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„Ich möchte ein alter Bergsteiger werden“

Logo-Expedkader-13-15 Ludwig Karrasch möchte nach seiner Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer sein ganzes Leben den Bergen widmen – hat aber noch weitergehende Interessen.
Das Interview aus Panorama 2/14 in voller Länge.

 

Wie lief dein Winter bisher?

Viel war ja nicht zu holen. Aber ich war eh viel auf den Bergführer-Lehrgängen, jetzt hab ich noch eine Woche vor mir. Vorher war ich ein bisschen Mixedklettern, unter anderem mal mit Dario aus dem vorhergehenden Expedkader im Pragsertal; da muss ich nochmal hin, um den Spitzboascht (M8+) sauber zu klettern. Klasse war das Kader-Eiscamp im Durancetal. Die Verhältnisse waren zwar nicht optimal, aber wir haben das beste draus gemacht und hatten eine Riesengaudi im Team, das ist wichtig.

 

Wie bist du denn zum Bergsteigen gekommen?

Über meine Eltern, von denen habe ich die Leidenschaft dafür bekommen; dann kam ich zur Bergwacht, habe dort die Ausbildung gemacht und viel geklettert, mit Bergwacht-Kollegen und Freunden. In der Zeit habe ich viel gelernt.

 

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Foto: Heinz Zak
Welche Rolle spielt der Bergsport in deinem Leben?

Nur „Berg“ wäre für mich eine Sackgasse. Ein Ausgleich ist sehr wichtig. Meine Freundin zum Beispiel geht eher wenig in die Berge, und das ist gut so. Denn wenn unsere Gespräche nur auf Berge beschränkt wären, fände ich das schade. Ich habe gerne einen größeren Horizont und möchte nicht immer nur über Berge reden. Ich möchte mich auch wieder drauf freuen können; das geht besser, wenn man zwischendurch ein bisschen Distanz bekommt.

 

Aber du bist in der Ausbildung für den Bergführer-Beruf. Gibt das nicht Konflikte?

Ich hab mich entschieden und mach das zu 100%. Aber ich will später nicht nur als Profiführer unterwegs sein, sondern mal in die Leitung der Bergschule einsteigen und vom Büro zuhause aus arbeiten, nicht nur den ganzen Sommer in den Westalpen führen.

Der Bergbezug ist mir schon sehr wichtig im Leben. Aber ich möchte daheim auch über anderes reden können. Ich lese gerne und viel, und das sind zum großen Teil nicht Bergbücher. Die Klassiker hab ich eh gelesen, und was moderne Bergliteratur ist, lohnt meistens nicht zu lesen. Ich mag gern Krimis, vor allem aus Schweden oder Norwegen, aber auch mal Frank Schätzing, Juli Zeh oder Walter Moers. Ich bin einfach sehr neugierig und offen für alles. Selten sag ich von vornherein: Das ist ein Käse.

 

Meinst Du, dass dich der Beruf „Bergführer“ dann erfüllen kann?

Das ist voll meine Perspektive. Ich will das hauptberuflich machen, mit voller Leidenschaft. Je länger ich in der Ausbildung bin und je mehr ich mache, desto besser gefällt es mir.

 

Was gefällt dir denn daran?

Anderen Leuten was beibringen. Mit Gästen unterwegs sein. Das Erlebnis Berg zusammen genießen. Gemeinsam eine schöne Zeit erleben.

Ich habe mich mal bei einem Unfall am Knie verletzt und werde nicht ein Leben lang 200 Tage pro Jahr führen können. Aber 150 Tage sollten gehen. Probleme bekomme ich nur wenn ich müde werde; aber ich glaube, das hab ich relativ gut im Griff.

 

Wenn die Leidenschaft zum Beruf wird, bleibt sie dann noch Leidenschaft?

Ich freue mich darüber, dass meine Leidenschaft mein Beruf wird. Aber ich kann klar trennen zwischen professionell und privat. Das fängt schon beim Aufstehen an, und mit dem Blickwinkel, unter dem ich dem Tag entgegensehe: Wenn ich Verantwortung für andere im Hinterkopf habe, plane ich anders, mit mehr Eventualitäten und Alternativoptionen, und nehme auch mehr Ausrüstung mit, zum Beispiel für Reparaturen oder Notfälle.

