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"It was a blast"

21.09.2020, 15:07 Uhr

Hannah Meul holt sich beim ersten und einzigen EYC des Jahres Bronze

„It was a blast“ postete Hannah Meul nach dem European Youth Cup (EYC) Lead in Augsburg auf Insta. Und tatsächlich hatte die 19-jährige Kölnerin im Finale einen furiosen Auftritt: Fokussiert, energisch und schnell kletterte sie die anspruchsvolle Tour nach oben – und stürzte erst bei der Höhe von 38+. Sie erreichte damit als fünfte Finalstarterin zu diesem Zeitpunkt die größte Höhe und durfte erst einmal auf dem Siegersessel Platz nehmen. Bundestrainer Urs Stöcker, einer der beiden Kommentatoren des EYC-Livestreams, erwartete schon zu diesem Zeitpunkt eine Medaille für Hannah und wette darauf einen Cappuccino. Er sollte recht behalten: Hannah gewann bei ihrem letzten Start als Juniorin, ihrer „round of honor“, die Bronzemedaille. Höher als Hannah kamen nur noch die Französin Camille Pouget (41+; Platz 2) und die Tschechin Eliska Adamovska, die die Route als Einzige toppte und sich souverän Gold holte.Sie habe beim Zuschauen von Hannah Gänsehaut bekommen, erzählt Bundesjugendtrainerin Fritze Kops. „Die ist alle drei Touren hochgetanzt. Sie hat bei ihrem letzten EYC jeden Zug genossen.“ Hannah sei in diesem Jahr körperlich und mental angekommen, sie habe ein sehr positives Mindset bekommen. „Die Medaille war absolut verdient.“

Hannah Meul: „Ich bin super motiviert nach Augsburg gefahren. Ich habe mich in diesem Jahr sehr gut auf Lead vorbereitet und habe gehofft, im Finale dabei zu sein und alles geben zu können. Mein größter Wunsch war, mit dem Podium abschließen zu können und einen perfekten Abschluss zu haben. Ich bin unglaublich glücklich, dass das geklappt hat. Im Finale habe ich komplett Vollgas gegeben – 110 Prozent. Ich hatte mega Lust und ich wollte geil performen und das ist mir gelungen. Die Finalroute war ein Ausdauerhammer, das liegt mir eigentlich nicht wirklich. Aber ich bin in den flow gekommen und habe jeden Zug genossen. Oben war ich dann einfach mega gepumpt.“

 

Es war – coronabedingt - der erste und einzige EYC des Jahres 2020. Gut 140 Nachwuchstalente der Jugend B, Jugend A und der Juniorenklasse kämpften in den langen Ausdauertouren mit einzelnen spektakulären Zügen, die unter Chefschrauber Christian Bindhammer in die hohen Außenwand des Landesleistungszentrums Augsburg gezaubert worden waren, um den Einzug in das Finale der besten Zehn. Von den insgesamt 16 deutschen Startern schafften das sieben Athleten: Neben Hannah Meul waren das bei den Mädels Luisa Flohé (Juniorin, Platz 9), Emma Bernhard (Jugend A, Platz 10), Anna Maria Apel (Jugend B, Platz 5) und Ariane Franken (Jugend B, Platz 8). Bei den Jungs gelang bei der Jugend B Max Dinger der Sprung ins Finale (Platz 7) und bei den Junioren Jonas Brandenburger (Platz 8). Jonas startete souverän, überkletterte dann aber eine Exe und lief beim Versuch, abzuklettern leer und stürzte. „What the fuck“, kommentierte das Urs Stöcker trocken.

Insgesamt sei sie zufrieden mit der Leistung des Teams, sagt Bundesjugendtrainerin Fritze Kops. „Bis auf die männliche Jugend A hatten wir überall Finalisten dabei. Mehr Medaillen wären natürlich schön gewesen, aber ich bin glücklich.“ Max Dinger beispielsweise sei bei der Jugend B bei seinem ersten internationalen Start ein „Überraschungspaket“ gewesen und auch Anna Maria Apel habe einen total professionellen Auftritt gezeigt. „Das macht Hoffnung.“

 

Coronabedingt konnten nicht alle Nationen in Augsburg teilnehmen – so fehlten beispielsweise Italien, die Schweiz, England und Portugal. Trotzdem sei es wichtig und richtig gewesen, den EYC durchzuziehen. „Für die Athleten war das ein schönes Event. Vielleicht mit ein bisschen weniger Druck als sonst und im Genießermodus.“

In diesem Jahr steht – abgesehen vom Speed-EYC im polnischen Tarnów – nun kein internationaler Jugendwettkampf mehr auf dem Programm. Die Bundestrainerin hofft auf eine gewisse Normalität im kommenden Jahr, mit mehr Veranstaltungen. „Es wird einen souveräneren Umgang damit geben“, sagt Fritze Kops. Für die Nachwuchsathleten zumindest sei die Umstellung nach einem sehr ruhigen Jahr auf einen vollen Terminkalender ganz sicher kein Problem: „Die brennen alle darauf, endlich wieder performen zu können.“

 

 

Text: Gudrun Regelein für Kletterszene.com

 

Video: Leon Buchholz

 

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