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Geschichte des DAV

Gründung des Deutschen Alpenvereins 1869

1862 gründeten Wiener Professoren und Studenten den Österreichischen Alpenverein (OeAV). Sein Vereinsleben blieb auf Wien fokussiert, seine Tätigkeiten konzentrierten sich hauptsächlich auf wissenschaftliche Vorträge und Publikationen. Daher gründeten 1869 deutsche und österreichische Bergsteiger in München den Deutschen Alpenverein (DAV), der dezentral in Sektionen organisiert war. Er hatte das Ziel, die touristische Erschließung der „Deutschen Alpen“ (Ostalpen) und die praktische Arbeit im Gebirge zu fördern. Seine Sektionen stammten aus den Gebieten des 1871 entstandenen Deutschen Reichs und Österreich-Ungarns. Sie betreuten ihre Arbeitsgebiete in den Alpen, errichteten Hütten und Wege, bildeten Bergführer aus und setzten sich für die Belange der lokalen Bevölkerung in den Alpen ein.Das rasche Wachstum des DAV führte 1873 zur Verschmelzung von DAV und OeAV zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV).

Die Generalversammlung des DuOeAV übertrug die Leitung des Gesamtvereins für einen Zeitraum von drei, später fünf Jahren auf eine sogenannte Vorortsektion, dessen Vorsitzender zum Präsidenten des DuOeAV ernannt wurde. Der Standort der Vereinskanzlei mit einem Sekretär und den Mitarbeitern war stets am Vorort.

 

Der Alpenverein bis 1918: Hüttenbau, Wissenschaft und Kultur

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges umfasste der DuOeAV 417 Sektionen mit circa 100.000 Mitgliedern. Die Sektionen betrieben 319 Schutzhütten in den Alpen.

Neben den Ausgaben zur Förderung von Wege- und Hüttenbauten floss ein Großteil der Vereinsressourcen in die seit 1870 jährlich erscheinenden Zeitschrift des DuOeAV und den erstmals 1875 veröffentlichten, alle zwei Monate erscheinenden Mitteilungen des DuOeAV. Die Kartografen des Alpenvereins schufen die damals führenden Kartenwerke der Ostalpen. Die Alpenvereinsbücherei wurde 1902 eingerichtet. 1911 wurde das Alpine Museum in München eingeweiht. Zudem richtete der DuOeAV 1899 in Leipzig (seit 1911 in München) und 1913 in Wien Laternenbildsammlungen ein, bei der sich Sektionen Glasplatten für Vorträge ausleihen konnten. 1913 förderte der DuOeAV mit der Turkestan-Fahrt von Willi Rickmers Rickmers erstmals eine Auslandsexpedition.

Nach dem Ende des Krieges stand der Alpenverein vor zahlreichen organisatorischen Herausforderungen. Die Sektionen in Südtirol, im Elsass und in der Südsteiermark wurden aufgelöst. Bei der Abtretung von Südtirol an Italien gingen dem DuOeAV 91 Hütten und die Arbeitsgebiete der deutschen Sektionen verloren.

 

Der Alpenverein in den 1920er Jahren: Bergsteigen, Tourismus, Naturschutz und Jugend

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem regelrechten Ansturm auf die Berge. Die Zahl der DuOeAV-Mitglieder verdreifachte sich innerhalb weniger Jahre, die Hütten waren überfüllt. Der Gegensatz zwischen  bergsteigerischen und touristischen Interessen bestimmte die Debatten im DuOeAV. In den Nürnberger Leitsätzen von 1919 wurde beschlossen, dass die Ausübung, Ausbildung und Förderung des Bergsteigens die Kernaufgabe des Alpenvereins sei. Künftige Hütten sollten nur bergsteigerischen Interessen dienen, überflüssiger Komfort auf den Hütten wurde abgelehnt. Ruhe, Ursprünglichkeit und ungestörter Naturgenuss sollte in den Alpen bewahrt werden und die hochalpinen Regionen nur den Bergsteigern vorbehalten bleiben. In den Tölzer Richtlinien von 1923 wurde der Neubau von Hütten und Wegen sogar verboten. 1925 wurden die Richtlinien jedoch wieder entschärft.

Die internen Auseinandersetzungen in den 1920er Jahren um eine weitere Erschließung der Alpen durch den Neubau von Hütten und Wege sowie die Diskussionen um den Bau von Bergbahnen sensibilisierte den Alpenverein für den Naturschutz. Insbesondere sollte das nicht kultivierte Gebiet oberhalb der Baumgrenze vor Erschließungsmaßnahmen geschützt werden. Dies führte 1927 zu einer Erweiterung der Satzung um die "Erhaltung der Ursprünglichkeit und Schönheit des Hochgebirges".

Neue Freizeitmöglichkeiten und das Entstehen einer Jugendkultur in den 1920er Jahren führten zu einer Förderung der Jugendarbeit im Alpenverein. 1927 wurde die Jugendarbeit  als Vereinszweck in die Satzung aufgenommen. In den Sektionen bildeten sich Jugendgruppen für männliche Jugendliche, vereinzelt auch Mädchengruppen.

