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Klettern & Wandern mit Flüchtlingen

19.11.2015, 15:48 Uhr

Zahlreiche Sektionen des Deutschen Alpenvereins heißen Flüchtlinge mit besonderen Angeboten willkommen. Ob Kletternachmittag, Wanderung oder Wegebau-Projekt: bei gemeinsamen Aktionen lernen sich DAV-Mitglieder und Flüchtlinge kennen und teilen miteinander die Freude am Bergsport und die Leidenschaft für die Berge.

 

"Bergsport im DAV eignet sich in besonderer Weise zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund", so Stefan Winter, Ressortleiter Breitenbergsport. Die 354 Sektionen des DAV sind flächendeckend in Deutschland verbreitet. Nahezu überall in Deutschland kann man Wandern und Klettern. Aufgrund ihrer politischen und religiösen Neutralität sind auch die Sektionen des DAV offen für alle Menschen. 

 

Die Regeln des Bergsports sind universell, Sprachprobleme können durch nonverbale Kommunikation überwunden werden. Wir stellen Ihnen ein paar der vielfältigen Sektions-Projekte vor:

 

 

Konstanz: Klettern mit Flüchtlingen. Text: Bernd Teufel. Bild: Timo Eckhard und Daniel Oppold

Angeregt durch die Berichte über verschiedene Aktionen für Flüchtlinge rief mich als zuständiges Vorstandsmitglied unser Vereinsmitglied Timo an. Er wollte wissen, ob wir von „offizieller“ Seite bereits etwas geplant hätten bzw. ob wir uns vorstellen könnten, entsprechende Aktionen zu unterstützen.

Da unsere Sektion auch in der Vergangenheit mehrere vergleichbare Unternehmungen mit einem befreundeten Kinderheim durchführte war schnell klar, daß wir die notwendige Unterstützung leisten können. Ich habe allerdings von vornherein klar gemacht, daß ich gerne bereit bin, die notwendige Unterstützung innerhalb der Sektion und Helfer zu besorgen, die eigentliche Organisation aber von Timo geleistet werden muß. Bei der nächsten Vorstandssitzung kam dann auch prompt die Zustimmung der gesamten Vorstandsschaft.

 

Vorgesehen war zunächst nur eine Pilotveranstaltung, für welche die Sektion die Eintritte übernehmen würde. Mit diesen Vorgaben konnte Timo dann anfangen, die Idee „Klettern mit Flüchtlingen“ in konkrete Aktionen umzusetzen.

 

Während dieser Planungsfrage rief mich -vollständig unabhängig von der bereits geplanten Maßnahme- ein weiteres Mitglied -Daniel- an. Daniel hat Verbindungen zum katholischen Cusanuswerk, das Stipendien an Studierende vergibt, aber aktuell auch Gelder zugunsten von Flüchtlingen ausgelobt hatte und somit bereits mit einem Budget aufwarten konnte.

 

So ergab es sich, daß wir aus 2 komplett unabhängigen Anfragen einen gemeinsamen Vorgehensplan entwickeln konnten. Damit war nicht nur die Finanzierung der Pilotveranstaltung gesichert (Eintritte Sektion, Mittagessen durch Cusanus), sondern wir konnten insgesamt 4 Veranstaltungen planen, wobei Cusanus auch die Eintritte für die weiteren Aktionen übernahm. Dank der Hilfe von Save-me (private Organisation zur Unterstützung von Flüchtlingen in Konstanz) stellte Timo die Kontakte zu einer Flüchtlingsunterkunft in Konstanz her um abzuklären, welcher Teilnehmerkreis überhaupt in Frage käme. Der erste Termin war für Ende Januar geplant. Was sich dann unerwartet als Problem kurz vorher darstellte war die Transportfrage.

 

Letztlich konnte aber auch dieses Problem dank einer Finanzierungszusage von Save-me gelöst werden. Die DAV-Zentrale in München unterstützte uns bei Versicherungsfragen (was passiert bei einem möglichen Unfall in der Halle, sind die Betreuer auch bereits bei Hin-/Rückfahrt versichert etc).

 

Es konnten dann 15 Flüchtlinge von 8 (selbstverständlich ehrenamtlichen) Helfern betreut werden, wobei die Hälfte der Betreuer Jugendleiter waren.

 

Im Februar wurde die 2.Veranstaltung mit Flüchtlingen aus einer Unterkunft in Singen durchgeführt, für weitere 2 Aktionen -welche wir noch zeitnah durchführen wollen- ist die Finanzierung gesichert. Zusätzlich sind mittlerweile -angeregt durch den Bericht in der lokalen Presse- weitere Spendenzusagen von Mitgliedern eingegangen um weitere Aktionen zu finanzieren.

