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Weniger Stress dank Wandern

Die Studie "Stressreduktion durch Bergwandern" von Professor Dr. Sven Sohr und Toni Abbattista wurde im Auftrag des DAV an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport durchgeführt und zeigt die positiven Effekte des Bergwanderns.

Arbeit, Kinder, Ausbildung, Schule, Studium; noch eine schnelle Erledigung, ein Arzttermin, kurz zum Einkaufen, einen Termin mit dem Handwerker vereinbaren, Essen kochen und die Nachrichten aus fünf verschiedenen Gruppenchats beantworten. Unser Alltag birgt viel Stresspotential. Stress ist nicht immer negativ: Stress setzt Energiereserven des Körpers frei und macht uns leistungsfähig. Bis zu einem gewissen Grad. Stehen wir ständig unter (negativem) Stress, kann das ernsthafte Folgen für unsere Gesundheit haben.

 

Für das körperliche und geistige Wohlbefinden ist ein Ausgleich zum Alltag deshalb wichtig. Stress reduzieren, sich selbst bewusst werden, auf den eigenen Körper hören – darum geht es auch in der Studie „Stressreduktion durch Bergwandern“. Die Ergebnisse zeigen: Regelmäßiges Wandern reduziert das Stresserleben und fördert positive Gefühle wie Zufriedenheit, Dankbarkeit, Demut und Lebenssinn.


Eine Zusammenfassung der zentralen Aussagen vom Autor der Studie Prof. Dr. Sven Sohr:

 

"Tu deinem Leib etwas Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen" (Teresa von Avila)

„Bergwandern tut der Gesundheit gut“ – meinen viele Menschen mit Erfahrung in den Bergen. Aber ist das wirklich so? Wissenschaftlich gesehen gab es bisher wenige Studien, die dieser an sich plausiblen Hypothese auf den Grund gingen. Untersuchungen aus Österreich konnten immerhin belegen, dass Aufenthalte in den Bergen zur Gewichtsreduktion beitragen können, oder dass Personen, die drei Stunden wandern, bessere Gesundheitswerte als eine Gruppe erzielen, die vergleichbare körperliche Anstrengungen in einem Fitness-Studio erleben.

 

Warum ist das Thema relevant? „Stress, lass nach!“ titelte der „Spiegel“ im Sommer 2018. Auslöser der Reportage war eine Studie der Techniker Krankenkasse, wonach die Mehrheit der deutschen Bevölkerung das Gefühl habe, das eigene Leben sei in den vergangenen drei Jahren noch stressiger geworden. Wie sieht es wohl nach Ausbruch der Corona-Krise aus? Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Stress als eines der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts. Wer viel unter Stress leidet, muss mit einem früheren Sterberisiko rechnen.

 

Lässt sich Stress durch Bergwandern reduzieren - und gibt es noch andere positive Effekte für die Gesundheit? Dieser Frage ging der DAV in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in einer Studie nach. In Begleitung von einem erfahrenen Berg-Coach liefen 24 stark gestresste Menschen ein Jahr zu allen Jahreszeiten vier Bergwandertouren. Dabei wurden physische (z.B. Blutdruck- und Cortisol-Messungen) und psychische Daten (mit Fragebogen, Interviews und Tagebüchern) erhoben.

 

Die Befunde übertrafen die Erwartungen. Exemplarisch schauen wir uns die Entwicklung von Wohlbefinden an. Zwei Monate vor dem Wanderjahr lag es bei 44%, am Morgen des ersten Wandertages vielleicht dank der Vorfreude bei etwa 60%. Am Ende des Tages stieg das Wohlbefinden auf 79%. An jedem weiterem Wandertag war die Rückfallquote nach der Pause geringer und das Wohlbefinden danach noch größer - am Ende sogar bei 85%. (Hinweis: 100 % bedeutet in einer 10-stufigen Bewertungsskala "extrem glücklich") Optisch wirkt der Verlauf vieler Kurven, als versetzten die Wanderer immer höhere Berge.

 

Bergwandern...

...kann nachhaltig wirken

Wer nicht nur einmalig, sondern in regelmäßigen Abständen wandern geht, belohnt sich mit langfristigen Effekten, die auch zwei Monate nach der letzten Wanderung erhalten bleiben. Kritisch kann man fragen, wann die Wirkungen verblassen. Angesichts der Tatsache, dass viele Akteure aufgrund der positiven Erfahrungen einen natürlicheren Lebensstil entwickelt haben und weiter wandern, ist es eher unwahrscheinlich.

 

...stärkt Körper und Seele

Bergwandern wirkt physisch und psychisch. So ging bei fast allen Teilnehmern der Blutdruck schon im Laufe eines Wandertages spürbar zurück. Atem- oder Herzbeschwerden reduzierten sich im Wanderjahr. Ferner kam es auch zu einem Rückgang von Stresserleben und Burnout-Gefährdung. Darüber hinaus gab es viele Erfahrungen auf dem Feld der Positiven Psychologie.

 

...öffnet positive Horizonte

Positive Phänomene des Bergwanderns sind das Erleben von Glück und Lebenszufriedenheit, Achtsamkeit, Dankbarkeit, Demut, Ehrfurcht, Flow, Gelassenheit, Optimismus, Lebenssinn sowie Spiritualität. Die Befunde kamen sowohl in den Fragebögen als auch in den Interviews und Tagebüchern zum Ausdruck. Ein Wanderer beschreibt seinen Prozess: „Wenn ich losgehe, habe ich oft noch den ganzen Stress von der Arbeit im Kopf, doch je weiter ich gehe, desto mehr verschwinden die Sorgen und ich kann einfach nur genießen."

 

 

Gibt es Geheimnisse des Erfolgs?

Warum sind Wanderungen so wertvoll? Zum einen sind es natürlich Natur und Berge, deren Faszination sich die Wanderer nicht entziehen konnten. Zum anderen ist die Anwesenheit von einem erfahrenen Berg-Coach nicht zu unterschätzen, der die Wanderer nicht nur sicher führt, sondern sie auch sensibilisiert, z.B. durch Übungen zu Achtsamkeit und Stille.

Ganz elementar ist schließlich die Ausschaltung aller Handys, was für junge Leute manchmal gewöhnungsbedürftig ist. Doch niemand bereut diese Maßnahme – eine Erkenntnis, die den Menschen spätestens am Gipfel bewusst wird, wie eine Wanderin bilanziert: „Kein Handy zu haben, ist das Schönste! Oben angekommen ist es einfach nur mega. Es ist, als würde man einen Reset-Knopf drücken und man ist einfach wieder voller Saft und Kraft. Bei drei Wochen Urlaub am Stück habe ich nicht den Erholungseffekt, als wenn ich regelmäßig wandern gehe.“

 

Prof. Dr. Sven Sohr leitet als Psychologe und Philosoph den Studiengang „Life Coaching“ an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin.

 

 

Die Studie wurde im Auftrag des DAV von der DHGS durchgeführt und vom Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit e.V. gefördert.

 

 

Der ausführliche Bericht der Studie steht im Downloadbereich zur Verfügung.

 

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