logo-dav-116x55px

Neue Trends für die Sicherheit in Kletterhallen

01.12.2014, 09:55 Uhr

Kletterhallentreffen Darmstadt 2014 ©DAV Archiv

 

Indoor-Klettern boomt. Gut eine halbe Million Kletterinnen und Kletterer gibt es mittlerweile in Deutschland. Mit dem Boom sind die Ansprüche an die Kletterhallen deutlich gestiegen – an das Kletterangebot, den Komfort und den Service. Vor allem aber ist der Boom eine Herausforderung für das Sicherheitsmanagement. Zu diesem Thema haben sich Hallenbetreiber, Kletterwandausstatter, Hersteller von Kletterausrüstung und Experten am zurückliegenden Wochenende in Darmstadt getroffen, Forschungsergebnisse präsentiert und Meinungen ausgetauscht. Das Highlight unter den Produktneuheiten war ein Sturzsimulator, mit dem Kletterinnen und Kletterer das Halten von Stürzen sehr effektiv trainieren können. Insgesamt kamen rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Darmstadt. Die Veranstaltung, die bereits zum vierten Mal stattfand, ist der größte Treff der Indoor-Kletter-Branche in Europa. Veranstalterin des Kletterhallentreffens war die Kommission Künstliche Kletteranlagen des DAV, Ausrichterin vor Ort war die DAV-Sektion Darmstadt/Starkenburg.

 

Podiumsdiskussion: Wie werden Kletterhallen noch sicherer?

Indoor-Klettern ist eine sehr sichere Sportart: Statistisch gesehen kann ein Sportler 140 Jahre lang klettern, bis er den ersten Kletterunfall hat. Ein Grund, sich zurückzulehnen, ist das aber nicht. Nur, wenn weiterhin Augenmerk auf die Sicherheit im Klettersport gelegt wird, können Unfälle dauerhaft vermieden werden. Mit der Frage, welche Maßnahmen angesichts der wachsenden Beliebtheit des Klettersports in Zukunft sinnvoll sind, haben sich die Experten beim DAV-Kletterhallentreffen in Darmstadt auseinandergesetzt. In einer Posiumsdiskussion im Rahmen des Kletterhallentreffens kamen der Psychologe Martin Schwiersch, die Hallenbetreiber Jost Hüttenhain, Georg Hoffmann und Wolfgang Zwack sowie der Sicherheitsforscher Florian Hellberg vom DAV zu drei zentralen Erkenntnissen:

  • Eine gute Aus- und Fortbildung der Kletterinnen und Kletterer verbessert das Sicherungsverhalten maßgeblich.
  • Die Hallen sind gefordert, eine Hinschau- und Rückmeldekultur zu etablieren.
  • Die Hallenbesucher müssen noch besser über die Risiken und Gefahren beim Hallenklettern aufgeklärt werden. 

 

Effektiv sichern trainieren mit einem neuen Sturzsimulator

Studien der DAV-Sicherheitsforschung haben gezeigt, dass beim Sichern und Halten von Stürzen immer wieder Fehler gemacht werden. Das DAV Kletterzentrum Stuttgart hat deshalb gemeinsam mit der Aufzugfirma Haushahn einen Sturzsimulator entwickelt und beim Hallentreffen vorgestellt. 

Mit diesem Simulator können Kletterinnen und Kletterer das Halten von Stürzen aus bis zu 12 Metern Höhe sehr effektiv trainieren. In Darmstadt wurde die Anlage sehr positiv aufgenommen. Einige Kletterhallen planen bereits die Installation.

 

Sturzsimulator im DAV-Kletterzentrum Stuttgart

Download des Videos auf www.viddler.com

 

Hintergrund: Die Geschichte des Indoorkletterns

Mit einem Betonklotz auf dem Münchner Messegelände hat 1968 eine Entwicklung ihren Anfang genommen, die längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hat: das Klettern an künstlichen Wänden und in Hallen. Der damalige Betonklotz hier „Sport-Scheck-Kletterbrocken“, die Hallen heute heißen „Kletter- und Boulderzentrum“ oder „Boulderwelt“. Bis diese aber gebaut wurden, sollte noch einige Zeit vergehen. Lange Zeit setzte der DAV nämlich auf Outdoor-Anlagen. Erst 1992 bauten die Sektionen Berchtesgaden und Peißenberg die ersten Kletterhallen. Damit war der Bann gebrochen. Bis Ende 1994 gab es bereits 48 DAV-Anlagen. 1998 waren es schon 90. Bis heute entstanden mehr als 400 Anlagen mit über 100 Quadratmetern Kletterfläche. Etwa die Hälfte davon betreiben Sektionen des DAV. Hinzu kommen etwa 2.500 kleine Anlagen in Schulen, Kindergärten oder Kitas. Insgesamt stehen in Deutschland über 340.000 Quadratmeter Kletterfläche zur Verfügung. "Tendenz steigend", sagt Elias Hitthaler vom DAV-Bundesverband. Demnach werden nicht nur bestehende Anlagen stetig erweitert, sondern kommen jährlich auch etwa zehn neue dazu. Ein Ende der Neueröffnungen ist Hitthaler zufolge nicht in Sicht: „Manche Städte wie Hannover, Braunschweig, Kiel, Flensburg oder Bremen sind völlig unterversorgt. Die Bautätigkeit wird noch einige Jahre anhalten.“ Beste Bedingungen genießen die Bayern: Nirgends in Deutschland gibt es so viele, nirgends gibt es größere Hallen: Das DAV Kletter- und Boulderzentrum München ist mit knapp 8.000 Quadratmetern Kletterfläche die größte Halle weltweit und zählt jährlich über 250.000 Besucher. Zudem stehen in München gleich zwei der größten Boulderhallen der Welt.