- Die europaweite Petition „Hands Off Nature“ ist abgeschlossen. Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben unterschrieben, darunter Tausende aus Deutschland. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat die Petition gemeinsam mit einem breiten Bündnis europäischer Umwelt- und Naturschutzverbände unterstützt. Die Unterschriften werden am 23. Oktober in Brüssel an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall übergeben.
Über 1,2 Millionen Unterschriften für den europäischen Naturschutz
Darum geht es:
Die EU-Kommission unterzieht die FFH-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie in diesem Jahr einem sogenannten Stresstest. Der Abschlussbericht soll bis Ende 2026 vorliegen. Beide Richtlinien sind die rechtliche Grundlage des Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Parallel will die Kommission Umweltprüfungen in Genehmigungsverfahren verkürzen. Dabei hat schon der Fitness-Check der Kommission von 2016 gezeigt: Die Richtlinien funktionieren. Das Problem ist ihre unzureichende Umsetzung. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind 81 Prozent der geschützten Lebensräume in einem ungünstigen Erhaltungszustand.
Roland Stierle, Präsident des Deutschen Alpenvereins, betont die Bedeutung der Petition für den Schutz der Alpen:
„Über eine Million Menschen fordern: Hände weg von der Natur. Auch bei unseren Mitgliedern hat die Petition große Resonanz gefunden. Sie erleben unmittelbar, wie schnell sich die Natur in den Alpen verändert. Wer jetzt Naturschutzgesetze aufweicht, gefährdet den Schutz dieser einzigartigen Landschaften. Unsere Ehrenamtlichen engagieren sich in den Sektionen für den Erhalt von Wegen und Lebensräumen. Dafür braucht es einen verlässlichen rechtlichen Rahmen. Die Unterschriften sind ein klares Signal an Brüssel und Berlin: Die Menschen stehen zum Naturschutz. Eine vermeintliche Entbürokratisierung auf Kosten der Natur lehnen wir ab. Die Bundesregierung muss sich in Brüssel für starke und verlässliche Naturschutzgesetze einsetzen.“
Was das für die Alpen bedeutet
Die Alpen erwärmen sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt. Der Südliche Schneeferner an der Zugspitze hat 2022 seinen Status als Gletscher verloren. Auftauender Permafrost destabilisiert Hänge, Wege und Hütten sind von zunehmenden Extremwetterereignissen betroffen. Gleichzeitig stehen alpine Lebensräume wie Bergwiesen, alpine Rasen, Hochmoore und Wildflusslandschaften wie die Obere Isar unter Druck durch Nutzung und Erschließung. Für diese Räume sind EU-Naturschutzgesetze kein bürokratisches Beiwerk. Sie sind oft der einzige wirksame Schutz.
Die Forderungen des DAV für den Alpenraum
FFH- und Vogelschutzrichtlinie unverändert erhalten. Der Stresstest darf keinen Schutzstandard senken. Alpine Lebensräume stehen unter doppeltem Druck durch Klimawandel und Nutzung. Sie brauchen einen konsequenten Vollzug, keine Ausnahmen.
Wildflüsse und Gebirgsbäche schützen. Das Verschlechterungsverbot der Wasserrahmenrichtlinie muss bleiben. Freifließende Alpenflüsse sollen nach der EU-Wiederherstellungsverordnung gezielt wiederhergestellt werden.
Wiederherstellung grenzüberschreitend planen. Deutschland soll im Nationalen Wiederherstellungsplan konkrete Maßnahmen für den Alpenraum verankern, abgestimmt mit den Nachbarstaaten, und den Alpinen Biodiversitäts-Aktionsplan der Alpenkonvention einbinden.
Bergsport als Partner verstehen. Starke Naturschutzgesetze und das freie Betretungsrecht schließen sich nicht aus. Bestehende Lenkungskonzepte für Klettern und Skibergsteigen zeigen, wie Schutz und Naturerlebnis gemeinsam funktionieren.
Über den DAV
Der Deutsche Alpenverein ist mit 1,6 Millionen Mitgliedern in 355 Sektionen der größte Bergsportverband der Welt und einer der größten Naturschutzverbände in Deutschland. Er betreut über 300 Hütten und etwa 30.000 Kilometer Wege.
Die "Hands Off Nature"-Kampagne
Die Kampagne wurde von BirdLife Europe, ClientEarth, dem European Environmental Bureau (EEB) und WWF EU initiiert. In Deutschland beteiligen sich unter anderem NABU, WWF, DUH, DNR, BUND, BUND Naturschutz in Bayern, Pro Wildlife, ClientEarth und der DAV. Die Petition lief bis zum 20. Oktober 2026.
Service für die Presse
Website: handsoffnature.eu
Pressebild: DAV-Präsident Roland Stierle
Pressekontakt: Julian Rohn, julian.rohn@alpenverein.de, 089/14003-332