Mit der Gruppe bin ich auch viel vorsichtiger unterwegs. Mit einem gleichstarken Partner gehe ich ein anderes Risiko ein als mit der Gruppe. Aber natürlich muss man darüber gesprochen haben und es muss für beide ok sein. Andererseits drehe ich auch eher mal um, wenn ich alleine oder privat unterwegs bin, ohne dass es schlimm ist. Mit der Gruppe muss ich schauen, dass zumindest ein gewisser Erfolg rauskommt.

 

Hast du eigentlich vorher einen anderen Beruf gelernt?

Nach dem Abi habe ich für etwa fünf Wochen Meteorologie studiert, aber bald festgestellt, dass das nicht meine Welt ist. Dann bekam ich das Angebot für eine Festanstellung in einer Bergschule, mit der Bedingung, die Bergführerausbildung zu machen, und habe sofort zugeschlagen. In den letzten Jahren habe ich hier halb als Bürokraft gearbeitet, halb als Helfer bei den Bergschuleinsätzen; seit ich jetzt in der Ausbildung den Aspirantenstatus habe und selber führen darf, war ich nur noch „draußen“ unterwegs.

 

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Foto: Heinz Zak
Du bist also sozusagen Vollberufs-Bergsteiger; wie viel Zeit investierst Du in Training und Aktion?

Sehr viel. Zum Beispiel den ganzen letzten Monat. Wenn ich nicht als Bergführer unterwegs bin, trainiere ich drei- bis fünfmal pro Woche. Mal auf Kondition, mal auf Klettern. Wobei es mir wichtig ist, Abwechslung und Ausgleich reinzubringen. Ich habe dabei keinen strikten Plan, aber die Bergführer-Ausbildung hat mich motiviert, manches besser zu machen. Seit ich da die Trainingslehre gelernt habe, schreib ich meine Einheiten auf und überlege, ob das Sinn macht. Beim Klettern zum Beispiel schaue ich, wo meine Mankos sind, und trainiere gezielt auf Verbesserung. Konditionstraining ist für mich eher Genuss, weil ich mit meinem Niveau da ziemlich zufrieden bin. Aber natürlich hab ich meine Standardstrecken und -zeiten; wenn ich die unterbiete, weiß ich, dass es gerade gut läuft.

Generell mag ich die Herausforderung. An meine Grenzen gehen, überlegen wie weit ich drüber hinausgehen kann oder es einfach mal ausprobieren. Ich muss mir nicht immer voll die Kante geben, aber ich pushe mich schon ganz gern. Und natürlich macht es Spaß, zu sehen, wie ich mich dadurch verbessere.

 

Was macht für Dich eine gute Aktion am Berg aus?

Wenn ein Plan aufgeht. Ich kann mich zwar Unvorhergesehenem anpassen, aber es zeigt doch immer, dass die Planung nicht optimal war. Plan und Realität sollten übereinstimmen. Und das heißt auch, dass das vorher kalkulierte Risiko der angetroffenen Realität entspricht.

Wenn ich mich zum Beispiel auf einen entspannten Klettertag eingestellt habe, habe ich keine Lust, Angst zu bekommen. Ich mache schon auch mal Touren wo die Psyche an die Grenze kommt, aber nur selten, und mit Notfallplan im Kopf. Und bitte nicht, ohne mir vorher darüber Klarheit gegeben zu haben.

Außerdem ist es für einen guten Bergtag wichtig, dass das Team passt.

 

Als Schwächen nennst Du Kaffee und Kanapee, als Stärken Leidensfähigkeit. Wie passt das zusammen?

Ich habe gelernt, mich in kurzer Zeit gut zu erholen. Ich trinke fürs Leben gern Kaffee und liege gerne auf der Couch. Wenn ich daheim bin, ist alles super und voll entspannt. Unterwegs dagegen bin ich bereit, viel auf mich zu nehmen. Vielleicht weil der Weg zum Kaffee lieber über den Gipfel führt. Natürlich: Manchmal muss man auch umdrehen; das gehört dazu, ist ein Lernprozess.

 

Und wie geht’s Dir damit, wenn Du in einer Tour den Rückzug antreten musst?

Bei manchen Touren ist die Neugier aufs Unbekannte der zentrale Antrieb; dann liegt es in der Natur der Sache, dass man nicht alles kalkulieren kann. Vielleicht ist das Risiko zu hoch, und wenn es dann keine Alternative gibt, muss ich umdrehen. Zum Glück ist das bisher nur selten vorgekommen.

 

Zum Beispiel?

