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Das Olympia-Fokusteam für Tokio 2020

15.01.2019, 14:38 Uhr

Mangas zeichnen, gemeinsam Sushi machen – und ein intensives Speedtraining: Das stand unter anderem auf dem Programm des ersten Treffens des neuen fünfköpfigen Olympia-Fokusteams an diesem Montag. Gut eineinhalb Jahre vor der Premiere des Sportkletterns bei den Olympischen Spielen trafen sich die vom DAV nominierten Herren und Damen mit ihren Trainerinnen und Trainern zu einer Teambuildingmaßnahme in München. „Es war cool, mal mit dem ganzen Team zusammenzukommen. Zu sehen wie motiviert die anderen sind, zieht mich mit“, sagt Alma Bestvater, eine der beiden Frauen im Fokusteam.

Klettern wird olympisch

Für die Sommerspiele in Tokio 2020 wurde ein neues Format geschaffen, „Olympic-Combined“. Die Medaillen gehen an die Besten eines Mehrkampfs aus den Disziplinen Speed, Bouldern und Lead. „Wir halten den Olympischen Dreikampf für eine sehr spannende Sache. Es ist im Prinzip eine neue Disziplin, auf die man sich speziell vorbereiten muss", erklärt Martin Veith, Sportdirektor für Leistungssport beim Deutschen Alpenverein (DAV). Erklärtes Ziel des DAV sei, mit zwei Herren und mindestens einer Dame an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Weltweit können sich 20 Frauen und 20 Männer für Olympia qualifizieren; aus jeder Nation können maximal zwei Damen und zwei Herren starten.

 

Um den Weg zu den Qualifikationswettkämpfen in diesem Jahr optimal zu gestalten, wurde das Fokusteam aufgestellt. „Wir haben zunächst die sechs Athleten in dieses Team berufen, die eine herausragende Chance für eine Qualifikation haben“, sagt Veith. Bei den Damen sind das Alma Bestvater (DAV Weimar) und Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln), bei den Herren Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main), Alexander Megos (DAV Erlangen) und Yannick Flohé (DAV Aachen). Das Team sei aber offen, betont Veith: „Bei einer entsprechenden Leistung können im Laufe der Saison auch andere Kaderathleten aufgenommen werden.“

 

„Ich bin zuversichtlich, dass wir unser Ziel, mit zwei Herren und mindestens einer Dame nach Tokio zu fahren, erreichen“, sagt Urs Stöcker, einer der drei Bundestrainer. „Wir werden bis zum Schluss alles geben und daran glauben, dass wir es schaffen.“ Zwar gebe es bei der Disziplin Speed noch gewisse Defizite bei den deutschen Kletterern, aber: „Wir werden unseren Fokus darauf richten. Mit relativ wenig Aufwand kann man da viel bewirken“. So wurde für das Fokusteam der frühere Speed-Weltmeister Danyil Boldyrev aus der Ukraine als Trainer engagiert. Stöcker ist aber nicht der Meinung, dass sich letztendlich der komplette Kletterer oder Kletterin qualifizieren wird. „Eigentlich braucht dieses Format den Spezialisten, der eben auch die beiden anderen Disziplinen kann“, sagt er. Alexander Megos beispielsweise: Er zählt weltweit zu den besten Leadkletterern und mischt auch beim Bouldern ganz vorne mit. Speed dagegen ist nicht unbedingt seine Lieblingsdisziplin, „aber ich werde das trainieren“, sagt Megos. Denn eine Teilnahme an Olympischen Spielen würde auch für ihn ein Highlight bedeuten. „Das ist ein Traum, den man sich erfüllen kann“.

 

Das Fokusteam wird in den kommenden Monaten zu spezifischen Trainingslehrgängen eingeladen. Neben intensiven Einheiten in den drei Disziplinen gehe es bei diesen auch um andere Aspekte – wie eine grundlegende psychologische Betreuung, eine Ernährungsberatung oder auch das Regenerationsmanagement, berichtet Bundestrainerin Friederike Kops. „Olympiade, das neue Format: das ist für uns alle noch Neuland“, sagt sie. In diesem Jahr und bis Anfang 2020 läuft die Qualifikation für Tokio: Die Top Sieben der Weltmeisterschaft im Combined-Format dürfen dann bei den Sommerspielen starten. Daneben haben die 20 besten Combined-Athletinnen und -Athleten aus den Worldcups Ende des Jahres bei einem Wettkampf in Toulouse die Chance, sich zu qualifizieren: Die besten sechs Damen und Herren aus diesem Wettkampf dürfen auch nach Tokio. Und schließlich bekommen die beiden Gewinner der Kontinentalwettkämpfe – in Deutschland ist das die Europameisterschaft – einen der begehrten Startplätze.

 

Hannah Meul konnte bereits bei den Olympischen Jugendspielen in Argentinien im vergangenen November Erfahrungen sammeln. Sie schrammte ganz knapp an einem Podestplatz vorbei und belegte den vierten Platz. „Die Jugendspiele waren bislang das größte Ereignis in meinem Sportlerleben. Jetzt auf großer Bühne in Tokio mitmachen zu können, wäre einfach großartig“, sagt Hannah. Auch für Yannick Flohé ist die Teilnahme bei den Olympischen Spielen derzeit das größte Ziel. Darauf fokussiert sich der Sportsoldat: „Olympia ist sicherlich für jeden Sportler das wichtigste Event. So etwas vergisst man dann sein Leben lang nicht mehr.“

 

Das Deutsche Team wird unterstützt von edelrid.

 

Text: Gudrun Regelein