 

Antisemitismus und Nationalsozialismus

Vor dem Ersten Weltkrieg betrachtete der DuOeAV die Förderung des Deutschtums in den Grenzregionen der Alpen als eine seiner Aufgaben. In einzelnen Sektionen des DuOeAV gab es deutschvölkische und antisemitische Strömungen, die in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zunahmen. 1920 wurde der Antrag an den Dachverband gestellt und genehmigt, dass Sektionen offiziell Arierparagrafen in ihre Satzung aufnehmen durften. Daraufhin führten die meisten österreichischen Sektionen den Arierparagrafen ein, aber auch deutsche Sektionen vor allem in München und Berlin.

In Wien sammelten sich die ausgeschlossenen jüdischen und liberalen Mitglieder in der neu gegründeten Sektion Donauland, die zum Angriffsziel der Antisemiten wurde. Die Antisemiten drohten mit einer Spaltung des Alpenvereins und warfen der Sektion Donauland vereinsschädigendes Verhalten vor. 1924 einigte man sich in der mehrheitlich liberalen Vereinsleitung auf einen Kompromiss. Während die Antisemiten auf weitere antisemitische Agitationen im Verein verzichteten, wurde die Sektion Donauland aus dem Alpenverein ausgeschlossen. Der Alpenverein hatte sich damit als erster großer Sport- und Tourismusverband in Deutschland völkisch und antisemitisch positioniert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 schlossen im Deutschen Reich die meisten Sektionen ihre jüdischen Mitglieder aus.

Die reichsdeutschen Sektionen wurden nach 1933 in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) eingegliedert. Der DuOeAV behielt als überstaatlicher Verband seine demokratische Vereinsstruktur, gleichzeitig arbeitete er aber eng mit den nationalsozialistischen Machthabern zusammen. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde der Alpenverein als Deutscher Alpenverein (DAV) eine Unterorganisation des NSRL und damit in den nationalsozialistischen Staatsaufbau integriert. Andere alpine Vereine mussten dem DAV beitreten oder wurden aufgelöst und enteignet. Innsbruck wurde ständiger Sitz des DAV. Arthur Seyss-Inquart, Reichsstatthalter in Wien und verantwortlich für den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde zum Führer des DAV ernannt. Als Reichskommissar für die besetzten Niederlande von 1940 bis 1945 war er für Geiselerschießungen, Unterdrückungsmaßnahmen und Judendeportationen verantwortlich und wurde 1946 vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zum Tod verurteilt.

 

Wiedergründung des Alpenvereins 1950

Als nationalsozialistische Organisation verboten 1945 die Alliierten den Alpenverein. Sein Wiederaufbau erwies sich als schwierig. Zunächst bildeten sich in Westdeutschland Sektionen auf lokaler Ebene. Heimatvertriebene gründeten im Westen ihre alten Sektionen wieder. In Ostdeutschland blieben die Sektionen verboten, manche transferierten aber ihren Sektionssitz in den Westen.

In Österreich wurde der Alpenverein Innsbruck Rechtsnachfolger des DAV. Bestrebungen zur Wiedergründung des DuOeAV scheiterten, ein „großdeutscher“ Verein war nach dem Zweiten Weltkrieg undenkbar. Im September 1950 nahm in Österreich der Alpenverein den Namen Oesterreichischer Alpenverein (OeAV) an. Im Oktober 1950 wurde schließlich in Würzburg der Deutsche Alpenverein (DAV) neu gegründet.

In Österreich beschlagnahmten die Alliierten nach dem Krieg zunächst die Schutzhütten der deutschen Sektionen und übergaben sie dem OeAV zur treuhänderischen Verwaltung. Im Mai 1956 erfolgte die endgültige Rückgabe der westdeutschen Schutzhütten. Die ostdeutschen Hütten wurden 1967 an den DAV verkauft.

In der DDR gründeten sich schon kurz nach der Wende 1989 die ersten Sektionen, die sich bereits im Mai 1990 dem DAV anschlossen. Die ostdeutschen Sektionen, die ihren Sitz im Westen hatten, transferierten entweder ihren Sektionssitz in ihre alte Heimat, lösten sich auf oder nahmen den Namen ihres neuen Sektionssitzes im Westen an.

 

Der Alpenverein – Sport- und Naturschutzverband

Der Naturschutz nimmt im DAV seit den 1950er Jahren eine stetig wachsende Rolle ein. 1958 verzichtete der DAV auf den Bau neuer Hütten im deutschen Alpenraum und tritt seit den 1960er Jahren für Raumplanung und die Errichtung von Naturschutzgebieten in den Alpen ein. Seit 1984 ist der DAV in Bayern und seit 2005 ein auf Bundesebene anerkannter Naturschutzverband.

Der Bergsport wurde in den letzten Jahrzehnten immer vielschichtiger. Seine neuen Facetten spiegeln sich auch im DAV wieder. Seit den 1980er Jahren entwickelte sich das Sportklettern am natürlichen Fels und an künstlichen Kletterwänden rasant. Seit 1989 führt der DAV Kletterwettkämpfe durch. 1995 wurde der DAV Mitglied des Deutschen Sportbundes und hat damit die Fachkompetenz für alle Formen des Bergsports übernommen.

