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Denkmal oder Klassiker

Denk mal! Berühren verboten?

Ernst Platz, Die Zugspitze „Durch Versicherungen wird den Bergen gerade das genommen, was zu ihrer Besteigung anreizt, die Schwierigkeit.“

 

„… der Grat wird mit dem Zugspitzpublikum überflutet.“

 

 

„Das ist der Geist der Intoleranz allen denjenigen gegenüber, die weniger können ... mit dem turistischen Massenbetrieb sind die alten idyllischen Zustände für immer dahin ... Die Entwicklung schreitet unaufhaltsam darüber hinweg.“

 

Nein, diese Zitate sind nicht der neuesten Ausgabe von „Klettern“ entnommen. Sie sind über 100 Jahre alt und galten der geplanten Drahtseil-Anlage am Jubiläumsgrat. Über das Projektstritten sich Georg Leuchs, ein anonymer Leserbriefschreiber und der Initiator Alfred Steinitzer. Etwa zur gleichen Zeit entflammte der Mauerhakenstreit die Gemüter der Kletterer; einer der Protagonisten war Tita Piaz: „Wir wollen lieber vier oder auch zwanzig Meter am sichernden Seil hängen (vielleicht mit gebrochenem Bein), als dass die Raben im dunklen Abgrund Schmaus an unseren Leichen halten.“ 

Sein Gegenspieler Paul Preuss entgegnete:

 
„Der Gedanke, wenn du fällst, hängst du drei Meter am Seil, hat geringeren ethischen Wert als das Gefühl: ein Sturz und du bist tot.“
 
Paul Preuss In sechs Grundsätzen hatte Preuss seine Vision der primären, inneren Sicherheit skizziert und technische Hilfen abgelehnt: „… Der Mauerhaken ist eine Notreserve und nicht die Grundlage einer Arbeitsmethode … Das Seil darf ein erleichterndes, niemals aber das alleinseligmachende Mittel sein, das die Ersteigung eines Berges ermöglicht.“ Doch parallel machten Hans Dülfer und die Protagonisten der „Münchner Schule“ eben diese Hilfsmittel zur Grundlage ihrer Arbeit: Klettern so lange es ging; wenn es nicht mehr ging, machte man einen Seilquergang und ging weiter.

 

Hakenkriege und kein Ende?

Lange existierten diese zwei Stilformen nebeneinander, denn Berg gab es genug: kühne Freikletterei hier (Elbsandstein, USA), freudige Nutzung technischen Fortschritts, auch zum technischen Klettern, da (Alpen): Nylonseile, Hartstahlhaken, Trittleitern. Freilich gab es Überschneidungen: Die klassischen Freikletterer in England und den USA entwickelten neue Technologien wie Klemmkeile und Friends zur Absicherung. Und zwischen den Hakendirettissimas der Alpen wurden immer wieder denkmalträchtig ernste alpine Großtaten vollbracht.

 

Nicht immer ganz kletterfreundlich ist der berühmte Frankenjura-Fels strukturiert. Ein echter Konflikt wurde daraus erst 70 Jahre später. Ossi Bühler hatte sich um 1970 im Frankenjura gesagt: „Wenn der Normalhaken versagt und ich falle runter, war ich kein alpiner Held, sondern ein Idiot“ und deshalb den Bühlerhaken erfunden. Pit Schubert trug um 1980 dieses zuverlässige Sicherungsmittel, das im Klettergarten die Leistungsexplosion über den siebten Grad hinaus unterstützt hatte, in beliebte Alpinrouten. Und ab 1992 erfand und förderte der Schweizer Jürg von Känel die Plaisirtouren, um auch Nicht-Spitzenkletterer an der soliden Bohrhakensicherung teilhaben zu lassen, die im High End längst Standard war.

 

Es wurde enger in den Wänden der Alpen: Viele Klassiker wurden mit Bohrhaken saniert, neue Plaisirrouten kreuzten oder benutzten streckenweise alte Marksteine. Und der Mauerhakenstreit wurde als Hakenkrieg in die Praxis getragen, als im Kaiser
und in den Tannheimern Sanierungs-Bohrhaken wieder abgeflext wurden – ein unbefriedigendes Rein-Raus drohte. Seither haben etliche schlaue Köpfe viele Stunden lang diskutiert und allerlei Papier wurde bedruckt: der Bohrhaken-Kompromiss der UIAA, die Tirol Deklaration, die Berg.Schau! des DAV… Regionale Arbeitskreise entstanden, um die Absicherung alpiner Klettergebiete zu koordinieren.
 
