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Expedkader der Frauen: Spannende Tage im Höllental

Im August hat sich der Expedkader der Frauen im Höllental getroffen um ein besonderes Projekt zu verwirklichen: Die Erschließung und Erstbegehung zweier Kletter-Touren am Riffelkopf. Was es bedeutet sich dorthin zu wagen, wo vorher noch niemand war und wie es dem Team dabei ergangen ist, berichten Lea Luithle und Luisa Deubzer.


"Da gibts eine sau coole Wand bei der Zugspitze am Riffelkopf, die noch komplett unbeklettert ist, wahrscheinlich so vier Seillängen. Da könnten wir doch mal hin und uns das anschauen!"

 

Wenn unsere Trainerin Dörte Pietron so etwas vorschlägt, zögert natürlich niemand lange; gesagt, getan.

Mit dabei hatten wir dann: Bohrmaschinen, Bohrhaken, Statikseil, Kletterseile, Hammer, Schlaghaken, spezielle Felshaken unterschiedlichster Art, Schlingen, Biwakzeug, Zelt und Essen für drei Tage und jede von uns mindestens eine Sache, die bei anderen auf lachendes Kopfschütteln stieß...wie zum Beispiel: Frische Gnocchi, Strickzeug eine Haarbürste oder eine äußerst hilfreiche, da leere, Powerbank - eben nur die essentiellen Dinge...

 

Am Montag gings los mit einem kleinen Einbohr-Crashkurs: Daniel Gebel und Dörte führten uns in die Basics des Bohrens ein und teilten gleich ein paar ihrer Tricks und Kniffe mit uns. Wir schlugen Schlaghaken, verklemmten Pecker, hingen an Talon-Hooks  und Grapplings (Pecker, Talon-Hooks und Grapplings sind spezielle Felshaken, die einem das Bewegen an der Wand erleichtern), erlebten, wie mühsam es ist, Löcher von Hand zu bohren und lernten wie sich 45Nm anfühlen (so fest sollten Bohrhaken-Muttern angezogen werden).

„So und jetzt könnt ihr selber loslegen. Den Rest wird die Panik euch dann lehren.“ Mit diesen Worten entließ Daniel uns dann zum Riffelkopf. Die Vorfreude -und Spannung- war demnach groß.

Mit der letzten Bahn ging es hoch auf die Zugspitze und nach drei Stunden Abstieg über einen Klettersteig und Gletscher in der Nebelsuppe waren wir bei unserem Biwakplatz angekommen. Pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit.

Am nächsten Morgen konnten wir endlich zum ersten Mal die Wand mit eigenen Augen erkunden und grob mit dem Fernglas planen, welche Linien wir eigentlich klettern wollten.

 

Die nächsten drei Tage bohrten und bewegten wir uns dann in zwei Seilschaften die Wand hoch.

Janina, Caro und Lea arbeiteten sich im linken, sehr abwechslungsreichen Wandteil immer höher, während Amelie, Lulu und Rosa sich eine Linie durch den rechten Teil der Wand suchten, hoch zu der von unten sehr eindrücklichen Löcherwand. Wie sich schnell herausstellte, hatten wir uns alle grob in der Wandhöhe verschätzt: 4 Seillängen brachten uns gerade einmal bis zur Wandmitte. Umso besser.

 

Die linke Tour ist soweit fertig eingerichtet und geht bis zum Grat der zum Riffelkopf führt. Neun sehr abwechslungsreiche Seillängen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Kletterstilen sind insgesamt mit 54 Bohrhaken, 1 Schlaghaken und drei Sanduhrschlingen abgesichert. Topo und weitere Infos werden folgen sobald wir sie freiklettern konnten. Außerdem liegt am Wandfuß noch ein Pecker, wer den findet, darf sich bei Caro melden.

In der rechten Tour verlangsamte sich unser Vorankommen in der zweiten Hälfte mit zunehmender Steilheit und einem bröseligem Zwischenteil, sodass Rosa, Amelie und Lulu am letzten Tag, nachdem sie endlich zur lang erwarteten Löcherwand gekommen waren, noch vor dem Top abseilten und die letzten 2 Seillängen aufs nächste Mal verschieben mussten. Aber endlich war klar: der Fels in der Schlüsselseillänge ist Hammer und es führt tatsächlich ein Weg hoch. Auch, wenn es wohl ordentlich schwer wird, denn wenn Amelie sagt, dass etwas hart ausschaut, dann will das normalerweise etwas heißen. Die perfekte Motivation bald zurück zu kommen!

Völlig fertig, aber happy und in guter Stimmung stiegen wir über das Höllental ab. Komisch - eigentlich sollten unsere Rucksäcke beim runter gehen doch leichter sein? Mit Einbruch der Dunkelheit waren wir wieder unten und freuten uns alle auf eine Dusche, Essen und ein Bett. Die letzten Tage haben definitiv unseren Respekt und unsere Wertschätzung vor allen nochmal vergrößert, die die fantastischen Mehrseillängen, die wir normalerweise so einfach genießen können eingerichtet haben.

 

Wieder einmal geht ein Riesen-Dankeschön an die beste Trainerin! Dörte war die ganze Zeit dabei, hat die Logistik organisiert, uns bei allen entscheidenen Fragen als Ground-Support geholfen und durch ihre smarten Ausrüstungshacks immer wieder staunen lassen. Auch an Daniel, der sein geballtes Know-How mit uns am ersten Tag teilte, vielen, vielen Dank!

 

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Wie kommt man in den Expedkader? Ziele und Auswahlkriterien finden Sie hier.   Aktive Spitzensportler wie Michi Wärthl, Toni Lamprecht und Christoph Hainz engagieren sich als Ausbilder und in Fachgremien für ein zeitgemäßes Konzept. Die Ergebnisse einer Diskussionsrunde aus Aktiven, Haupt- und Ehrenamtlichen wurden vom Verbandsrat als Vorgabe für den Expedkader 2009 verabschiedet. Diese fordert ein hohes Allround-Eingangsniveau der Teilnehmer, die sich im Lauf ihrer Ausbildung selbstständig mit den Trainern ihre Ziele setzen sollen – und auch darüber entscheiden, ob ihre Abschlussfahrt ein FreeWall- oder Alpinziel anstrebt. 

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Wer waren die Mitglieder der letzten Expedkader und was haben sie gemacht? Hier findet man alle Infos.   Nach nationalen Großexpeditionen der 1930er und 1950er Jahre wurden bis in die 1980er Jahre vor allem einzelne Expeditionen gefördert, teilweise aus dem Kreis des DAV aufgestellt. Die Förderung von Expeditionen und anspruchsvollen bergsportlichen Auslandsfahrten ist heute noch eine Aufgabe des Ressorts Spitzenbergsport im DAV.