Wir waren mal im Winter an der Zwölferkante im Wetterstein und hatten Grieselschnee auf den Platten, haben einen ganzen Tag an zwei Seillängen rumgedoktert. Da kannst Du nur zusammenpacken.

Auch am Eiger haben wir mal umgedreht, und das fanden wir auch beide hinterher absolut in Ordnung. Es lag zu viel Schnee, wir haben uns fast einen ganzen Tag lang raufgewühlt bis zum Stollenloch, aber das Risiko war uns zu hoch. Wenn wir drei Tage Zeit gehabt hätten, wärs vielleicht mit anderer Taktik gegangen, aber ich musste bald wieder im Büro sein, das hatte keinen Wert.

 

Und wie denkst du, dass du mit den Ungewissheiten einer Expedition fertig werden wirst?

Ich denke, dass wir uns bei unserer Abschlussexpedition nicht auf ein einziges Ziel fixieren werden, sondern zum Beispiel ein Tal mit vielen Möglichkeiten aussuchen. Dann kannst du vielleicht auch bei mäßigen Verhältnissen zumindest etwas Kleineres machen. Ob man wegen des Risikos verzichtet oder umkehrt, hängt ja auch mit der Expositionszeit zusammen. Wenn ein Zustieg zu einer großen Wand, an der man mit Fixseilen unterwegs ist, immer unter einem Serac durchginge, müsste man schon in Frage stellen, ob‘s das wert ist. Wenn man aber für eine außergewöhnliche Tour ein einziges Mal drunter durch muss, ist es eine andere Geschichte.

 

Wie hältst du’s denn generell mit dem Risiko?

Risiko ist ja ein weitläufiger Begriff. Ich bin schon bereit, ein gewisses Risiko einzugehen, aber ich will wissen, wie hoch es ist und was mir passieren kann. Die Konsequenzanalyse: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unglück eintritt? Und was passiert mir dann? Mit diesen Werten kann ich entscheiden, ob es für mich ein vertretbares Risiko ist oder nicht. Wobei ich die Grenze so ziehe: Keine Tour ist es wert, einen bleibenden Schaden davonzutragen. Ich möchte ein alter Bergsteiger werden.

 

Aber es gibt schon Touren, wo ein höheres Risiko dazugehört, oder?

Bei manchen Touren macht das Risiko sogar einen Teil des Reizes aus. Die Eiger-Nordwand zum Beispiel. Aber die würde ich lieber im Winter angehen, nicht im Sommer. Und ich würde auch nur hinfahren, wenn ich weiß, dass es passt. Auf Russisch Roulette habe ich keine Lust. Auch der etwas berüchtigte Bumillerpfeiler war für uns ok: Es war sehr kalt, wir waren früh dran und hatten die eisschlaggefährdete Zustiegs-Eisflanke schon vor Sonnenaufgang erledigt.

Oder beim Eisklettern: Wenn mich eine Linie voll anmacht, gehe ich auch mal einen freihängenden Zapfen oder eine schlanke Säule an, aber wenn ich einen entspannten Klettertag genießen will, lasse ich die Finger davon.

 

Wenn du als Ziel nennst, ein alter Bergsteiger zu werden: Wie passt dann dazu, die Ortler-Nordwand solo zu gehen?

Das war von der Kletterei her voll ok. Auch beim Abstieg am Gletscher habe ich mich gut gefühlt, obwohl die Sicht nicht optimal war und im November einiges an Neuschnee lag. Dann habe ich aber mitbekommen, dass eine Zweierseilschaft hinter mir einen Spaltensturz in eine bodenlose Spalte hatte… So kann man sich täuschen.

Es hatte mich halt gekitzelt, die Wand zu begehen, und es ist auch ok ausgegangen, aber ich habe meine Lektion gelernt: Heute würde ich das nicht mehr wiederholen. Wenn ich die Verhältnisse kenne, kann so was ok sein, aber ins Unbekannte rein, ohne Plan von irgendwas, das ist für mich nicht in Ordnung.

 

Du hast auch einige schlechte Erlebnisse gesammelt.

