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Magazin des Deutschen Alpenvereins

Ausgabe 1/2014

Venter und Ötztaler Runde

Skitouren in den Ötztaler Alpen

Skitour-Wildspitze

Am Fuß der Wildspitze blickt man zurück auf die wieße Weite der Ötztaler Alpen, Foto: Stefan Herbke

 
Die Venter Runde zählt zu den bekanntesten Skidurchquerungen der Ostalpen und ist der populäre Nachfolger der klassischen Ötztaler Runde. Zwei grandiose Rundtouren, die Raum lassen für eine besondere Variante, die Stefan Herbke ausgetüftelt hat.
 

Glück muss man haben. Oder die richtige Entscheidung treffen. Bei uns heißt das: Langtalereckhütte – oder anders gesagt: Ötztaler statt Venter Runde. Die fast schon klassische Ötztaler Skirundtour droht beinahe in Vergessenheit zu geraten, so beliebt wurde in den letzten Jahren durch extrem viele Medienberichte die Venter Runde, die bis auf den Ausgangspunkt und die erste Etappe identisch ist. Die meisten Tourengeher starten deshalb heute in Vent und marschieren in fünf Tagen über Similaunhütte, Schöne-Aussicht-Hütte, Hochjoch-Hospiz und Vernagthütte zurück nach Vent. Eine wunderschöne Skitourenrunde, nicht zuletzt weil mit Similaun (3599 m), Fineilspitze (3514 m), Weißkugel (3738 m), Fluchtkogel (3500 m) und Wildspitze (3768 m) einige der schönsten Ötztaler Skigipfel am Weg liegen, die jeweils allein schon Ziele wären.

 

Video: Skitour zum Schalfkogel

 

 

Die Venter Runde ist eigentlich perfekt, auch weil Start- und Endpunkt identisch sind. Aber ihr fehlt der Geheimtipp Schalfkogel – und deshalb beginnen wir diesmal in Obergurgl. Zum Glück, denn von Vent aus wären wir heute nicht weit gekommen. „Lawinen verschütteten heute den Anstiegsweg zur Martin-Busch-Hütte, einige Tourengeher haben sich weder vor noch zurück getraut und mussten ausgeflogen werden“, berichtet Georg Gufler, der sympathische Wirt der gemütlichen Langtalereckhütte. Der Zustieg zu ihm ist dagegen mit einer Pistenraupe hergerichtet und weitgehend sicher, obwohl man bei ungünstigen Verhältnissen auch hier aufpassen muss. Eine von Georgs Vater und Hüttenwirtsvorgänger Sigmund aus Dank errichtete Kapelle am Anstiegsweg erinnert an einen glimpflich ausgegangenen Lawinenunfall.

 

Skitour-Schalfkogel-Oetztal
Pfiffiger Einstieg: Die Skitour zum Schalfkogel führt durch einen Eistunnel, Foto: Stefan Herbke

 

Die Langtalertalereckhütte ist der perfekte Stützpunkt, das zeigt sich bereits beim Betreten, wo der erste Blick auf die Schuhheizung fällt. Richtig überrascht jedoch die schicke Erweiterung der alten Gaststube – schaut aus wie in einem stylishen Restaurant. Georg erinnert die neue Stube an sein Zuhause, schließlich stammt das 200 Jahre alte Holz der Vertäfelung aus dem ehemaligen Stall seines Hofs im Tal. 2012 wurde der Anbau mit neuen Zimmern im ersten Stock fertiggestellt. Eine wirklich gelungene Hüttenerweiterung, wobei es für das Bauvorhaben einen ganz einfachen Grund gab: Die bestehende Gaststube war schlichtweg zu klein und bot  nicht allen Gästen Platz. „Teilweise mussten die Gäste in der Küche essen und wir in irgendein Zimmer auswandern“, erinnert sich Georg an seine Kindheit auf der Hütte. Jetzt ist eigentlich alles in Ordnung (neue Sanitärräume sind noch geplant), nur Skitourengeher könnten mehr kommen. „Vent ist überall bekannt, wir sind die Stiefkinder“, sagt Georg, „die Venter Runde hat in den letzten Jahren massiv angezogen, auf Kosten der Ötztaler Runde.“ Was natürlich kein Nachteil sein muss: Die Langtalereckhütte drängt sich geradezu auf als Stützpunkt für mehrere Tage, so viele lohnende Berge stehen hier rum. „Der Schalfkogel ist ein Klassiker, das Eiskögele sehr beliebt, wir haben Touren für eine Woche“, spult Georg die Vorzüge der Hütte herunter, „seit mindestens sieben Jahren bietet der DAV Summit Club Skitouren von hier an – mit Erfolg.“

 

Video: Skitour zu Wildspitze und Fluchtkogel

 

 

