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Interview mit Alma Bestvater – "Im Leistungssport läuft nicht immer alles nach Plan."

20.02.2020, 13:03 Uhr

Die erfolgreiche Sportkletterin spricht mit dem DAV über ihre Wettkämpfe im vergangenen Jahr und die Anstrengungen auf dem Weg zu einer Olympia-Qualifikation.

Alma Bestvater (DAV Weimar): Die 23-Jährige aus Weimar ist eine der erfolgreichsten deutschen Athletinnen – national und international. Ein ganz großes Jahr hatte die Boulderspezialistin 2018: Damals gelang ihr bei zwei Boulder-Weltcups der Einzug ins Finale: In Hachioji (Japan) wurde sie Fünfte, in Vail (USA) Sechste. Außerdem holte sie sich vor zwei Jahren den Deutschen Meistertitel im Bouldern. Im vergangenen Jahr stand sie wieder bei einer Deutschen Meisterschaft ganz oben auf dem Treppchen: Dieses Mal nicht beim Bouldern, sondern beim Combined – dem Dreikampf aus Bouldern, Lead und Speed.

 

2019 lief es bei dir im Gegensatz zu 2018 nicht so optimal. Hattest du dir mehr erwartet?
Klar habe ich mir nach der für mich sehr guten Saison ein Jahr zuvor mehr erhofft. Es lief einfach nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber es ist eben Leistungssport und da läuft nicht immer alles nach Plan. Ich war häufig verletzt und gesundheitlich angeschlagen.

 

War auch ein Grund, dass du dich zu sehr unter Druck gesetzt hast?
Das spielte sicher auch mit hinein. Wenn man drei oder vier schlechte Wettkämpfe hintereinander hat, dann sagt man sich, dass es beim nächsten auf jeden Fall klappen muss.

 

 

Wie wichtig war dir dann im Herbst der Gewinn der Deutschen Meisterschaft Combined?
Für den Kopf war das wichtig. Ich habe so viel Energie und Zeit in das Combined-Training investiert, da war es natürlich gut zu sehen, dass es sich rentiert hat. Und zu erleben, dass ich es ja kann.

 

Du giltst noch als Anwärterin für die Olympischen Sommerspiele Tokio in diesem Sommer. Noch hast du die Chance, dich bei der Europameisterschaft in Moskau Ende März zu qualifizieren.
Nur die Athletin, die gewinnt, wird in Tokio dabei sein. Wer das sein wird, weiß man heute natürlich noch nicht, aber ich zähle nicht unbedingt zu den Topfavoritinnen. Ich werde mein Bestes geben, aber erwarte mir nichts. Mal schauen, was passiert. Der DAV schickt übrigens insgesamt vier deutsche Mädels nach Moskau: Afra Hönig, Lucia Dörffel, Hannah Meul und mich.

 

Du hattest eine lange Saison und jetzt noch die EM: Ist es nicht sehr schwierig, sich über einen so langen Zeitraum hinweg immer wieder zu motivieren und konsequent zu trainieren?
Die letzte Saison war tatsächlich lang und auch für den Kopf anstrengend. Aber ich hatte schon eine längere Auszeit und bin auch zwei Wochen gar nicht klettern gewesen. Außerdem ist der letzte Wettkampf schon lange her, das passt schon. Momentan stecke ich im Wintertraining und bereite mich auf die EM vor.

 

Trainierst du die drei Disziplinen parallel oder legst du wegen der bald beginnenden Weltcup-Saison den Schwerpunkt auf das Bouldern?
Momentan trainiere ich zwar alle drei parallel, aber schon mit Schwerpunkt auf Bouldern und Speed. Einfach deshalb, weil mir die beiden Disziplinen mehr liegen als das Leadklettern. Ich hoffe eben, dass ich damit bei der EM eine gute Platzierung bekomme - die Ergebnisse der drei Combined-Disziplinen werden ja multipliziert.

 

 

Falls es mit Tokio aber nicht klappen sollte: wirst du versuchen, dich für Paris 2024 zu qualifizieren?
Das habe ich mir tatsächlich noch nicht final überlegt. Natürlich ist Olympia eine coole Sache, aber ich habe jetzt vier Jahre lang Vollgas im Training gegeben, das hat mich sehr viel Energie gekostet und ich musste auf viel verzichten - konnte beispielsweise nicht so oft am Fels sein, wie ich es eigentlich wollte. Das fehlt mir. Also inzwischen weiß ich, was der Versuch, sich für Olympische Spiele zu qualifizieren, bedeutet. Und ich kann jetzt noch nicht sagen, ob ich das noch einmal machen möchte. Vielleicht lege ich dann meinen Fokus auch wieder auf meine Lieblingsdisziplin Bouldern und gehe öfters an den Fels.

 

Was sind deine Ziele für dieses Jahr?
Sehr schön wäre es, wenn ich bei den Boulder-Weltcups wieder weit vorne dabei sein würde. Ich würde gerne an die Ergebnisse von 2018 anknüpfen. Ansonsten muss ich schauen, was noch geht. Der Kalender ist schon ziemlich voll.

 

 

Das Interview führte: Gudrun Regelein

 

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Im Sommer 2016 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme von Sportklettern in das Olympische Programm. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020 wird die Premiere stattfinden. Der Wettkampfmodus für Tokio ist ein neu geschaffenes Kombinationsformat, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt. Der Wettkampf bei Olympic Combined läuft über zwei Runden: Qualifikation und Finale, die an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Jede Athletin und jeder Athlet muss in allen drei Disziplinen starten. Die Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommt Bouldern und als letzte Disziplin Lead.   Die Ergebnisse aus der Qualifikationsrunde werden multipliziert und daraus ein Ranking erstellt. Kletterer A hat beispielsweise in den drei Disziplinen die Platzierungen 2, 5 und 10, die multipliziert eine Punktezahl von 100 ergeben. Kletterer B landet in allen drei Disziplinen auf Platz 6 und erhält 216 Punkte. Kletterer A hat weniger Punkte, landet in der Gesamtwertung also vor Kletterer B und hat bessere Chancen, ins Finale einzuziehen. Die acht Athleten mit der niedrigsten Punktezahl werden dort starten. Im Finale werden die drei Disziplinen mit kurzer Pause direkt hintereinander geklettert. 

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Der fünfte Boulderweltcup in dieser Saison endete für Alma Bestvater (DAV Weimar) mit einem sensationellen fünften Platz. Einmal hatte sie es dieses Jahr bei einem Boulderweltcup ins Halbfinale geschafft, zwei weitere Male hat sie um haaresbreite den Einzug unter die Top 20 verpasst. Mit ihrem fünften Platz in Tokyo sicherte sich die 22-Jährige ihr bisher bestes Ergebnis bei einem Weltcup!