Am Bumillerpfeiler hab ich mir die Zehen angefroren, das möchte ich nicht wiederholen. Schlimmer war die Knieverletzung: In einer zu schweren Sportklettertour war ich schon relativ platt, bin nicht sauber gestanden und rausgeflogen. Ein Fuß war in einer Art Riss verklemmt und es hat mich sozusagen um das Knie herum gedreht. Da ist die Kniescheibe gebrochen und einiges weitere kaputt gegangen; seither habe ich Probleme mit dem Knie, die viel Krankengymnastik und Konzentration brauchen. Aus der Erfahrung habe ich gelernt: ich bin nicht unverletzlich. Und das macht mich vielleicht zurückhaltender und bereiter, auf meinen Körper zu hören.

 

Welche Bergsport-Disziplin gefällt dir eigentlich am besten?

Ich kann nicht super schwer klettern, aber sehr lange andauernd in einem Grad den ich draufhabe. Und am liebsten bewege ich mich im kombinierten Gelände, das liegt mir am meisten und mein Feeling ist am natürlichsten. Du musst dich ständig anpassen, die Technik wechseln, mal mit Eisgerät, mal ohne, dann mit den Steigeisen im Fels antreten – das ist reizvoll und bleibt immer spannend. Und mit der Kälte hab ich auch kein Problem.

 

Und wo möchtest Du noch besser werden?

Beim schweren Klettern bin ich sehr motiviert, mich zu verbessern. Es hat mir in den letzten Jahren auch immer mehr Spaß gemacht. Ich bin ja mit dem Alpinklettern aufgewachsen, dann erst zum Sportklettern gekommen. Von dem her sitzt immer noch eine Art Riegel im Kopf, an die Grenze zu gehen. Da hab ich noch viel Potenzial – auch beim ganz schwierigen Mixedklettern.

Sturzangst war für mich lange ein Problem. Dann habe ich durch die Bergführerausbildung mehr Zugang zur Sicherungstechnik bekommen. Jetzt habe ich nur noch dann Angst, wenn jemand schlecht sichert. Aber wenn’s jemand gut kann, hab ich keine Angst mehr zu fallen.

Das Hauptproblem ist, dass ich nie schwierige Routen projektiert habe. In meiner Umgebung war das nicht gebräuchlich. Es gab einen Ehrgeiz, die Länge onsight zu schaffen, aber man hat keinen zweiten Versuch gemacht. Letztes Jahr bin ich erstmals in eine Tour zum zweitenmal eingestiegen. Mittlerweile hab ich Touren in verschiedenen Gebieten in der Umgebung, wo ich immer mal wieder hingehe und probiere.

In einer 1000-Meter-Wand seile ich auch heute nicht nochmal ab, um die 25. SL nochmal zu klettern. In einer Zehn-Seillängen-Tour vielleicht schon mal. Durch die Bergführer-Ausbildung und vor allem jetzt durch den Expedkader habe ich da schon an Motivation gewonnen. Steno oder Tobi steigen megaschwere Touren, ich steig nach und sehe, dass das gar nicht mal so unmöglich ist.

 

Welche Touren stehen auf deiner Wunschliste?

Ich hab natürlich schon ein paar Traumziele im Hinterkopf: die Colton-McIntyre an der Jorasses, den Freneypfeiler, die Klassiker in der Laliderer, vor der Haustüre die direkte Nordwand am Hochwanner im Winter… oder mal Locker vom Hocker probieren. Meine Stärke liegt allerdings eher in den Kombi-Classics.

Und generell: Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben. Aber ich wachse gerne mit neuen Zielen und Herausforderungen. Deshalb möchte ich schon gerne die ein oder andere schwere Tour probieren. Wenn sie dann ne Nummer zu groß ist, kann ich auch damit leben, ich hab ja dann meinen Teil draus gelernt.

 

Was bedeutet es dir, im Expedkader zu sein?

Es ist eine Bestätigung, dass ich alpinistisch nicht nur im Nichtschwimmerbecken rumdaddle. Und eine Chance, weil ich sicher noch nicht am Ende meiner Leistungsfähigkeit angekommen bin. Ich freue mich auf das was kommt, und der Kader ist ein guter Hintergrund für eine Weiterentwicklung.

Natürlich bin ich auch stolz darauf, dabei zu sein. Einen Zehner kann ich zwar deshalb trotzdem nicht klettern, aber um ambitionierte Ziele zu verfolgen, ist es der richtige Rahmen. Und man kann viel lernen, etwa von David zum Thema Expeditionen.

 

Wie geht’s dir denn im Kader-Team?

