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Skitouren auf Pisten: Was darf man wo?

Die Rechtslage zum Thema „Skitouren auf Pisten“ ist in den einzelnen Alpenländern sehr unterschiedlich. Hier finden Sie ausführlichere Informationen zur Tabelle in DAV Panorama 1/2016, Seite 40.

 

Bayern

Seit 2014 ist nach mehreren Gerichtsurteilen die Rechtslage für Skitouren auf Pisten in Bayern weitgehend geklärt: Skipisten sind Teil der freien Natur (also keine Sportstätten!) und dürfen von Skifahrern zum Aufsteigen und Abfahren genutzt werden. Pauschale Pistensperrungen für Skitourengeher, die es in den Jahren zuvor gegeben hatte, verstoßen gegen geltendes Recht. Pistensperrungen sind jedoch zur Verhütung von „konkreten Gefahren“ und aus sonstigen wichtigen Gründen möglich oder gar erforderlich.

 

Konkrete Gefahren sind etwa starke Vereisung, Lawinengefahr oder Pistenpräparierung – vor allem, wenn Seilwinden eingesetzt werden, was heute sehr weit verbreitet ist. Aber auch dann kann nur vorübergehend, für die Dauer der Gefahrenlage, gesperrt werden. Zu beachten sind die FIS-Regeln und die DAV-Regeln für Skitouren auf Pisten. Für die bayerischen Skigebiete gibt es jeweils auf die Örtlichkeiten zugeschnittene Konzepte, die immer wieder angepasst werden. Alle Infos unter:

www.alpenverein.de/skitouren-auf-pisten

 

Österreich

In Österreich haben Tourengeher kein unbeschränktes Recht, über Skipisten aufzusteigen. Die „Wegefreiheit nach dem Forstgesetz“ greift auf Skipisten im Waldbereich nicht. Allerdings dürfen Tourengeher auch ohne Zustimmung des Bahnbetreibers jene Pisten frei begehen, auf denen nach entsprechend langer Benutzungsdauer (in der Regel 30 Jahre) Wegerechte ersessen wurden. In Vorarlberg haben Tourengeher bei geschlossener Schneedecke ein allgemeines Recht zur Benutzung von Skipisten. Pistensperren, etwa zur Präparierung, müssen Tourengeher selbstverständlich immer und überall beachten. Für Österreich gelten die „10 Empfehlungen für Pistentouren – sicher und fair!“ des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, an denen der Österreichische Alpenverein mitgewirkt hat. Zudem bieten viele Skigebiete individuelle Lösungen an. Infos z.B. zu Tirol unter:

tirol.gv.at/sport/richtlinien-initiativen/pistentouren

 

 

Schweiz

Skitouren auf Pisten sind in der Schweiz grundsätzlich unter der Voraussetzung erlaubt, dass die FIS-Regeln (Aufsteigen nur am Pistenrand!) und die neun Regeln für Skitourengeher auf Skipisten, die der Schweizer Alpen-Club (SAC) und der Verband „Seilbahnen Schweiz“ vereinbart haben, eingehalten werden. Nach dem Skibetrieb sind die Pisten zur Präparierung gesperrt. Immer mehr Skigebiete bieten aber Tourenabende an, Vorreiter-Region dabei ist das Westschweizer Greyerzerland.

www.sac-cas.ch

 

Italien

Grundsätzlich verbietet die nationale Bestimmung, Gesetz vom 24 Dezember 2003, Nr. 363 bezüglich „Norme in materia di sicurezza nella pratica degli sport invernali da discesa e da fondo“ unter Art. 15 das Begehen von Skipisten. Demnach ist in Italien das Pistentourengehen nur nach Bewilligung des Skipistenbetreibers oder in dringenden Fällen erlaubt. Verbote werden örtlich durch die Pistenpolizei (Carabinieri) streng kontrolliert.

 

In Südtirol findet man im Art. 20 des Landesgesetzes (Skipistengesetz) die Regelung, dass zwar allgemein der Zutritt zu den Pisten ohne Ski erlaubt ist, gleichzeitig wird für den Aufstieg mit angeschnallten Skiern auf die Bestimmungen der Landesregierung verwiesen. Diese Durchführungsbestimmungen wurden bis heute nicht erlassen, was bedeutet, dass es aufgrund der widersprüchlichen Staats- und Landesgesetze keine Rechtssicherheit in Südtirol gibt.

 

Immer mehr Betreiber machen von der Möglichkeit Gebrauch, das pauschale Verbot aufzuheben und in eigenem Ermessen Regelungen zu treffen, und bieten Aufstiegsmöglichkeiten an. Der Alpenverein Südtirol (AVS) unterhält eine lange Liste mit den Regelungen in Südtiroler Skigebieten. Zu beachten sind zudem die zehn „Empfehlungen für Skitouren auf Skipisten“ des AVS.

www.alpenverein.it

 

Unterschätzte Lebensgefahr: Windenseile

Skitouren auf Pisten

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Die Windenseil-Technik wird auf den meisten Pisten sämtlicher Skigebiete angewendet. Für Skitourengeher ist sie eine große Gefahr. Deshalb heißt es: Meiden Sie Pisten, die präpariert werden! Die Windenseil-Technik wird inzwischen auf den meisten Pisten sämtlicher Skigebiete angewendet, damit der Schnee durch das Gewicht der Pistenraupe nicht den Hang hinab geschoben, sondern zum Hang hin verdichtet wird. Auf der Pistenraupe ist dazu eine Winde mit Schwenkarm und einem mehrere hundert Meter langen, fingerdicken Stahlseil montiert. Das Seil wird am oberen Pistenende fixiert, beim Abwärtsfahren der Raupe rollt es sich über die Piste aus, aufwärts kommt die Raupe durch Aufwickeln des Seils.