2012-08-03 11:59:00
Expeditionskader
Die Vorbereitungen laufen...
Für die Jungs des derzeitigen Expedkaders des DAV neigt sich die Zeit der Vorbereitung langsam dem Ende zu. Dieses Ende soll jedoch noch einen Paukenschlag bereithalten: Die Abschlussexpedition, auf die sich der Kader während der letzten 2,5 Jahre intensiv und konzentriert vorbereitet hat. Ende September ist es soweit und der Flieger mit den Jungs verlässt Deutschland in Richtung China, wo sich das Team an einem bisher unbestiegenen Granitpfeiler versuchen wird.
Doch zuvor standen noch ein Höhenmedizinseminar in Ravensburg und ein Termin auf der Outdoor in Friedrichshafen an.


Anschließend ging es für das Team auf die Outdoor-Messe in Friedrichshafen am Bodensee, wo neben Terminen bei den Sponsoren des Kaders auch die offizielle Verabschiedung auf der Bühne des DAV Programmpunkt war.
Doch alle Theorie nützt nichts, wenn man vor Ort nicht fit ist. Das dachten sich auch die Jungs und waren verschiedentlich unterwegs, um ihre Fähigkeiten noch einmal zu testen und Feinheiten zu optimieren.
Als kleiner Einblick in ihre Vorbereitungstouren soll der nachfolgende Bericht von Dario und Max dienen:
"Ende der 80er Jahre legten Ivo Rabanser und Stefan Comploi eine Führe durch den rechten Teil des markanten Dachs in der 350m hohen Westwand der Meisules dla Biesces im Sellagebiet.
2008, Vint ani do, ladinisch für „Zwanzig Jahre danach“, gelang es Martin und Florian Riegler eine Freikletterlösung für das markante Dach zu finden und der ganzen Tour einen roten Punkt zu verpassen. Die Tour bewerteten sie mit 8a+ (UIAA X-).
Noch mal vier Jahre später quält sich mein Ford zu schon fortgeschrittener Stunde mit Reini und mir die steilen Kehren in Richtung Grödner Joch hoch.
Am nächsten Morgen empfängt uns ein kalter Wind, und so sind wir, neben der anspruchsvollen Orientierung, vor allem damit beschäftigt, unsere Motivation am Wegfliegen zu hindern.
Endlich am Fuß der Wand angelangt, erwarten uns erstmal neun recht alpine Längen, die einmal kurz den unteren neunten Grad streifen. Die stellenweise üppige Vegetation stört wohl nur mich südfrankreichverwöhnten Sportkletterer, beim Allgäuer erzeugt sie eher Heimatgefühle.
Unter dem großen Dach angelangt, muss man an betagten, aber zum Glück reichlich vorhanden Haken etwas in die Techniktrickkiste greifen, um das weit ausladende Dach mit ein paar Hooks zu überlisten. Danach gelingt mir im ersten Rotpunktversuch die freie Begehung.
Der brüchige Ausstieg fällt mir fast schwerer als die Crux im Dach, aber dank Reinis Fähigkeiten im Bruch erreichen wir pünktlich, mit der hinter dem Langkofel untergehenden Sonne, die Gipfelwiese.
Zwei Tage später gelang uns noch ein Team-Onsight der etwas zu hoch gehandelten „Skotonata galaktika“ (13Sl bis ca. IX-) an der Cima Scotoni.
In der Zwischenzeit versuchte sich auch Mirko für die im Herbst anstehende Expedition nach China vorzubereiten. Da er ursprünglich aus der Halle und vom Sportklettern kommt, wollte er unter anderem seine Technokletterfähigkeiten verbessern.

Für seinen Seilpartner Simon, mit dem er das erste Mal kletterte, war die “Muja Hedder” (170 m, VI, A2+) im Göscheneralptal die erste Technotour. Trotzdem wollten die Zwei das Biwakband überklettern und die 7 Seillängen an einem Tag klettern. Um 6 Uhr wurden noch die riesigen Rucksäcke gepackt und ein sehr hilfreiches Sitzbrett aus einem Küchenbrett gesägt. Da sie für manche Seillängen mehrere Stunden brauchten, war es für den Sichernden an manchen Ständen ganz angenehm, dass er die Zeit nicht im Gurt im Überhang hängend verbringen musste.
Nach der ersten Seillänge konnten die Kletterschuhe schon wieder im Haulbag verstaut werden, da es fortan fast nur noch mit Trittleitern dahin ging. Mirkos zähes Vorankommen versetzte Simon beim Sichern auf einem Grasband liegend in einen tiefen Schlaf. Erst als Mirkos kleinster Ballnut doch nicht hielt, wurde er unsanft wieder aufgeweckt.
Mit dem letzten Licht erreichten sie endlich den Ausstieg und waren nach Abseilerei und Abstieg um 23h wieder am Parkplatz. Leider gab es in der Tour einige nicht unbedingt nötige Bohrhaken und etliche Bathooks. Trotzdem ist die Route als Vorbereitung für längere und schwerere Tecnotouren zu empfehlen, da man viele Techniken wie Hakenschlagen, Cliffen, Haulen, Cleanen und Jumaren einschleifen kann.“




