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Deutsche Meisterschaften Skibergsteigen 2017 – Jennerstier ein voller Erfolg

20.02.2017, 12:02 Uhr

Die neuen Deutschen Meister im Skibergsteigen 2017 heißen Susi von Borstel und Toni Palzer - sowohl in der Disziplin Individual als auch im Vertical Race.

Palzer und Mayr sichern sich den Tagessieg im Vertical Race

Nach ergiebigem Schneefall am Freitag wurde das Wetter pünktlich zum Vertical Race Samstagvormittag deutlich besser. Und nachdem im letzten Jahr wegen Schneemangel ein Rennen im unteren Teil fast nicht möglich gewesen wäre, wurde dieses Jahr die perfekte Piste am Jenner von der Talstation zur Mittelstation mit seinen 560 m Höhenunterschied für ein packendes Aufstiegsrennen genutzt. Den Tagessieg sicherte sich bei den Herren Lokalmatador Toni Palzer (Sektion Berchtesgaden) vor Alexander Brandner (AUT) und Toni Lautenbacher (Sektion Bad Tölz). Beide Tonis hatten sich aus gesundheitlichen Gründen erst kurzfristig für einen Start am Jenner entschieden, wurden dann aber in der Vertical DM Wertung mit den ersten beiden Plätzen vor dem drittplatzierten Josef Huber (ebenfalls DAV Berchtesgaden) belohnt.

 

 Einen eindrucksvollen Sieg in der Tageswertung der Damen sicherte sich die Österreicherin Andrea Mayr. Als Weltklasse-Bergläuferin kann Mayr zahlreiche Erfolge vorweisen. Auf den Tourenski ist sie allerdings noch ein Neuling im Geschäft - hier mag man sich gar nicht ausmalen, welche Zeiten sie laufen würde, wenn sie ihre Technik noch etwas verfeinern würde. Mit Ihrer Zeit von knapp über 24 Minuten wäre Sie auch bei den Männern unter den 15 besten gelandet. Zweite hinter Mayr wurde Susi von Borstel (DAV Immenstadt) vor Maria Dimitra Theocharis (ITA). Damit holte sich von Borstel auch den DM-Titel vor Katharina Alberti (Seebacher La Sportiva Team) und Sophie Vorschneider (Triathlon Grassau). Mit dem Berchtesgadener Stefan Knopf wird auch bei der männlichen Jugend ein Einheimischer Deutscher Meister im Vertical Race. Er verweist Thomas Kletzenbauer und den deutlich jüngeren David Sambale (SC Immenstadt) auf die Plätze. In der Jugend weiblich heißt die deutsche Meisterin Maria Moderegger (DAV Berchtesgaden). Platz 2 belegt Theresa Grassl (DAV Berchtesgaden), Platz 3 Tessa Wötzel (DAV Oberstaufen-Lindenberg).

 

Die neuen Deutschen Meister heißen auch im Individual Race Palzer und Von Borstel

Am Sonntag konnte bei Königswetter und bedingt durch den Neuschnee exzellenten Bedingungen das Individual Race stattfinden. „So gute Bedingungen wie schon lange nicht mehr…“ attestierte nicht nur der Ressortleiter Leistungssport des DAV und Mitorganisator Matthias Keller. 

 

Und tatsächlich wies vor allem der berühmt berüchtigte Spinnergraben auf der Herrenstrecke beste Verhältnisse auf. Mit der spektakulären Abfahrt durch die teils felsumrahmte Rinne wurde das Rennen auch für die Zuschauer abgerundet. Denn was die Zuschauerfreundlichkeit angeht gibt es wohl kaum einen vergleichbaren Skitourenwettbewerb. Eine entscheidende Rolle spielt neben tollem Nationalpark-Ambiente (Königsee, Watzmann und Hohes Brett lassen grüßen) der Fakt, dass es einige Punkte gibt von denen beinahe die gesamte Strecke eingesehen werden kann. Der schnellste auf den knapp 1.600 Höhenmetern und einer Länge von gut 10 km war mit großem Abstand auch in diesem Jahr der alte und neue Deutsche Meister im Individual Race, Toni Palzer. Mit dem stark laufenden Philipp Reiter (Salomon) auf Platz zwei und Philipp Schädler (DAV Neu-Ulm) auf Platz drei gab es sogar ein rein deutsches Podium bei den Herren. Bei den Damen gewann Susi von Borstel (DAV Immenstadt) vor der Italienerin Maria Dimitra Theocharis und Ina Forchthammer (AUT). Hinter Susi von Borstel kamen Judith Grassl (DAV Berchtesgaden) und Katharina Alberti auf die Plätze zwei und drei der deutschen Meisterschaft. In der Jugend männlich entschied auch im Individual Race Stefan Knopf die DM und den Tagessieg für sich. Platz zwei ging an Jakob Wessling, Platz drei an David Färber (RSC Kempten). Der weibliche Jugendmeistertitel wurde aufgrund zu weniger Starter leider nicht vergeben.

