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Wintererfolg am K2

17.01.2021, 14:22 Uhr

Es ist geschafft: Am 16. Januar wurde der K2, der zweithöchste Berg der Erde, zum ersten Mal im Winter bestiegen.

Er gilt als schwierigster Achttausender: der K2 / Chogori (8611 m), zweithöchster Berg der Erde und laut Reinhold Messner der "Berg der Berge". Seit seiner Erstbesteigung 1954 erreichten nur rund 300 Bergsteiger den Gipfel im pakistanischen Karakorum, immer wieder gab es schwere Unglücksfälle. Denn schon der "Normalweg" über den Abruzzigrat ist steiler und schwieriger als die meisten anderen Anstiege auf Achttausender.

Deshalb und auch weil das Karakorumgebirge im Winter noch kälter ist als der Himalaya, war der K2 der letzte Achttausender, der noch nie im Winter bestiegen worden war. Etliche Expeditionen mit Top-Alpinisten scheiterten in den letzten Jahren an diesem Ziel, keiner kam im Winter über 7650 Meter Höhe hinauf.

Nun, am 16. Januar 2021, gelang einer Gruppe von zehn nepalesischen Sherpas die Winterbesteigung - eines der großen Ziele im Höhenbergsteigen ist damit erreicht. Und Nirmal Purja hat es nach eigenen Angaben sogar ohne Hilfssauerstoff geschafft.

 

Einheimische Meister

Rund 60 Top-Alpinisten sammelten sich diesen Winter im Basislager unter dem K2, um die Besteigung zu versuchen. So viele Menschen im Winter auf dieser anspruchsvollen Route? Experten befürchteten Chaos und Katastrophen. Doch das blieb weitgehend aus. Zwar wurde das Lager 2 von einem Schneesturm verwüstet, doch man gab nicht auf.

Die ursprünglich unabhängig agierenden Teams  von Nirmal Purja, Mingma Gyalje Sherpa und dem nepalischen Expeditionsveranstalter Seven Summit Treks vereinten ihre Kräfte. Und gegen 17 Uhr Ortszeit am 16.1.2021 standen sie auf dem Gipfel: Nirmal Purja, Dawa Temba Sherpa, Mingma David Sherpa, Geljen Sherpa, Pem Chhiri Sherpa, Mingma Tenzi Sherpa, Mingma Gyalje Sherpa, Dawa Tenjin Sherpa, Kilu Pemba Sherpa und Sona Sherpa. Kurz unter dem Gipfel hatten sie noch aufeinander gewartet, um die letzten Schritte gemeinsam zu gehen, die nepalische Nationalhymne singend.

Damit zeigten die Bergsteiger aus Nepal, dass sie Meister des Höhenbergsteigens sind und nicht nur Träger, Begleiter und Wegbereiter für ausländische Touristen. Und ihre gesunde Rückkehr ins Basislager am 17.1. belegt ihr sorgfältiges, kompetentes und verantwortungsvolles Vorgehen.

"Geschichte ist gemacht für die Menschheit, Geschichte für Nepal", schrieb Nirmal Purja auf seiner Website. Der ehemalige Gurkha- und britische Elitesoldat hatte vor zwei Jahren Schlagzeilen gemacht, als er innerhalb von sieben Monaten alle 14 Achttausender bestieg, dabei aber teilweise Hilfssauerstoff benutzte. Am K2 war er nun trotz der Winterkälte laut eigenen Angaben im besten Stil unterwegs: Ohne Hilfssauerstoff, und teilweise leistete er sogar die Spurarbeit.

 

Keine Höhen ohne Tiefen

Ganz ohne Unfall verlief der K2-Winter leider doch nicht: Durch einen Absturz starb der spanische Alpinist Sergi Mingote unterhalb von Lager 1 nach einem Akklimatisationsgang auf 7200 Meter. Er hatte sieben Achttausender ohne Hilfssauerstoff innerhalb von eineinhalb Jahren bestiegen und war als Leiter für Seven Summit Treks am Berg.