 

Der Alpenverein heute

Die wichtigsten Aufgaben des DAV sind die Förderung des Bergsportes, sowohl des Breiten- als auch des Leistungs- und Wettkampfsportes. Wesentliche Disziplinen sind Wandern, Bergsteigen, Klettern, Tourenski und Mountainbiken. Hierbei engagiert sich der DAV für die Sicherheit in den Bergen und legt Wert auf eine hohe Aus- und Fortbildungsqualität. Er stellt mit Hütten, Wegen und Kletteranlagen die erforderliche Infrastruktur und sorgt für fachliche Beratung und Information. Als Naturschutzorganisation setzt er sich für den Erhalt der alpinen Lebensräume und für eine umwelt- und klimaschonende Ausübung des Bergsportes ein. Eine erfolgreiche Familien- und Jugendarbeit und Programme für Senioren widmet er seine besondere Aufmerksamkeit. Er setzt sich mit der Geschichte, der Kultur und mit aktuellen Themen des Alpinismus auseinander.

Der DAV hat heute 1 Millionen Mitglieder in über 350 Sektionen. Diese unterhalten 327 öffentlich zugängliche Hütten, circa 30.000 km Wege und Steige und 200 künstliche Kletteranlagen.

 

Literaturverzeichnis

DAV/OeAV/AVS (Hrsg.): Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918–1945, Wien 2011

DAV (Hrsg.): Aufwärts! Berge, Begeisterung und der Deutsche Alpenverein 1945 bis 2007, München 2007

Anneliese Gidl: Alpenverein – Die Städter entdecken die Alpen, Wien 2007

Nicholas Mailänder: Im Zeichen des Edelweiß, München als Bergsteigerstadt, München 2006

Louis Oberwalder (Hrsg.): Franz Senn, Alpinismuspionier und Gründer des Alpenvereins, Innsbruck 2007

 

Leitbild des DAV

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  Der Deutsche Alpenverein, 1869 gegründet, verkörpert heute mit rund ein Million Mitgliedern in mehr als 350 rechtlich selbständigen Vereinen, den sogenannten Sektionen, die weltweit größte Vereinigung von Alpinistinnen und Alpinisten. Der DAV besitzt hohe Kompetenz in allen Berei­chen des Alpinismus. Er lebt von der Vielfalt und Lebendigkeit seiner Sektionen und Gruppen.   Vielfalt braucht auch Einheit. Der DAV hat in seinem erstmals 2001 verabschiedeten und in 2012 überarbeiteten Leitbild die Mission und das Selbstverständnis des Alpenvereins festgeschrieben. Das Leitbild bietet allen Ebenen des Vereins einen verlässlichen Rahmen und gibt Orientierung nach innen und außen. 

Der DAV in Zahlen

Der DAV im Überblick

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Der Deutsche Alpenverein ist der größte Bergsportverein der Welt und einer der großen Sport- und Naturschutzverbände in Deutschland. 9. Mai 1869 gegründet 1.184.507 Mitglieder 356 regionale Vereine, sogenannte „Sektionen“, im gesamten Bundesgebiet; zusätzlich eine Stiftung 4,67 % Mitgliederzuwachs  41,8 % weibliche Mitglieder rund 24 % Jugendliche und junge Erwachsene unter 26 Jahren rund 18 % Mitglieder über 60 Jahre 323 öffentlich zugängliche Berg- und Schutzhütten in den Alpen und deutschen Mittelgebirgen mit 20.400 Übernachtungsmöglichkeiten 2 Mio. Tagesgäste/Jahr 800.000 Übernachtungen/Jahr 30.000 km Wege und Steige (zusammen mit dem ÖAV 50.000 km) 207 Kletteranlagen 10.000 Besucher im Haus des Alpinismus auf der Münchner Praterinsel ca. 165.000 Einzelveranstaltungen/Jahr, vor allem in den Sektionen des DAV in den Bereichen:Breitenbergsport (Wandern, Familienbergsteigen, Klettern etc.), Leistungssport (nationale und internationale Wettkämpfe im Sportklettern und Skibergsteigen, Nachwuchsförderung), Naturschutz (Hochlagenaufforstung, Wanderfalkenbewachung), Kinder- und Jugendarbeit sowie vieles mehr ca. 16.300 vom DAV ausgebildete ehrenamtliche Touren- und Kursleiter für alle Formen des Bergsports und der Familien-, Kinder- und Jugendarbeit ca. 25.100 Ehrenamtliche rd. 1,8 Mio. Stunden/Jahr geleistete Ehrenamtsarbeit rd. 26,6 Mio. Euro/Jahr volkswirtschaftliche Wertschöpfung durch Ehrenamt  

Der Deutsche Alpenverein e.V. stellt sich vor

Porträt

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Bereits im Jahre 1869 gründeten deutsche und österreicherische Bergsteiger den Deutschen Alpenverein als „bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein". Bereits im Jahre 1869 gründeten deutsche und österreicherische Bergsteiger den Deutschen Alpenverein als „bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein“.