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Step by step mit dem DAV - von der Kletterhalle an die Eiger Nordwand

21.01.2017, 16:06 Uhr

Finn Koch begann mit dem Klettern in den Kletterhallen von Tübingen und Reutlingen bevor er sich zuerst für die Nachwuchscamps des DAV bewarb, danach 2016 für den Expeditionskader der Herren. Er berichtet im folgenden über seine Erfahrungen mit den Förderprogrammen des DAV:

 

"09.12.2016. Um 15:00 Uhr erreichen wir den Gipfel. Fritz und ich fallen uns in die Arme. Hinter uns liegen knapp 2000 Höhenmeter und 9 Stunden anspruchsvolle Kletterei durch die wohl bekannteste Wand der Alpen. Die Eiger Nordwand.

 

Es ist nicht nur die Freude über den Erfolg diese Tour gemeistert zu haben – nein, uns verbindet mehr.

 

Erfahrungen mit der Sektion sammeln

Begonnen hat alles 2011, zunächst an der Kletterwand im heimischen Tübingen. Dann ging ich nach draußen. Zunächst reichten mir noch die gut eingebohrten Einseillängenrouten an den Felsen der Schwäbischen Alb, aber schon bald hing ich in irgendwelchen Mehrseillängentouren in den Alpen. Ich kletterte regelmäßig und mein Anspruch an den Schwierigkeitsgrad stieg schneller als mein Know-How. So hatte ich zum Beispiel viel zu wenig Ahnung über mobile Sicherungstechniken, Tourenplanung oder das Risiko- und Materialmanagement.

 

Im August 2013 hat die DAV-Sektion Reutlingen eine Jugendausfahrt nach Chamonix ausgeschrieben. Fritz Miller leitet die Ausfahrt. Es ist das erste Mal, dass ich mit Fritz unterwegs bin. Ich erlebe Tage, die ich nicht so schnell vergessen werde. Neben Fels- und Eisklettern besteige ich meine ersten beiden 4000er. Beinahe verschwinde ich unfreiwillig in einer Gletscherspalte. Fritz hält mich. Er weiß anscheinend, wo man nicht stehen darf und als Bergführer stehen muss. Wenn auch nicht die Landung in der Spalte, so hat doch die Ausfahrt bei mir voll eingeschlagen. Ich war angefressen und wollte mehr. Vor meinen Augen öffnete sich die ganze Spielwiese des Alpinismus.

 

Systematisch ans Bergsteigen rangehen

Fritz gehört wohl zu Deutschlands besten Bergsteigern und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Klar, dass Fritz ein Vorbild für mich ist.

 

Ich erkannte, dass ich dieses Thema systematischer angehen musste, um mich weiterentwickeln zu können. Mit der Schwierigkeit einer Tour steigen auch die Risiken und jeder Fehler kann fatale Folgen haben. Daher muss eine fundierte Ausbildung her.

 

Aber wie anstellen? Der schnellste und effzienteste Weg ist, mit erfahrenen Leuten unterwegs zu sein. Ich meine erfahrene Profis, nicht junge Wilde, die in haarsträubenden Aktionen in brüchigen Felswänden herumklettern. Das kriege ich schon selbst hin.

 

Der Schritt zum Nachwuchscamp

Also habe ich mich umgesehen und wurde beim DAV fündig. Das mehrgliederige Ausbildungskonzept des DAV taugte mir. Denn gerade jetzt in 2014 gab der DAV den Startschuss für eine neue Art der Jugendförderung. Die Nachwuchscamps wurden ins Leben gerufen.

 

Ziel der Nachwuchscamps ist es, die sportliche Lücke zwischen dem JDAV Kursprogramm und dem DAV Expedkader zu schließen. In regelmäßigen Abständen finden zu den unterschiedlichsten Disziplinen des Bergsteigens solche Camps statt. Ein angemessener Tourenbericht muss bei der Bewerbung vorgelegt werden, um ein solides Kletterniveau der Teilnehmer zu garantieren. Die Zielgruppe sind alpinistisch ambitionierte Jugendliche zwischen 14 und 23 Jahren.

