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Bericht: Nachwuchs-Trainingscamp „Granitklettern“

25.09.2020, 12:22 Uhr

„Trad, Multipitch, Bigwall“ – diese Schlagworte sollten schon 2015, beim ersten DAV Nachwuchscamp dieser Ausrichtung, das Themenfeld umreißen. Die Göscheneralp mit dem Zeltplatz Mattli bot den idealen Ausgangspunkt für Klettertouren und Ausbildungseinheiten im Urner Granit. Ein Bericht über die beeindruckenden Erfolge der letzten beiden Camps:

Dank einer stabilen Wetterlage und natürlich eines starken Teilnehmerfelds glückte gleich eine Reihe nennenswerter Begehungen, darunter schnelle „Car-to-car-Begehungen“ des Salbit Westgrats die Remy-Route „Psychides“ (7a+, 300 m) am Chli Bielenhorn und die Erstbegehung von „The School of Rock“ (7a+, A3+, 195 m).

 

Camp Nr. 2 (31.08.–08.09.2019)


2019 fand das zweite DAV Nachwuchs-Trainingscamp zu den oben genannten Themen statt. Wieder waren die ausgewählten Teilnehmer auf einem sehr guten klettertechnischen Niveau unterwegs, nur leider spielte das Wetter nicht so recht mit. Immerhin konnten die beiden einzigen stabilen Tage für Begehungen von alpin anspruchsvollen Rissklettereien wie „Heiße Linie“ (6c, 8 SL) an der grauen Wand oder Sännetuntschi (6c+, 9 SL) am Feldschijen genützt werden.

 


Darüber hinaus glückten seltene Wiederholungen der Techno-Routen „Muja Hedder“ (A2+, 5c bzw. 6c, 205 m) und „The Shield“ (A3-, 6c, 215 m) im Voralptal. Danach kippte das Wetter endgültig. Kurz bevor es auf der Göscheneralp zu schneien begann, wechselten wir ins norditalienische Rissklettergebiet Cadarese, wo wir eine ganze Reihe Rotpunktbegehungen bis zum Grad 7b+ einfahren konnten.

 

Camp Nr. 3 (15.-23.08.2020)


Nachdem es 2019 großes Interesse am Trainingscamp auf der Göscheneralp gab, wollten wir in diesem Jahr wieder ein solches anbieten. Wie im Jahr zuvor übernahmen die Bergführer Rainer Treppte und Fritz Miller die Leitung des Camps. Die Gruppe war mit fünf Teilnehmern etwas kleiner als zuletzt. Das Wetter erwies sich als unbeständig, ließ aber dennoch genug Spielraum für eine gute Ausbeute an Mehrseillängenrouten (siehe Auflistung unten). Bei den Ausbildungseinheiten fokussierten wir uns von Anfang an auf die Bereiche Rissklettertechnik, Bigwall und Technisches Klettern.

 

Die Gruppe zeigte sich sehr engagiert und zielstrebig, so dass wir uns nach nur dreieinhalb Ausbildungs- bzw. Trainingstagen auf den Weg ins Voralptal machten, um verschiedene Mehrtages-Technorouten anzugehen, mit jeweils einem Wandbiwak. Ein Team schaffte dabei die dritte Wiederholung der Route „The School of Rock“ inkl. „North Face Exit“, ein Team kletterte „The Shield“ bis zwei Seillängen vor dem Gipfel des Pfeilers, der Rest sicherte sich die vierte Wiederholung des „Mosquito Circus“. Danach war bei trübem, teils auch regnerischem Wetter wieder Freiklettern angesagt, unter anderem in der gefürchteten Plattenroute „Inox“ im Gebiet Schöllenen.

 

DAV Nachwuchscamp „Trad, Multipitch, Bigwall“ 2020 – folgende MSL-Routen konnten geklettert werden:
 

  • Teufelstalwand, „Pissoir du Diable“ (6b+, 240 m)
     
  • Teufelstalwand, „The Devils Last Dance“ (6c+, 230 m)
     
  • Teufelstalwand, „Im Zeichen der Freundschaft“ (6b+, 270 m)
     
  • Graue Wand, „Heiße Linie“/„Hot Line“ (6c, ca. 270 m)
     
  • Chli Bielenhorn, „Perrenoud“ (6a, ca. 250 m)
     
  • Chli Bielenhorn, „Sacremotion“ (7a, 265 m)
     
  • Schöllenen, „Suworow Pfeiler“
     
  • Schöllenen, „Inox“ (7a+, 205 m)
     
  • Voralptal, „The Shield“ (A3-, 6c, 215 m - bis 2 SL vor Ende)
     
  • Voralptal, „The School of Rock“ mit „North Face Exit“ (7a+, A3+, 215 m)
     
  • Voralptal, „Mosquito Circus“ (A3, 6c, 285 m)
 

Ausblick

 

Sofern es die Situation (Covid-19) erlaubt, soll es in der ersten Novemberwoche ein weiteres Nachwuchs-Trainingscamp im Sarcatal gegeben. Thema ist dann Alpinklettern bzw. Mehrseillängenklettern mit Fokus auf erweiterter Technik und Taktik für lange und schwierige Routen. Die Ausschreibung findet ihr hier.
 

Text: Fritz Miller

 

Alpines Nachwuchs- und Förderkonzept des DAV

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