Wurden früher verwendet und findet man gelegentlich auch noch heute im Klettergarten vor: Normalhaken zum Einschlagen. Vorsicht: Festigkeit von außen schwer einschätzbar! Doch die normative Kraft des Faktischen ging nicht vom Grünen Tisch aus, sondern vom grauen Fels: da wurde weitergebohrt - aber auch zurückgebaut. Um 2004 versetzte die „Alpine Gruppe“, ein Zusammenschluss von Aktiven, die Direkte Gelbe Mauer am Untersberg in den Originalzustand zurück; mit Normalhaken und einigen Bohrhaken nur dort, wo sie auch die Erstbegeher verwendet hatten. Damit wurde das einstige Testpiece, das mit Bohrhaken zu einer beliebten Standard-Sportkletterroute verwandelt (manche meinten: verschandelt) worden war, wieder psychisch anspruchsvoll.
 
2009 machte Martin Scheel das gleiche mit seiner Supertramp am Bockmattliturm, einem Markstein der frühen Sportkletterbewegung. Diese Aktionen standen mit den Richtlinienpapieren prinzipiell in Einklang, fanden aber kein breites Verständnis. Und die Situation war natürlich für keinen der Beteiligten erfreulich.
 
 
Beim DAV-Bergsportkongress Berg.Schau! in Dresden 2008 forderte Alex Huber vom DAV-Präsidenten Heinz Röhle, die Alpenvereine sollten sich dafür engagieren, dass die vereinbarten Vorgaben angenommen werden. Nach langen Diskussionen zwischen DAV, OeAV und Vertretern von Kletter- und weiteren Bergsportverbänden gibt es nun eine „Erstbegehungs- und Sanierungs-Charta für Felskletterrouten“, Und es stellt sich die Frage: Wer macht mit?

 

Wie hätten Sie's denn gern?

Denn Papier ist geduldig. Fakten sind Fakten. Und Menschen leben nach ihrem subjektiven Lustprinzip. „Ich lasse mir nicht vorschreiben, wie ich am Fels glücklich werden soll“, sagte Irmgard Braun bei einer Diskussion 1998 im DAV-Haus auf der
Münchner Praterinsel. Das eigenverantwortliche Absichern alpiner Kletterrouten mit Klemmkeilen und Friends zwischen den alten Rostgurken mag mehr Erlebnistiefe und Wert für die Persönlichkeitsentwicklung bieten als Plaisirrouten – aber es wird nicht dadurch Mainstream, dass man diese Werte predigt. Außerdem lassen sich Erfindungen und Technologien nicht zurücknehmen, wie schon Dürrenmatts „Physiker“ erkannten.
 
Verbundhaken mit Ring In einer Gesellschaft, der Risikoforscher wie Prof. Dr. Siegbert Warwitz (siehe bergundsteigen 3/11, S. 40ff) wohl zu Recht Risikoscheu vorwerfen, ist der erprobte Bohrhaken die naheliegende Lösung für Sicherungsprobleme – siehe dazu im gleichen Heft
die Unfallstatistik aus dem Frankenjura: dort passierten erschreckend viele Bodenstürze vor dem ersten Haken; als eine Lösungsmöglichkeit regt der Autor und DAV-Vizepräsident Guido Köstermeyer an, dort zusätzliche Haken zu setzen.

 

Draußen ist anders

„Draußen ist anders“ heißt eine Kampagne des DAV. Und alpin ist nochmal ganz anders. Wie und wo soll man’s lernen, einen brüchigen Riss sicher zu sichern? Früher lernte man das Klettern im Freien und im Gebirge, wurstelte sich über IIIer und IVer
hoch in schwierigeres Gelände, immer mit mittelprächtigem Fels und ebensolchen Haken konfrontiert, die man selbst mit mobilen Mitteln ergänzen musste. Heute klettern viele schon im ersten Kletterjahr einen Siebener im Vorstieg – gehen sie dannnach Arco, nach Franken, in den Kaiser oder gar in die Dolomiten, sieht’s völlig anders aus. Selber einen Haken zu schlagen, was 1978 noch Standardinhalt eines Fortgeschrittenen-Kletterkurses der Alpenvereinsjugend war, lernt man heute fast nur noch als Mitglied des Expeditionskaders.

