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Ehemaliges Mitglied des DAV-Expedkaders im Interview: Dario Haselwarter

"Der Klimawandel muss unsere Einstellung zum Bergsteigen verändern."

Im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums des DAV-Expedkaders haben wir eine Interviewreihe mit verschiedenen ehemaligen Kadermitgliedern durchgeführt. Einer unserer Gesprächspartner ist Dario Haselwarter.

Dario war im Jahr 2016 Mitglied des DAV-Expedkaders. Seit 2015 ist er staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und hat ebenfalls sein Medizinstudium abgeschlossen. Somit hat er seine zwei Traumberufe gefunden.

 

Das Internet startete Anfang der 2000er Jahre richtig durch – genau wie der Expedkader. Ab 2007 revolutionierte das Smartphone die Welt in allen Belangen. Wie hat der digitale Fortschritt beim Bergsteigen Einzug gefunden?

Viele Beschreibungen und Tourenberichte sind mittlerweile online zu finden. Gerade die sozialen Medien mit Infos zu den aktuellen Verhältnissen können die Planung erleichtern. Sie können aber auch dazu führen, dass es an gewissen Modebergen/-touren zu Massenaufläufen kommt.

 

Ist ein Smartphone am Berg heutzutage Pflicht, oder eher Luxus?

Smartphone ist Luxus, ein normales Handy mit der Option zum Hilferuf hat aber im Notfall schon einen gewissen Charme.

 

Nutzt du auch noch analoge Tools wie Karten und Kompass?

Gerade bei der Tourenplanung hat eine analoge Karte immer noch viele Vorteile. Ihre Übersichtlichkeit ist der Planung am Smartphone oder am PC immer noch überlegen.

Ich glaube aber, dass wir insgesamt einen sehr guten Standard bezüglich der Ausrüstung haben und dass aktuell die Möglichkeiten der alpinistischen Weiterentwicklung sowohl in punkto Höchstleistungen als auch in Bezug auf Unfallprävention eher nicht durch das Material sondern vor allem durch menschliche Faktoren bestimmt werden.

 

 

 

Ohne hochwertige Ausrüstung ist das alpine Bergsteigen heutzutage nicht mehr denkbar. Kannst du uns sagen, was sich in deinen Augen in den letzte 20 Jahren ganz besonders stark weiterentwickelt hat und in wie fern?

Meines Erachtens gab es in den 60er/70er Jahren eine große Revolution in der Bergsportausrüstung, als Sicherheitsnormen eingeführt wurden. Der Umstieg von Hanfseilen auf normierte, geprüfte Polyamidseile war sicherlich ein Quantensprung, der viele bergsportliche Leistungen erst ermöglicht hat.

So weit ich das überblicke, hat es eine derartige Veränderung oder Neuerung nicht innerhalb der letzten zwanzig Jahre gegeben. Am ehesten haben sich vielleicht die Eisgeräte hinsichtlich Ergonomie weiterentwickelt.

Ich glaube aber, dass wir insgesamt einen sehr guten Standard bezüglich der Ausrüstung haben und dass aktuell die Möglichkeiten der alpinistischen Weiterentwicklung sowohl in punkto Höchstleistungen als auch in Bezug auf Unfallprävention eher nicht durch das Material sondern vor allem durch menschliche Faktoren bestimmt werden.

 

Auf welche drei Ausrüstungsgegenstände würdest du niemals verzichten wollen?

Kletterschuhe, Seil, Brotzeit

 

Die hochalpine Landschaft wird durch den Klimawandel ganz besonders stark beeinflusst. Wo fallen dir persönlich die größten Veränderungen der letzten 20 Jahre auf?

Die größten Veränderungen sind im vergletscherten Raum sichtbar. Wie sich das "Mer de glace" allein innerhalb der letzten zehn Jahre verändert und zurück gezogen hat ist sehr besorgniserregend.

Auch fällt auf, dass die Winter milder und die Zeiträume mit durchgehend geschlossener Schneedecke in tieferen Lagen immer kürzer werden.

 

Hat das veränderte Klima Auswirkungen auf die Art und Weise des Bergsteigens?

Das veränderte Klima beeinflusst das Bergsteigen in seiner konkreten praktischen Durchführung, da viele Touren heute oft wegen schmelzendem Permafrost nur mehr im Winter oder gar nicht mehr möglich sind.

Der Klimawandel muss aber auch unsere Einstellung zum Bergsteigen verändern. Die permanenten Flugreisen wie wir sie kennen, können in dieser Form nicht fortgeführt werden. Es muss ein Umdenken hinsichtlich der Auswahl alpinistischer Ziele einsetzen und wir sollten uns vermehrt auf lokalere Ziele in den Alpen einstellen. Die Begrenzung des Klimawandels ist das größte Ziel unserer Generation und die Art wie wir Bergsport in der Vergangenheit gelebt haben ist nicht zukunftsfähig.

Wie die Geschichte des Alpinismus zeigt, liegt im Verzicht jedoch auch oft eine große Chance und so bin ich sehr zuversichtlich, dass sich das Bergsteigen auch mit einer Einschränkung der Mobilität weiter entwickelt. Auch in den Alpen gibt es genügend spannende Herausforderungen.

 

Der Sport wird zunehmend professioneller. Auch der Bergsport. Wie stehst du heute zum leistungsorientierten Bergsteigen und ist die Professionalisierung eher Fluch oder Segen?

Ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es faszinierend zu sehen, wie sich die Grenzen verschieben lassen, wenn man sich dem Alpinismus Vollzeit widmet. Andererseits birgt jede Art von Professionalisierung eine gewisse Nähe zur Arbeit und damit auch zum Zwang.

 

Schnellfragerunde

 

Allrounder oder Spezialist? Allrounder

 

Alpen oder Berge der Welt? Alpen

 

Fels oder Eis? Fels

 

Topographische Karte oder Tourenapp? Topographische Karte

 

Reparieren oder neu kaufen? Reparieren

 

Damals oder heute? Heute