 

Die Nachwuchscamps dauern immer etwa eine Woche. Mit von der Partie sind jeweils drei Bergführer für circa zehn Teilnehmer. Der DAV und der Sportartikelhersteller „Mountain Equipment“ sponsoren die Camps, die Teilnehmer müssen nur einen Teil der Kosten selbst tragen.

 

Du fragst Dich, warum mit dem DAV auf ein Camp gehen, wenn ich mit meinen Kumpels auch alleine zum Klettern fahren kann?

 

Mit Spaß vorwärts kommen

Die Antwort liegt auf der Hand. Wenn du dich auf ein höheres Niveau entwickeln willst und dir die Techniken, Taktiken und Tricks von Profis, die sich jeden Tag mit dieser Materie beschäftigen, aneignen willst, sind die Nachwuchscamps die effektivste, günstigste und dazu auch noch spaßigste Art dies zu tun. Nimm deine Kumpels einfach mit!

 

Da auf ca. drei Teilnehmer ein Bergführer kommt, ist eine individuelle Ausbildung garantiert. In der Regel bist du mit einem Bergführer in der Seilschaft, so dass du unmittelbares Feedback zu deinem Handeln bekommst.

 

Motivation durch andere

Neben all der Ausbildung kletterst du richtig coole und anspruchsvolle Touren, wie zum Beispiel den Salbit Westgrat im Göschenental oder die Fiore di Corallo in Arco.

 

Um solche anspruchsvolle Klettertouren souverän und somit sicher durchsteigen zu können, brauchst du sozusagen einen großen Werkzeugkoffer mit den unterschiedlichsten Werkzeugen für jedes Problem. Umso mehr du mit Leuten kletterst, die diese Werkzeuge in ihrem Koffer haben, umso größer wird dein eigener Koffer. Ein Nachwuchscamp bietet die beste Gelegenheit für die Erweiterung deines Werkzeugkoffers.

 

 

Egal auf welchem Niveau du dich bewegst, du orientierst dich immer an der nächsten Leistungsstufe. Ich beispielsweise habe immer die Aktionen der DAV Expedkader-Athleten verfolgt. Als Xari im Dezember 2015 den Eiger über die Heckmair-Route an einem Tag durchstiegen hat, konnte ich es kaum glauben.

 

An solchen Zielen motiviere ich mich immer wieder für mein tägliches Training. Natürlich ist es dann umso schöner, wenn sich nach und nach Erfolge einstellen, von denen man früher nur geträumt hat.

 

Der Traum vom Expedkader

Solch ein Traum war auch, im Expedkader mitzuwirken. Dieser Kader wird alle drei Jahre, nach einer Woche Sichtungslehrgang, neu festgelegt. Die sechs Kandidaten die den Ausbildern am geeignetsten als Team vorkommen, schaffen den Sprung in diese einzigartige Nachwuchsförderung. Im Juni 2016 fand das Sichtungscamp für den aktuellen Expedkader statt und ich schaffte tatsächlich den Sprung in den Kader. Sicherlich war es von Vorteil, dass ich an den Nachwuchscamps teilgenommen hatte. Die Nachwuchscamps sind ein hervorragendes Sprungbrett für den Kader.

 

 

 

Überzeugt vom Ausbildungssystem des DAV

Nach den ersten Kadermaßnahmen bin ich mehr denn je vom Ausbildungssystem des DAV überzeugt. Der DAV und die Sponsoren ermöglichen uns durch ihr finanzielles Engagement eine top Ausbildung. Willst du mehr über den Kader und unsere Projekte erfahren? Dann besuche uns doch auf der Homepage (http://www.alpenverein.de/Bergsport/Expeditionen/) oder auf Facebook (DAV Expedkader- Männer)!

 

Dass ich mich in das sektionseigene Touren- und Ausbildungsprogramm integriere und mein Wissen weitergebe, ist für mich selbstverständlich. So wie auch ich von vielen verschiedenen Seiten unterstützt werde.

 

Finn Koch