 

DAV-Kampagne Ist das klassische Alpinklettern also ein Auslaufmodell? Genau so vom Aussterben bedroht wie seine meist angejahrten Anhänger? Ein Sport für Gestrige, die in schwindender Zahl die Steinerne Rinne heimsuchen, während sich die Massen am Wildanger drängen? Und ist die Diskussion darüber unnötig, eine Aufgabe für Veteranen auf verlorenem Posten, wie Naturschützer, die das Artensterben beklagen, statt der Natur ihren vom Menschen beeinflussten Lauf zu lassen?

 

 

Allen Leuten recht getan?

In fast allen wichtigen Klettergebieten der Nördlichen Kalkalpen gibt es regionale Arbeitskreise, die sich um diese Fragen kümmern. Sie bestehen aus Vertretern der Alpenvereine und der lokalen Kletterszene und sind im Idealfall auch mit Tourismus und Naturschutzbehörden im Gespräch. Einer der ersten entstand im Wilden Kaiser, wo inzwischen ein Großteil der beliebtesten klassischen Routen saniert ist. Entsprechend der UIAA Vorlage, also mit Bohrhaken an Ständen und „neuralgischen“ Zwischensicherungen: Das sind solche, die nötig, aber schlecht mit Keilen und Friends zu realisieren sind. Ähnlich sieht es an den Schüsselkarwänden aus, im Oberreintal und in den Tannheimern: Auch dort sind fast alle gängigen Klassiker saniert. Am Halleranger läuft eine vergleichbare Aktion: zurückhaltende Sanierung der Klassiker plus Erschließung neuer Plaisir- und Klettergartenrouten.
 
Expedkader 2009: Klettertraining in den Dolomiten Der Arbeitskreis in Berchtesgaden dagegen hat sich aufgelöst, nachdem die meisten Klassiker saniert waren und die nächste Generation kein Interesse an weiteren Aktionen hatte. Einen speziellen regionalen Weg gehen die Bergführer der Dolomiten: Sie haben sich komplett gegen Sanierungen mit Bohrhaken ausgesprochen, ersetzen aber verrottete Normalhaken durch neue. Ihre Führungstouren allerdings sichern sie stellenweise mit Bolts ab – an der Schleierkante angeblich sogar mit Schwerlastankern, für die sie die Plättchen selber mitbringen, so dass Normalsterbliche nur die nackte Gewindestange vorfinden …

 

Wie soll es weitergehen?

Sollen die Arbeitskreise ein Sanierungs-Moratorium aussprechen und nur noch das Bestehende beobachten und pflegen? So in etwa wird es in den Tannheimern gemacht. Oder sind sie nicht gerade jetzt besonders gefordert, Konzepte bergsportlicher Raumordnung zu entwickeln, wo die Touristiker das Klettern als potenziellen Wirtschaftsfaktor entdecken (www.climbers-paradise.com) und dafür auf extrem nutzerfreundlich eingerichtete Routen setzen?

 

Will man die neue Charta lebendig machen, stellen sich zudem etliche, teilweise ganz neue Fragen, die sich auch aus einer kurzen Befragung einiger engagierter Aktiver ergeben haben: „Viele alpine Klassiker sind grausam eingebohrt und gehören wieder in einen akzeptablen Zustand rückversetzt“, wettert beispielsweise Alex Huber. So stören sich viele daran, dass in der Rebitsch- Spiegl an der Fleischbank jeder A0-Haken neu gebohrt wurde, statt nur ein oder zwei zum Freiklettern sinnvolle Bolts zu setzen und zum Nullern die Gurken zu belassen (nettes Detail am Rande: Hias Rebitsch machte die Erstbegehung mit einem Bruchteil der Haken und angeblich in freier Kletterei).
 
