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Erfolgreiche Erstbegehungen im Big Wall-Trainingscamp

01.09.2014, 20:33 Uhr

 

Große Wände im Val di Mello

 

Auf der Flucht vor dem bescheidenen Wetter in Deutschland machten wir uns auf den Weg ins Val di Mello nach Italien zum vierten Trainingscamp im Rahmen unserer Kader-Ausbildung. Thema der Trainingsmaßnahme dieses Mal war Techno-Kletterei an großen Wänden.

 

Nachdem wir am ersten Abend den Verlauf der Woche besprachen, ging es am folgenden Tag gleich zur Sache. Keiner von uns sechs Jungs hatte Erfahrung im Technoklettern, geschweige denn im Aufbau und Übernachten im Portaledge und anderen diversen Big Wall-Kompetenzen.

 

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Mystische Stimmung, Herren wie aus dem Katalog; ©David Göttler

Daniel Gebel (einer der besten deutschen Bigwall-Kletterer), der uns in dieser Woche als Trainer begleitete, erklärte uns das Spezialmaterial: Haken unterschiedlichster Art, Cliffs usw. Danach hieß es für uns: Ran an die Leitern! Meter für Meter arbeiteten wir uns hoch.

 

Am Nachmittag hörte es endlich auf zu regnen und wir machten uns auf zum steilsten Riss im Tal. Natürlich versuchten wir ihn technisch zu klettern. Hinterher bauten wir unser Schlafgemach (die Portaledges) auf und verbrachten die Nacht oben in der Wand. Wir wachten bei strömenden Regen auf. Ein Glück, dass wir unter einem riesigen Felsdach schliefen und somit halbwegs trocken bleiben konnten.

 

Am Vormittag hielten wir wegen des anhaltenden Regens ein Meeting, um zu besprechen, wo unsere Expedition in einem Jahr hingehen könnte. Wir klärten, welche Länder zu welcher Jahreszeit in Frage kämen. Ich kann dazu nur sagen, dass es nicht einfach ist, ein richtiges Ziel zu finden. Konkreter wird die Planung sicherlich diesen Herbst, wenn wir uns dazu erneut zusammensetzen werden.

 

Da es aufhörte zu regnen, durften wir wieder in die Seile. Daniel baute einen Parcours für uns auf. Es war alles dabei, was das Bigwall-Herz begehrt: mit Steigklemmen aufsteigen, Quergänge bewältigen, sogar unseren Trainer durften wir hochhaulen (er setzte sich in einen riesigen Sack und wir durften ihn die Wand raufschleifen).

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Wie Ameisen bei der Arbeit; ©David Göttler

Am nächsten Tag endlich blauer Himmel! Der Fels war zwar noch nass, aber wir waren voller Tatendrang. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf und jede baute einen Parcours mit Fixseilen auf. Da wir mit allen Lerneinheiten durch waren, war nun freies Klettern angesagt. Uns gelang von Rissen bis zu A3 Seillängen so ziemlich alles, was der Fels hergab.

 

Am Folgetag erhielten wir dann spannnende Infos von einem Local. Dieser verriet uns zwei unbekletterte Linien, die wir uns umgehend für eine Erstbegehung vornahmen. Wir packten die ganze Hardwear ein und machten uns auf den Weg ins Val Masino. Vier Stunden buckeln was das Zeug hält! Zum Piz Cengalo stiegen wir mit unseren Haulbags auf. Kurz bevor wir unsere Zelte aufschlagen konnten, fing es an zu schneien. In Sturm und Kälte schliefen wir ein. Am Morgen teilten wir uns wieder in zwei Gruppen auf und versuchten, die zwei neuen Linien erstzubegehen. Beide Seilschaften kamen an diesem Tag über die Hälfte der Wand hoch. Durch Zufall trafen wir uns oben wieder. Da das Wetter jedoch wieder kontinuierlich schlechter wurde, machten wir uns zum Rückzug auf und legten Fixseile für den nächsten Tag.

 

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Exponiert auf kleinstem Raum; ©David Göttler

Nach dem Frühstück stiegen wir voller Tatendrang erneut in die Wand ein. Beiden Seilschaften gelang der Ausstieg. Die erste Route erhielt den Namen „Anima Gemella“ (8 SL, 400m, 7b+), erstbegangen von Daniel Gebel, Raffaele Sebastiani, und mir, Josef Pfnür. Die zweite Route, erstbegangen von David Göttler, Tobias Karpinski, Xari Mayr und Andi Hammerstingl, wurde auf den Namen „Via Disomogenea“ getauft (9 SL, 440m, 6c A3). Kurz bevor es dunkel wurde, kehrten wir zu unseren Zelten zurück und schlossen das Trainingscamp erfolgreich ab. Nach dieser Woche haben wir alle reichlich dazu gelernt und unser Team ist erneut besser zusammengewachsen. Speziellen Dank gilt unseren Trainern David, Daniel Gebel und natürlich unseren Sponsoren. Ohne Euch hätten wir diese guten Erfahrungen nicht sammeln können.

 

Sepp Pfnür

 

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