele entstanden. Dort werden die Athleten die Bekleidung bei den Wettkämpfen tragen.

 

Interview: Gudrun Regelein

 

 

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Was ist Speed-Klettern?

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Olympic Combined?

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Im Sommer 2016 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme von Sportklettern in das Olympische Programm. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020 wird die Premiere stattfinden. Der Wettkampfmodus für Tokio ist ein neu geschaffenes Kombinationsformat, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt. Der Wettkampf bei Olympic Combined läuft über zwei Runden: Qualifikation und Finale, die an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Jede Athletin und jeder Athlet muss in allen drei Disziplinen starten. Die Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommt Bouldern und als letzte Disziplin Lead.   Die Ergebnisse aus der Qualifikationsrunde werden multipliziert und daraus ein Ranking erstellt. Kletterer A hat beispielsweise in den drei Disziplinen die Platzierungen 2, 5 und 10, die multipliziert eine Punktezahl von 100 ergeben. Kletterer B landet in allen drei Disziplinen auf Platz 6 und erhält 216 Punkte. Kletterer A hat weniger Punkte, landet in der Gesamtwertung also vor Kletterer B und hat bessere Chancen, ins Finale einzuziehen. Die acht Athleten mit der niedrigsten Punktezahl werden dort starten. Im Finale werden die drei Disziplinen mit kurzer Pause direkt hintereinander geklettert. 

Was ist Lead-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Lead, also das Klettern mit Seil, wird auch als Vorstiegs- oder Schwierigkeitsklettern bezeichnet. Es ist die traditionellste Disziplin des Kletterns. Hier geht es darum, eine definierte Route in einer vorgegeben Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern – beziehungsweise höher als die anderen Starterinnen und Starter zu kommen. Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich das Leadklettern als Wettkampfsportart etabliert – 1989 ging der erste Weltcup über die Bühne. Zu Beginn fanden die Wettkämpfe noch am Fels statt, beim „Rockmaster“ im italienischen Arco beispielsweise, einem der ältesten Sportkletterwettkämpfe überhaupt. Inzwischen aber werden Wettkämpfe in Hallen an bis zu 20 Meter hohen Kunstwänden durchgeführt. Für diese Disziplin ist vor allem Ausdauer und Kraft nötig. Daneben sind eine ausgefeilte Technik und eine gute Taktik gefragt, um an der Weltspitze mitklettern zu können. Zunehmend sieht man bei den Leadwettkämpfen aber auch spektakuläre Sprünge oder Bewegungen, wie die „Figure Four“, bei dem mangels Tritt das Bein über den Unterarm gehängt und aus dieser Position weitergezogen wird.   Das Niveau beim Leadklettern ist mittlerweile sehr hoch, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften beispielsweise sollte die männliche Jugend A den 9. UIAA-Grad beherrschen. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren liegen die Schwierigkeiten bereits bei UIAA 10/10+, international sogar noch höher: Bei den Weltcups werden Touren bis zum UIAA-Grad 11-/11 geklettert. 

Was ist Klettern?

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Sport, Freiheit, Naturerlebnis, Gruppendynamik... Wer will nicht ganz nach oben? Der Clip entstand in freundlicher Kooperation mit HD+. In UHD-Qualität zu sehen auf UHD1 by HD+. Infos: www.uhd1.tv

Sportklettern boomt!!

Grundlegendes

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Die wichtigsten Infos rund um das Wettkampfklettern in Deutschland. Wie funktioniert's und wer sind die Besten?  Klettern hat sich in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die zahlreichen Hallen zu einem echten Breitensport entwickelt: Immer mehr Sportler zieht es in die Vertikale - sowohl in- als auch outdoor - und der Trend ist ungebrochen. Mittlerweile klettern in Europa über 2 Millionen Menschen, in Deutschland etwa 500.000. Der DAV spielt dabei eine wichtige Rolle: Zum einen bieten DAV-Hallen, Trainer und Kurse ideale Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten für Breitensportler, und zum anderen fördert der DAV mit Wettkämpfen auf allen Ebenen und dem DAV-Nationalkader Klettern als Leistungs- und Wettkampfsport. Dabei bildet die breitensportliche Basis eine ideale Möglichkeit, den Nachwuchs für den Spitzensport quasi aus den eigenen Reihen heranzuziehen.   Der DAV als zuständiger Fachverband für das Sport- und Wettkampfklettern in Deutschland hat die sportliche Leitung bei allen nationalen Ranglistenwettkämpfen in Deutschland sowie gemeinsam mit der IFSC (International Federation of Sport Climbing) für die in Deutschland stattfindenden internationalen Wettkämpfe.