Alex Huber: ‚Voie PetitÙ am Grand Capucin, Rotpunktbegehung Im Schüsselkar dagegen ersetzte Heinz Zak bei der Sanierung in den 1990er-Jahren nur einen Teil der A0-Normalhaken und nahm die anderen ganz raus, so dass manche Stellen jetzt zwingend freigeklettert werden müssen – oder mit Trittschlinge: „A1 statt A0 spart 300 Haken“, sagt Heinz. Aber auch, dass er es heute nicht mehr so machen würde: An der Lafatscherverschneidung beschränkte er die Sanierung auf gebohrte Stände.
Ob es zum Sanieren überhaupt Bohrhaken sein müssen oder ob bei alten Risslinien nicht auch Normalhaken reichen könnten, wie es Alex Huber vorschlägt, darüber zerstritt sich der Berchtesgadener Arbeitskreis. Sitzen Normalhaken gut, halten sie prima; ob allerdings im Lauf der Zeit der Riss bröselt oder der Haken rostet, sieht man von außen nicht. Außerdem lassen sie im Unklaren, ob sie „offiziell“ hier stecken oder von schwächeren Wiederholern nachträglich gesetzt wurden, und häufiges Ein- und Ausnageln schadet dem Fels.

 

Friend als mobile Zwischensicherung nur in kompaktem Fels legen; Segmente in Mittelstellung Ebenso kann man geteilter Meinung sein, ob an Ständen mit bombigen Sanduhren oder Keilplacements unbedingt ein oder zwei Bohrhaken gesetzt werden müssen. Will man Markus Stadlers Anregung umsetzen, dass eine sanierte Route immer noch die Motivation für alpines Erleben fördern solle, dann könnte gezielt sparsames Bohren ein Ansatz sein, bei den Begehern die Aufmerksamkeit für zusätzliche Sicherungsmöglichkeiten zu erhalten und damit möglicherweise Vertrauen aufzubauen. Als wichtiges Instrument, um ihnen die Wahl eines passenden Ziels zu erleichtern, sollten jedenfalls die Dokumentation des Sanierungszustands und eine Bewertung der Ernsthaftigkeit (E-Grad) deutlich angeschoben werden – eine Aufgabe für Alpenvereine und Führerautoren, aber vielleicht auch für die Sanierungskreise. Falls die Arbeitskreise zu der Ansicht kommen sollten, dass zu viele Klassiker saniert sind, also nicht mehr ausreichend gute Routen im Originalzustand erlebbar sind, dann stellen sich beim Nachdenken über einen Rückbau weitere Fragen: Wie viele Haken verwendeten die Erstbegeher denn wirklich? Wie gut lässt sich ihr Gefühl nacherleben, wenn man Keile, Leichtkarabiner, Zwillingsseil und Reibungsschuhe verwendet? Und wer wird sich überhaupt auf solche historischen Trips einlassen? „Die alten Touren rosten vor sich hin. Irgendwann erinnert sich kein Mensch mehr daran“, unkt Bernhard Kühnhauser. Klettern als Kultur-Event?

 

Denkmalroute

Vom Thema Erinnerung ist es nicht mehr weit zum Schlagwort Denkmalroute. Wäre es in der Sanierungsdiskussion womöglich angemessen und hilfreich, diese neue Kategorie zu etablieren? Dann müsste man unterscheiden: Es gäbe einerseits „Klassiker“, deren Wesenselement die Schönheit der Linie und Kletterei ist, bei meist ordentlicher Absicherung, so dass eine gefühlvolle Sanierung diesen Charakter nicht entschärft. „Denkmalrouten“ dagegen wären überregional bedeutende Marksteine egal welcher Epoche, die zu ihrer Zeit besondere Höhepunkte waren und mit deren Erstbegehung sich oft alpine Großtaten verbinden, häufig bedingt durch besonderen Mut bei schlechter Absicherung. Um in solchen Routen die historische Leistung bewundern zu können, darf das Gruseln nicht durch Bohrhaken kastriert werden.
 
Geschütztes Denkmal: Die Kniegrotte. Ist man etwa im Gekrümel des Barthgrates (Karwendel) unterwegs, im moosigen Offwidth der Totenkirchl-Piaz-Westwand (Solobegehung durch Preuss) oder im fiesen Dülferriss der Fleischbank, wächst der historische Respekt proportional mit dem Aufwand, einen halbwegs passablen Stand zu bauen. Und dass Buhls Originalroute in der Mauk-Westwand erst 2011 wiederholt wurde, spricht ebenso für sich wie die immer noch nicht allzu häufigen Begehungen von Charlie Chaplin in der Lalidererwand oder Heiße Nummer im Oberreintal. Da sind absolutes Commitment und alpine Kompetenz gefragt; wer’s drauf hat, findet hier – und nur hier – eine Möglichkeit, dieses Potenzial zu verwirklichen; bei manchen Routen würde schon eine Abseilpiste in Reichweite die Intensität des Abenteuers verwässern.

