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Alex Megos klettert zweite 9c der Welt

26.08.2020, 11:13 Uhr

DAV-Spitzenathlet und Olympionike Alexander Megos (DAV Erlangen) schreibt im französischen Sportklettergebiet Céüse Geschichte: Mit "Bibliographie" kann der Franke die weltweit zweite Route im Schwierigkeitsgrad 9c (UIAA XII) klettern. Zuvor gelang es nur dem Tschechen Adam Ondra, eine Route in diesem Schwierigkeitsgrad zu meistern.


Rund 60 Tage benötigte Alex Megos, um Bibliographie erfolgreich zu durchsteigen. Bei seinen vorherigen Projekten in den höchsten Kletterschwierigkeitsgraden gelang ihm das in der Regel beim ersten Mal (onsight) oder in wenigen Versuchen oder Tagen. Für seine bis dato schwierigste Route, Perfecto Mundo (9b+; UIAA XII-), benötigte er 16 Tage.

 

Megos schlägt als Bewertung 9c vor. Wird der Grat bestätigt, wäre er der zweite Kletterer weltweit, der eine Route im 12. Schwierigkeitsgrad klettern kann – und Bibliographie erst die zweite Route weltweit in diesem Schwierigkeitsgrad. 2017 kletterte der Tscheche Adam Ondra im norwegischen Flatanger die Route "Silence" und bewertete sie mit 9c. Beide Routen konnten noch nicht wiederholt und damit ihr Grad noch nicht von anderen Kletterern oder Klettererinnen bestätigt werden.

 

Alex Megos im Interview

Alex, jetzt ist es knapp drei Wochen her, dass du dein – bis dato – wahrscheinlich härtestes Projekt durchgestiegen bist. Was hast du gedacht/gefühlt als du getoppt hast und was denkst du/fühlst du jetzt ein paar Wochen später?⠀

 

Als ich die Route getoppt habe, kommt erstmal eine ganze Welle an Emotionen hoch. Vermutlich ist Erleichterung das stärkste der Gefühle, da mit einem mal nicht mehr der Zweifel da ist, ob man jemals hochkommt. Aber ich war auch etwas traurig, da von einem Moment auf den anderen der ganze Prozess einfach vorbei ist. Davor wusste ich, was ich zutun hatte. Jede Saison habe ich auf das Projekt hin trainiert und dann meine Zeit in Ceüse verbracht. Dieses Jahr habe ich mir August und September auch frei gehalten für das Projekt und dann ist alles mit einem Mal vorbei. Ein paar Wochen später habe ich vor allem das Gefühl, dass die Luft etwas raus ist und ich mir etwas schwerer tue mich zu motivieren. Der Körper hat einfach signalisiert, dass eine kleine Pause nötig ist. ⠀

Was ist für dich, abseits vom Grad, das Besondere an Bibliographie und worin besteht die größte Schwierigkeit?⠀


Das besondere an Bibliographie ist das es nicht nur eine der schwersten Routen, sondern auch eine der besten die ich je gemacht habe! Weil sie natürlich ist, coole Züge hat und in absolut bestem Ceüse Kalk ist! Es ist nicht so leicht eine richtig schwere Route zu finden, die auch noch so gut ist. Das war der Hauptgrund, warum ich so motiviert war. Ich denke eine Schwierigkeit besteht schonmal darin, fit und bei guten Bedingungen am Einstieg zu stehen. Die Stunde Zustieg macht das ganze auch nicht leichter. Für mich war die Schwierigkeit zudem noch genug Zeit am Stück zu finden, um mehrere Male nach Ceüse zu fahren. Ich konnte nicht länger als zwei Wochen am Stück bleiben, da nach zwei Wochen die Energie einfach weg ist und ich nicht mehr volle Leistung abrufen konnte.
 
Was machst du, wenn du nicht für die Wettkämpfe trainierst?


Für mich ist draußen klettern am Fels einfach mein Ding. Da fühle ich mich wohl und habe das Gefühl, meinen Sinn gefunden zu haben. Wettkampfklettern ist eine vorübergehende Geschichte, am Fels klettern bleibt mir bis ich nicht mehr klettern kann.

 

Klettern ist olympische Disziplin

Nur eine handvoll Kletterer wäre derzeit wohl in der Lage, so eine Route zu wiederholen. Neben Adam Ondra sind das noch der Italiener Stefano Ghisolfi, der Österreicherer Jakob Schubert und der in Spanien lebende US-Amerikaner Chris Sharma.

 

Drei von ihnen, Megos, Ondra und Schubert, stehen derzeit aber noch vor einer anderen Herausforderung: Im August 2021 sollen die wegen der Corona-Pandemie verschobenen Olympischen Spiele 2020 nachgeholt werden. Alle drei haben ihr Ticket für Japan gelöst. Der DAV begleitet Alex Megos und den ebenfalls nominierten Deutschen Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) mit der Kampagne #climbtotokyo auf ihrem Weg nach Japan.