 

Betonen möchte ich, daß ohne entsprechendes Engagement der Mitglieder diese Aktionen nicht möglich wären. Ich hätte -zusätzlich zu meiner normalen Vorstandstätigkeit- nicht die komplette Organisation übernehmen können. Andererseits führen solche Aktionen zu einer besseren Identifikation der Mitglieder mit „Ihrem“ Verein, worüber ich mich gefreut habe war auch der spontane Einsatz unserer Jugendleiter.

 

Auch Georg Fleischmann, der Betreiber unserer Kletterhalle, unterstützte uns sowohl in der Terminplanung als auch dadurch, daß er das Essen kochte und die Betreuer auf seine Kosten verköstigte sowie Klettergurte gratis zur Verfügung stellte, so daß wir hierfür nicht unser Budget beanspruchen mußten.

 

Auf jeden Fall sollte man sich auch um die Unterstützung der lokalen Presse bemühen, Ein guter Zeitungsbericht bietet unschätzbare Werbung für den eigenen Verein, zusätzlich konnten wir hierüber weitere Helfer und Spendenzusagen gewinnen.

 

Wir sehen diese Maßnahmen nicht nur als sportliche Herausforderung für die Geflohenen mit dem Nebeneffekt, ein paar Stunden außerhalb des normalen „Ghettos“ zu verbringen. Es führte auch dazu, daß Helfer und Geflüchtete sich menschlich näher kamen.

 

Gerade der Klettersport ist hierfür ideal, da doch das meiste auf Vertrauensbasis abläuft, und als e.V. haben wir auch eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft.

 

Wetzlar: Climbing with Neighbours

Direkt neben dem "Cube" - dem DAV Kletterzentrum Wetzlar - steht eine Flüchtlingsunterkunft. Grund genug für die Sektion, um die Asylsuchenden zum Klettern einzuladen.

Im Video erfahren Sie mehr über die erfolgreiche Aktion "Climbing with Neighbours".

 

Flensburg: Willkommenswanderung

Ende Juni 2015 lud die Sektion Flensburg Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Libanon zu einer 10 Kilometer langen Wanderung durch Flensburg ein. Dabei erfuhren die Teilnehmer viel über die Geschichte der Flensburger Sehenswürdigkeiten. Bei lockerer Atmosphäre kamen Alpenvereinsmitglieder und Flüchtlinge ins Gespräch. Der Vorstand der Sektion Flensburg heißt auch künftig alle Flüchtlinge herzlich willkommen, an ihren Touren teilzunehmen. Mehr unter dav-flensburg.de

 

Prien: Flüchtlinge helfen bei Wegesanierung

Acht Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Senegal und Sierra Leone halfen mit bei der Sanierung des Wanderweges von der Bergstation der Kampenwand zur Dalsen-Alm. Gemeinsam mit den 23 ehrenamlichen Helfern der Sektion Prien wurden Wegstücke begradigt, Wasserrinnen ausgehoben, Zweige, Äste und umgestürzte Bäume entfernt und Wegmarkierungen erneuert. Die Sektionsmitglieder freuten sich sehr über die fleißige Unterstützung und die netten Gespräche.

Mehr unter www.ovb-online.de

 

München: Bergwochenende mit jugendlichen Flüchtlingen

Dreizehn Jugendliche aus Afghanistan, Tadschikistan, dem Irak, dem Kongo, Vietnam, Bulgarien und Bosnien verbrachten gemeinsam mit mehreren Teamleitern ein Bergwochenende auf der Kloaschaualm. Durch die gemeinsame Naturerfahrung sollten die Teilnehmer in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden. Die Erlebnisse wurden auch künstlerisch verarbeitet. 

Veranstalter des Projekts waren die Sektionen München und Oberland des DAV in Kooperation mit „Refugio München“ und der Albert-Schweitzer-Mittelschule.

 

Artikel aus der "Alpinwelt" unter www.davplus.de

 

 

Fulda: Kletternachmittag für elternlose Flüchtlinge

Die Sektion Fulda veranstaltete in Kooperation mit der Richard-Müller-Schule einen Kletternachmittag für elternlose Flüchtlinge aus Afrika. Seit 2014 gibt es an der Schule vier Integrationsklassen, in denen junge Asylbewerber unterrichtet werden. Der Kletternachmittag fand im DAV-Kletterzentrum in der Goerdelerstraße statt. "Zusammenhalt und Vertrauen auf den Partner - aber vor allem viel Spaß. Das macht die Faszination des Klettersports aus. Rund 20 jugendliche Flüchtlinge lernten genau das über den Nachmittag kennen und waren begeistert", so resümmierte die Sektion Fulda die erfolgreiche Veranstaltung.

