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Pariser Klima-Abkommen setzt klares Zeichen

16.12.2015, 13:24 Uhr

Sechs Jahre nach der gescheiterten Konferenz von Kopenhagen einigt sich die UN-Staatengemeinschaft auf einen historischen "Weltklimavertrag". Ein wichtiges Signal, dem jetzt Taten folgen müssen.


“Jede Regierung auf der Welt scheint nun verstanden zu haben, dass das Zeitalter der fossilen Energieträger enden muss und zwar bald.“, resümierte Bill Mc Kibben, Gründer der globalen Klimabewegung 350.org.

 

Es ist ein historischer Deal, der am Wochenende in Paris beschlossen wurde: Zum ersten Mal verpflichteten sich alle Staaten der Welt zum Klimaschutz. Das Kyoto-Protokoll galt nur für Industriestaaten, der Vertrag von Paris gilt nun für alle Mitgliedsländer der Vereinten Nationen. Vier Jahre dauerte der Verhandlungsprozess, bis auf der zweiwöchigen Klimakonferenz in Paris ein Vertrag beschlossen wurde.

 

Was steht drin?

Die Staatengemeinschaft hat sich auf ein langfristiges Temperaturziel geeinigt: Die globale Erwärmung soll auf deutlich unter 2 Grad begrenzt werden, nach Möglichkeit unter 1,5 Grad. Unter dem Strich sollen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre emittiert werden. Allein das ist ein wichtiges Signal an Investoren und die Wirtschaft. In den zwei Wochen der Klimaverhandlungen konnte man deutlich sehen, wie die Aktienkurse der großen Ölfirmen wie BP und Shell stark einbrachen.

 

„Dieses Abkommen befördert die Ölkonzerne auf die falsche Seite der Geschichte“, konstatierte Greenpeace-Chef Kumi Naidoo in Paris. Die konkreten Klimaschutzziele der einzelnen Länder reichen bis 2030. Bereits im Vorfeld der Klimakonferenz hatten die einzelnen Staaten ihre nationalen Klimaschutzpläne verkündet, sogenannte Intended National Determined Contributions (INDCs). Für viele Länder war es das erste Mal, dass sie einen detaillierten Klimaschutzplan ausarbeiteten. Die Pariser Konferenz zeigte schon im Vorfeld Wirkung.

 

Allerdings reichen die INDCs nicht aus, um die globale Erwärmung auf 2 Grad oder sogar nur 1,5 Grad zu beschränken. Sie liefen auf eine Erwärmung von fast 3 Grad bis Ende des Jahrhunderts hinaus. Deshalb enthält das Abkommen von Paris einen sogenannten Ambitionsmechanismus: Alle fünf Jahre müssen die Staaten ihre nationalen Klimaschutzziele überprüfen und neue Pläne vorlegen, die ehrgeiziger sind als die bisherigen. Das Abkommen von Paris ist weniger Lösung der Klimapolitik als Grundlage für die Klimapolitik der nächsten 15 Jahre.

 

Klimaschäden und Anpassung an den Klimawandel

Das Abkommen enthält aber nicht nur Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Der Klimawandel trifft bereits heute viele Länder besonders hart: Stürme, Überschwemmungen und Dürren zerstören die Lebensgrundlagen der Menschen in Ländern wie Bangladesh, den Phillipinen oder Ghana.

Besonders diese Staaten drängten darauf, nicht nur Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels im Abkommen zu verankern. Der Pariser Vertrag deckt auch Maßnahmen zur Anpassung an höhere Meeresspiegel und stärkere Stürme ab. Industrieländer sollen ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar bereitstellen, damit ärmere Länder es sich überhaupt leisten können, Klimaschutz zu betreiben und sich an die Folgen der globalen Erwärmung anzupassen.

 

Was bedeutet das Klimaabkommen?

Das Pariser Abkommen ist ein Wendepunkt für die Menschheit. Zum erstenmal in der Geschichte hat die internationale Gemeinschaft die Grundlage geschaffen, die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzumildern, und gleichzeitig die Möglichkeit geschaffen, dass die globale Wirtschaft ergrünt“, resümierte Michael Brune, Geschäftsführer des Sierra Clubs in Paris.

 

Nun kommt es darauf an, das internationale Abkommen national umzusetzen. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte bereits während der Konferenz in Paris Deutschlands Ausstieg aus der Kohlekraft gefordert. Das Abkommen von Paris war ein historischer Schritt, nun ist es an den Regierungen es auch umzusetzen.

 

Andreas Sieber ist Mitglied der DAV-Sektion Regensburg und schreibt als freier Journalist vor allem zu Umwelt- und Klimaschutzthemen. Er hat für verschiedene NGOs gearbeitet und war im Rahmen des Climate-Tracker-Programms als Beobachter vor Ort bei den Verhandlungen in Paris.