- Der Deutsche Alpenverein (DAV) warnt vor weitreichenden Eingriffen in Natur und Landschaft im Aurachtal nahe des Spitzingsees. Das Tal zählt zu den letzten nicht durch Straßen erschlossenen Tälern der Bayerischen Alpen. Nach den bisher bekannten Plänen soll dort eine neue Almerschließungsstraße über rund 800 Höhenmeter gebaut werden. Gleichzeitig steht eine Sperrung der traditionellen Skitourenroute durch das Aurachtal im Raum. Der DAV lehnt beide Vorhaben entschieden ab.
Spitzingsee: DAV kritisiert Straßenbau und Skitourensperrung im Aurachtal
Das Aurachtal gilt seit Generationen als klassisches Ziel für Skitourengeherinnen und Skitourengeher. Die geplante Sperrung würde aus Sicht des DAV das in der Bayerischen Verfassung verankerte Betretungsrecht der freien Natur ohne ausreichende Begründung einschränken. Besonders kritisch bewertet der Verband, dass zeitgleich eine Almerschließungsstraße mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft realisiert werden soll.
„Nach mehreren Gesprächsrunden können wir derzeit nicht erkennen, dass die Bereitschaft besteht, die Einschränkungen des Betretungsrechts verhältnismäßig und in gewohnter kooperativer Zusammenarbeit auszugestalten. Besonders bedauernswert ist, dass die begründeten Bedenken der DAV-Vertreterinnen und -Vertreter beim Verordnungsentwurf unberücksichtigt blieben."
DAV unterstützt wirksamen Birkhuhnschutz
Begründet wird die geplante Sperrung mit dem Schutz des Birkhuhns. Der DAV betont ausdrücklich seine Unterstützung für wirksame Naturschutzmaßnahmen. Bereits vor mehreren Jahren wurden im Spitzingseegebiet Wildschutzgebiete eingerichtet, denen der DAV zugestimmt hatte und deren Fortführung ausdrücklich befürwortet wird. Nach Einschätzung des Verbandes haben diese Gebiete bereits zu einer deutlichen Beruhigung wichtiger Lebensräume beigetragen.
Eine darüberhinausgehende Sperrung des gesamten Aurachtals für den Wintersport hält der DAV jedoch für unverhältnismäßig. Dies gilt umso mehr, wenn gleichzeitig durch dasselbe Tal eine Almerschließungsstraße gebaut werden soll. Aus Sicht des DAV entsteht dadurch ein Widerspruch, der den Naturschutzgedanken schwer vermittelbar macht. Zudem sind für andere Nutzergruppen Ausnahmen vorgesehen, während Erholungssuchende weitgehend ausgeschlossen würden.
Stellungnahme des Deutschen Alpenvereins zum Verordnungsentwurf der Wildschutzgebiete im LK Miesbach
Bewährte Zusammenarbeit wird verlassen
Seit Jahrzehnten engagiert sich der DAV gemeinsam mit Behörden, Naturschutz-, Jagd- und Forstvertretern für den Schutz sensibler Lebensräume in den Bayerischen Alpen. Das Spitzingseegebiet gilt dabei als eine der Pionierregionen der Besucherlenkung im Wintersport. Bereits 1986 wurde hier die Aktion „Skifahren und Natur schützen“ ins Leben gerufen. Das später vom DAV koordinierte Konzept „Skibergsteigen umweltfreundlich“ knüpft an diese erfolgreiche Zusammenarbeit an. Heute tragen rund 320 freiwillig ausgewiesene Wald-Wild-Schongebiete in Bayern sowie eine flächendeckende Gebietsbetreuung zum Schutz störungsempfindlicher Wildtiere bei.
Der DAV sieht die aktuellen Planungen des Landratsamtes Miesbach als Abkehr von diesem bewährten kooperativen Ansatz. Außerdem bewertet der Verband die vorgesehene Laufzeit der geplanten Verordnung von 15 Jahren kritisch. Angesichts der dynamischen Veränderungen durch den Klimawandel ist ein derart langer Zeitraum weder zeitgemäß noch sachgerecht.
Widersprüchliche Signale im Aurachtal
Für den DAV steht fest: Sollten die Genehmigung der Almerschließungsstraße und die Sperrung der klassischen Skitourenroute tatsächlich gleichzeitig umgesetzt werden, wäre dies nur schwer nachvollziehbar. Einerseits würden massive bauliche Eingriffe in eines der letzten unerschlossenen Täler der Bayerischen Alpen ermöglicht, andererseits würden traditionell ausgeübte Wintertouren eingeschränkt.
Der DAV fordert deshalb, beide Vorhaben kritisch zu überprüfen und zu einer Lösung zurückzukehren, die Naturschutz, Berglandwirtschaft und das verfassungsmäßig geschützte Betretungsrecht gleichermaßen berücksichtigt.
Service für die Presse
Bilder aus dem Aurachtal
Stellungnahme des Deutschen Alpenvereins zum Verordnungsentwurf der Wildschutzgebiete im LK Miesbach
Kontakt: Julian Rohn, julian.rohn@alpenverein.de, 089/14003-332