 

Mehr unter www.dav-fulda.de

 

 

München: Klettern mit Flüchtlingskindern

In Kooperation mit der SchlaU-Schule wird im DAV Kletter- und Boulderzentrum München regelmäßig Klettern für elternlose, minderjährige Flüchtlinge angeboten. Das gemeinsame Klettern soll die Flüchtlinge psychisch und emotional stabilisieren. "Durch das gegenseitige Sichern erleben die Jugendlichen: Mir wird vertraut und ich kann anderen vertrauen“, erklärt Projektleiterin Nina Neumann.

 

In Zukunft soll das Projekt noch ausgeweitet werden und auch für die Bewohnerinnen und Bewohner aus umliegenden Erstaufnahmeeinrichtungen offen sein. Download eines Berichts unter kbmuenchen.de

 

Taufkirchen: Kletterkurs für Flüchtlinge

An einem Nachmittag im Kletterzentrum Taufkirchen konnten etwa 35 Flüchtlinge unter fachlicher Sicherung die Sportart Klettern ausprobieren.

Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Nigeria trafen sich am Kletterturm.

"Man versucht im Rahmen der Möglichkeiten des Alpenvereines die Flüchtlinge, die viel Leid erleben mussten, bei uns willkommen zu heißen“, erläuterte Georg Bauer, erster Vorsitzender der Sektion Taufkirchen/Vils auf merkur.de.

 

Mehr unter www.merkur.de

 

Berlin: Moabiter Kiezklettern

Beim "Kiezklettern" im DAV-Kletterzentrum Berlin treffen Kids verschiedener Nationen aufeinander. 15 Freiwillige aus dem DAV beteiligen sich am Training.  Mädchen und Jungen klettern gemeinsam und lernen sich gegenseitig besser kennen, sowohl in ihren eigenen Gruppen als auch die anderen.

 

Nicht nur die Kinder und Jugendlichen sind begeistert, auch die Trainer: „In vielen Kindern schlummern unentdeckte Talente, die in den Schulen nicht zum Tragen kommen“, erklärt Jugendleiter Marc-Steffen Zwisele, einer der Initiatoren des Projektes, auf moabitonline.de. Bei dem Projekt kooperiert das Kletterzentrum mit der JDAV Berlin mit zwei Jugendeinrichtungen und zwei Flüchtlingsunterkünften.

 

Mehr unter www.lsb-berlin.net

 

Nürnberg: Klettern in der Moschee

Bereits seit zwei Jahren wird im Gemeindezentrum der Islamischen Gemeinde Nürnberg geklettert. In dem ehemaligen Fabrikgebäude wurde eine Kletterwand mit 15 Metern Höhe eingerichtet.

Jugendliche unterschiedlicher Herkunft klettern an den 20 verschiedenen Routen. Die Idee stammt vom Jugendbeauftragten der islamischen Gemeinde, Hamed Ktari. "Hier können Jugendliche egal welcher Herkunft und Konfession gemeinsam etwas erleben und Vertrauen zueinander aufbauen.

 

Dafür eignet sich der Klettersport ganz besonders, schließlich ist der Kletterer abhängig vom Sicherer und Kooperation entscheidend", so Ktari. Mittlerweile haben sich bereits sechs jugendliche Gemeindemitglieder vom Deutschen Alpenverein als Kletterbetreuer ausbilden lassen.

 

Mehr unter www.bamf.de

 

Bad Kissingen: Kletternachmittag für Flüchtlinge

In Kooperation mit der Caritas organisierte die Sektion Bad Kissingen einen Kletternachmittag für eine Gruppe von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Das Klettern war für die Ayslbewerber nicht nur eine willkommene Abwechslung, es half auch, ihr Selbstvertrauen zu stärken.

 

Der Nachmittag bot darüber hinaus Gelegenheit für einen interessanten Austausch über kulturelle Besonderheiten und religiöse Ansichten.

 

Mehr unter www.infranken.de

 

Mülheim: Kletterpatenschaften

Das Kletterzentrum Neoliet Mülheim und die DAV-Sektion Mülheim bieten Flüchtlingen die Möglichkeit, Erfahrungen beim Klettern zu sammeln. Das Angebot richtet sich an sportbegeisterte Flüchtlinge aller Altersstufen und findet jeden zweiten Sonntagnachmittag statt. Die Betreuung übernehmen erfahrene Trainer von Neoliet und vom DAV. Sogenannte „Kletterpaten“ holen Flüchtlinge an ihrer Unterkunft ab und begleiten sie zum Kletterzentrum.

 

Mehr unter www.derwesten.de