 

Das Glück der Tüchtigen haben Teilnehmer und Organisatoren

Teilnehmer, Zuschauer und Organisatoren sind begeistert von einem außergewöhnlichen Rennwochenende. „Ein großartiges Erlebnis beim Jennerstier dabei zu sein…“ nicht nur der österreichische Athlet Peter Gruber hat das Rennwochenende so zusammengefasst: Zuschauer, Teilnehmer und Organisatoren gleichermaßen waren nach den zwei Renntagen am Jenner hellauf begeistert. Dabei war es ein Novum, dass im Rahmen des Jennerstiers gleich zwei Wettbewerbe ausgetragen wurden. Umso mehr muss den Organisatoren von der DAV Sektion Berchtesgaden ein großes Lob ausgesprochen werden, denn nicht nur die Qualität des Individual Race wurde im Vergleich zum letzten Jahr noch einmal angehoben, sondern auch das neu dazu gekommene Vertical Race war perfekt organisiert. Bedenkt man, dass das Vertical Race wegen Schneemangel auf der geplanten Stecke nur eine Woche vor dem Rennen von Ramsau (b. Berchtesgaden) an den Jenner verschoben werden musste, wird klar, dass das Orga-Team rund um Bernhard Kühnhauser eine organisatorische Meisterleistung vollbracht hat. In die Karten spielten den Veranstaltern dabei das Wetter und die hervorragenden Verhältnisse auf der Strecke.

 

2018 Jenner ohne Bahn

Wie der Jennerstier im Jahr 2018 aussieht, dürfte noch spannend werden, da in ca. 3 Wochen die bestehende Bahn abgerissen wird. Im Winter 2018 dürfte auf dem Jenner dann noch Baustellenbetrieb herrschen und die Organisatoren können ausnahmsweise nicht auf die hervorragende Unterstützung der Jennerbahn zählen. Der Vorsitzende der Sektion Berchtesgaden Beppo Maltan und OK Chef Bernhard Kühnhauser zeigten sich allerdings zuversichtlich und konstatierten, dass auch bei früheren Austragungen die Helfer das nötige Material per Pedes transportiert hätten. Die Veranstalter wollen in jedem Fall auch im kommenden Jahr an die erfolgreiche Austragung im Jahr 2017 anknüpfen.

 

Alpencup – ein Erfolgsgarant?

Mit knapp 100 Teilnehmern am Samstag und ca. 120 Teilnehmern am Sonntag wurden seit längerem wieder die „Hundertermarke“ überschritten. Teil des Erfolgs dürfte auch sein, dass der Jennerstier mit seinen zwei Rennen seit diesem Jahr zu einer neuen internationalen Rennserie, dem Alpencup, gehört. Neben der Erztrophy in Bischofshofen (AUT) und dem Jennerstier zählt auch die Marmotta Trophy im Südtiroler Martelltal (ITA) zum Alpencup. Die Wertung um den Gesamtsieg im Alpencup führt bei den Herren derzeit Toni Palzer, und bei den Damen Susi von Borstel an. Bei den Junioren männlich steht Stefan Knopf derzeit auf Platz 1 und bei den Junioren weiblich Tessa Wötzel auf Platz zwei. Damit dürfte sich nicht nur Alpencup-Erfinder Karl Posch auf das Finale im Südtiroler Martelltal freuen, sondern auch die vier Deutschen, die sich eine sehr gute Ausgangssituation für den Gesamtsieg erarbeitet haben.

Text: Michael Bückers
Fotos: Willi Seebacher / Marco Kost
 

Die DAV Skitourenrennen werden unterstützt von Seeberger.