Es taugt mir sehr gut. Wir sind ein sehr cooles Team, passen gut zusammen, ergänzen uns, haben Gaudi miteinander. Wenn die Stimmung nicht passen würde, könnte ich auch keine Leistung bringen. Trotz unseres doch etwas unterschiedlichen Alters von 18 bis 26 ist es sehr harmonisch, es gibt kein „bäh, du kommst da nicht hoch“. Und durch den Kader habe ich jetzt mehr potenzielle gleichgesinnte Partner; so richtig viele gute Partner für große Touren hatte ich sonst nicht.

 

Reizen dich „echte“ Expeditionen?

Ich hab kein Geld für Expeditionen, das wäre unerreichbar neben der teuren Bergführer-Ausbildung. Jetzt gibt mir der Kader die Gelegenheit dazu. Vielleicht ist das ja genau mein Ding, jedenfalls reizt es mich voll. Mein bisheriger Weg war recht geradlinig: nach dem Abi ein bisschen studieren, dann arbeiten, da hatte ich weder Geld noch Knowhow für Expeditionen.

Faszinierend daran finde ich, dass man wenig Infos über das Gebiet hat, dass es abgelegen ist und nicht schnell per Auto erreichbar. Ich denke gerne gesamtheitlich beim Bergsteigen. Für eine Expedition verschiedene denkbare Ziele auswählen, dann vor Ort entscheiden was möglich ist, das braucht viel Kreativität und Anpassungsfähigkeit.

Außerdem ist es eine coole Perspektive, fünf oder sechs Wochen mit den anderen Kerlen im Zelt zusammenzuhocken und sich gemeinsam diesem Unbekannten zu stellen. Alleine würde ich mich das nicht trauen. Da ist es gut, wenn andere im gleichen Gebiet unterwegs sind, du nicht komplett auf dich alleine gestellt bist. Allein vom Kopf her ist das ein großer Unterschied.

 

Du sagst, dass du keine Vorbilder hast – inspiriert dich auch niemand?

Was mir gefällt, ist Bescheidenheit. Man muss nicht groß rumprahlen mit Berg-Leistungen. Jeder Mensch hat positive und negative Seiten – und der große Alpinheld vernachlässigt vielleicht seine Familie. Ich will mir von jedem das Positive abschauen, davon lass ich mich inspirieren. Cool find ich zum Beispiel Mick Fowler, der als ganz normaler berufstätiger Steuerbeamter super Sachen an den Bergen der Welt macht.

Ich will einfach zufrieden sein mit meinem Leben, nicht irgendeinem Ziel nachlaufen, das ich vielleicht nie erreichen werde. Sonst würde ich womöglich verbissen irgendwo enden mit dem Gefühl, irgendwas zu verpassen. Die Berge sind so riesig, alle Touren kann ich ohnehin nicht klettern in meinem Leben. Deshalb braucht es eine gewisse Portion Gelassenheit – mit ausreichend Ehrgeiz. Ich will heimkommen und mit dem was ich mache zufrieden sein. Zur Zeit gelingt mir das gut. Ich kann auch daheim auf der Couch liegen und Kaffee trinken, muss nicht wie ein Irrer trainieren gehen.

Aber ich hab ein paar Dinge, die mir wirklich wichtig sind, in denen ich wirklich gut sein will. Zum Beispiel als Bergführer und im Büro gute Arbeit abliefern. Und genauso im Sozialen und im Familienleben voll meine Verantwortung tragen. Das ist aber nichts was ich irgendwann einfach mal so beschlossen hätte; es entwickelt sich und es ändert sich auch fließend. Das Leben ist ein Prozess: Man muss draus lernen und sich anpassen. Ich freu mich auf alles, was die Zukunft noch bringt.

 

Gehören dazu auch noch Hobbys?

Nun, außer Lesen koche ich auch gerne, durch alle Stilarten, je nach Stimmung. Und gerne auch für mehrere Leute. Meine Schwester ist Köchin, von ihr bekomme ich immer wieder Ideen. Im Sommer lege ich mich auch mal für einen Abend an den See.

Wenn ich wohin fahre, bin ich auch nicht nur zum Bergsteigen oder Klettern dort; ich kaufe vor Ort ein, gehe mal in die Bar, bin neugierig auf die Menschen, die das Land ausmachen. Nach Frankreich zum Beispiel fahr ich gerne, aber nicht (nur) wegen der Berge und Felsen, sondern weil das Frankreich ist.

Also: Bergsteigen allein wäre mir zu wenig. Aber momentan spielt es ganz klar die erste Geige.

 

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