Andererseits weiß Georg natürlich, dass ihm die echten Modeberge fehlen, oder anders gesagt: „Skitourengeher ordnen Gurgl am Ende des Ötztals vor allem als Hochburg der Pistenskifahrer ein.“  Soweit der Ruf; Tatsache ist aber, dass die Fläche der Skigebiete im Verhältnis zum Skitourenangebot sehr klein ist. Und die Gipfel müssen sich keinesfalls verstecken: Alleine die Seelenkögel bieten zig Möglichkeiten, die Abfahrt vom Hinteren Seelenkogel über den gewaltigen Wasserfallferner ist eine Klasse für sich. Genauso wie der Schalfkogel, dessen großartige, vergletscherte Nordostflanke so verführerisch über dem Talschluss von Gurgl leuchtet – ein Traum in Weiß. Ein wunderschöner Berg, auch wenn die Gletscher früher noch viel eindrucksvoller waren. Der Gletscherrückgang hat Nachteile („Noch 1932 bist im Winter mit Schuss vom Gurgler Ferner bis zur Hütte gekommen“) und Vorteile („Früher versperrte der Gletscher die Schlucht regelrecht, rausgekommen bist du nur über eine senkrechte, rund 30 Meter hohe Leiter. Und heute kannst du mit Ski bequem durch die Schlucht auf den Gletscher gehen“). Stimmt, doch davor steht eine morgens manchmal recht ruppige Abfahrt zur Gurgler Ache. Der Höhenverlust von 200 Metern ist schon nach wenigen Metern vergessen, so eindrucksvoll führt der Weg durch den engen Felsspalt, der einst durch eine Eisbarriere des Gurgler Ferners versperrt wurde. Der ist längst zurückgewichen, zumindest fast. Bevor sich das Tal weitet, stoßen wir im Frühjahr 2013 auf einen mächtigen, ausgehöhlten Toteiskörper, eine faszinierende Eisgrotte – und die Aufstiegsspur führt direkt hindurch.

 

Der Aufstieg zum Schalfkogel ist ein einziges Gehen und Schauen. Bei der steilen Traverse entlang des Sommerwegs hinauf zum Gletscherlappen des Kleinleitenkees wechseln wir vom Schatten ins Licht, zunehmend beeindruckt der Blick auf den immer noch gewaltigen Eisstrom des sanften Gurgler Ferners, aus dem wie ein Zahn der Felsen des Mitterkamms herausragt, oberhalb des Schalfkogeljochs tauchen am Horizont links und rechts der Hochwilde die Dolomiten auf, und nach dem kurzen, etwas luftigen Grat zum Gipfel bietet sich ein grandioser Rundblick. Der Schalfkogel erfüllt alle Erwartungen, nur die Abfahrt über die Nordostflanke muss warten auf ein andermal. Doch die zur Martin-Busch-Hütte ist auch ein Traum: Nach dem steilen, teilweise mit Drahtseil und Sicherungsstangen versehenen Abstieg vom Schalfkogeljoch auf den Nördlichen Schalfferner beginnt ein Abfahrtsgenuss in totaler Einsamkeit.

 

Skitour-Fluchtkogel-Abfahrt
Bei der Abfahrt vom Fluchtkogel spritzt der Firn, Foto: Stefan Herbke

 

Schon beim Aufstieg waren nur wenige unterwegs, doch jetzt, bei den Schwüngen über die Hänge im XXLFormat mit Blick auf die Hintere Schwärze und einen schier endlosen, gleißend weißen Schneeteppich, sind wir die Einzigen – niemand sonst ist heute auf der Langtalereckhütte zur Ötztaler Runde gestartet. Und das an einem Apriltag mit perfekten Firnverhältnissen, wie sie schöner nicht sein könnten. Glück muss man haben, das zeigt sich auch auf der Martin-Busch-Hütte. Auf der Terrasse steht Michl Scheiber und beobachtet uns mit dem Fernglas, wie wir die letzten Meter zur Hütte aufsteigen. Zeit hat er mehr als genug, denn auf der stattlichen Hütte mit 140 Schlafplätzen ist es mit 20 Gästen ungewöhnlich ruhig. „Wegen Lawinengefahr ist die Straße nach Vent gesperrt“, erklärt er. Und damit können auch heute keine Tourengeher von Vent aus aufsteigen, zumindest keine, die erst mittags oder später anreisen wollten. Für den Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte muss man früh dran sein, dann ist die Zufahrt nach Vent meist offen und der Zustieg durch das Niedertal noch gefahrlos möglich. Doch das Frühjahr 2013 ist einfach zu warm, entsprechend hoch ist die Lawinengefahr. Noch problematischer war es im Jahr 2009, damals war die Venter Straße allein im April achtzehnmal gesperrt. Früher wäre dies kein Problem gewesen, damals kamen die meisten Tourengeher von Obergurgl. „75 Prozent haben die klassische Ötztaler Runde gemacht“, erinnert sich Michl, „heute starten alle in Vent.“

 

Den kompletten Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von DAV Panorama

 

 

Ötztaler Runde Spezial, Fotos: Stefan Herbke

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