 

„Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, stätdtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt“, steht im Bayerischen Denkmalschutzgesetz. Lässt sich diese Definition sinnvoll auf Kletterrouten übertragen? „Von Menschen geschaffene Sachen“ sind sie ja nicht gerade, denn die Linie durch eine Wand ist hauptsächlich eine Idee; allerdings genauso kreativ und nachempfindbar wie ein Gedicht oder eine Melodie.

 

„Vergangene Zeiten“ werden im Bergsport kurzfristiger gemessen als in der Architektur: Die bundhosigen, bollerschuhigen, hakenrasselnden 1960er waren eine völlig andere Alpinepoche als die 1980er mit Maler- und Lycrahosen, Klemmkeilen und
Friends; ihre jeweiligen Marksteine haben entsprechend unterschiedlichen Charakter, aber gewiss „geschichtliche Bedeutung“. Ob ihre Erhaltung „im Interesse der Allgemeinheit liegt“, ist nun die Frage. Jedenfalls hätte die Definition von Denkmalrouten ein ganz anderes Ziel als die Koordination von Sanierungen: Beim Sanieren geht es darum, alpinen Pluralismus ausgewogen zu gestalten, verschiedenen Motivationen ausreichend Spiel-Raum zu geben. Bezeichnet man dagegen Kletterrouten als Denkmäler, schafft man eine neue, eigenständige Qualität: Alpinismus als Form von Kultur.

 

Um ein schönes Haus zum Denkmal zu machen, braucht es keine formale Anerkennung, die Eintragung in die Denkmalliste dient nur der Klarstellung. Für Alpinrouten dagegen wäre eine Positivliste sinnvoll, um eine moderne Überbauung zu bremsen; diese zu erstellen, könnte eine neue Aufgabe für die regionalen Arbeitskreise sein. Setzt man angemessen strenge Kriterien für die Auswahl an, wären es wohl nicht mehr als ein, zwei Handvoll Denkmalrouten pro Kletterregion; diese sollten von jeglichen Sanierungsaktionen verschont bleiben und auch ihre nähere Umgebung dürfte nicht durch Bohrhaken kontaminiert werden. Man könnte sie veröffentlichen (Buch, Internet) und dabei dokumentieren, was sie zum Denkmal macht. Womöglich gar mit einer Plakette am Einstieg darauf hinweisen? Oder diesen unmarkiert lassen, weil auch das Finden zum Erlebnis gehört?

 

Jedenfalls scheint das amtlich definierte Ziel des Denkmalschutzes, „das Original wieder erlebbar zu machen“, auch für bestimmte Kletterrouten wünschenswert.
 
Wenn wir mal vernachlässigen, dass . . .

 

a) die einstigen Markstein-Erschließer die absolute Elite ihrer
Zeit waren, heutige Breitensportler sich also dort nicht unbedingt
leicht tun,

 

b) andererseits mit besserem Kletterkönnen, Ausrüstung und
mobilen Sicherungen einstige Toptouren heute erschwinglicher
sind,

 

c) was seinerseits das Nacherleben relativiert,

 

d) da man ja ohnehin in ganz anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
lebt.

 

Man könnte natürlich darüber lästern, wenn im allgemeinen Zertifikate-Wahn nach Premium-Wanderwegen und Erlebnis-Klettersteigen nun besonders grusel-qualifizierte Klettereien zu Denkmal-Routen geadelt werden sollen. Man kann aber auch versuchen, den Besuchern der Berge das Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass sie nicht nur ein tolles Turn- und Fungerät sind, sondern (neben einigem anderen) auch Heimat einer leidenschaftlichen Kultur. Bergsport als Kulturtätigkeit? Klar: Bergsport ist auch Sport. Aber die anderen Facetten unter Edelstahl zu verschütten, wäre doch schade.

 

 

Text von Andi Dick als Download:

 

Denkmalrouten Berg & Steigen 2012 , 3,0 MB

 

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