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Wettkampf-Equipment

02.10.2019, 10:10 Uhr

Das wichtigste Utensil beim Klettern? Neben dem Gehirn als wichtigstem Muskel wohl die Schuhe. Aber Kletterer bedienen sich noch weiterer hilfreicher Utensilien bei ihrem Sport.

Schuhe

Für Kletterer sind die Schuhe wohl das wichtigste Utensil: Erst sie ermöglichen wirklich schwere Routen. Schuhe müssen daher perfekt passen. Sie dürfen nicht verrutschen und liegen deshalb sehr eng am Fuß an. Ambitionierte Kletterer wählen sie immer ein bis zwei Nummern kleiner als ihre Straßenschuhe. Jeder Kletterer muss für sich selbst herausfinden, welcher Schuh ihm unter einem riesigen Angebot perfekt passt, das ist immer auch von der jeweiligen Fußform abhängig. Daneben ist die Frage, was er damit klettern will: Es gibt harte und weiche Schuhe, vorne abgerundete oder eher spitze und solche mit weniger oder mehr Vorspannung. Harte Schuhe eignen sich beispielsweise für kleine Tritte, da man sie sehr präzise setzen kann. Viele Wettkampfkletterer aber tragen weichere Kletterschuhe. Mit diesen nämlich hat man mehr „Gefühl“ am Fuß, sie sind also perfekt für große Tritte und vor allem für Volumen, da sie dort guten Halt finden und nicht wegrutschen. Wichtig für Wettkampfkletterer ist aber auch, dass der Schuh an der Ferse gut sitzt, um einen stabilen Foothook setzen zu können.

 

Aber selbst wenn ein Athlet den für sich optimalen Schuh gefunden hat, tragen viele im Training häufig andere Schuhe. Viele nehmen auch beim Wettkampf andere Schuhe mit auf die Matte, um sich dem jeweiligen Boulder anpassen zu können. Bei einem Volumenboulder werden dann beispielsweise weiche Schuhe angezogen. Manche Kletterer, wie Adam Ondra in der Route Silence 9c, tragen teilweise sogar am rechten und linken Fuß unterschiedliche Schuhe, je nach Anspruch einer Tour. Die meisten Spitzenkletterer haben Sponsorenverträge. Das bedeutet, dass sie im Wettkampf und bei offiziellen Auftritten dann einen Schuh ihres Sponsors tragen müssen.

 

Ein Kletterschuh ermöglicht, die Kraft im Vorderfuß zu konzentrieren und eine maximale Belastung der Zehenspitzen zu erreichen. Das geschieht, indem über einen Gummizug an der Ferse in der Sohle eine Spannung aufgebaut wird, die sogenannte Vorspannung. Je größer diese ist, umso aggressiver ist der Schuh. Die andere Möglichkeit ist, die Sohle so zu biegen, dass die Kraft vorne im großen Zeh zusammenläuft. Der Schuh hat dann eine charakteristische Krümmung, den Downturn. Durch diesen fällt nicht nur das Stehen auf kleinen Tritten, sondern auch das Heranziehen über einen Tritt leichter.

 

Moderne Kletterschuhe werden aus Kunststoff oder Leder gefertigt. Es gibt welche mit Klettverschluss, zum Schnüren und Slipper. Wettkampfathleten wählen zumeist Schuhe mit Klettverschluss, Velcros, da diese schneller an- und ausgezogen werden können. Den ersten modernen Reibungskletterschuh gab es in Deutschland übrigens zu Beginn der 80er-Jahre zu kaufen. Zuvor wurde in Bergstiefeln, Turnschuhen, Eigenkonstruktionen oder auch barfuß geklettert.

 

Seile

Kletterseile dienen zur Sicherung der Kletternden. Bis in die 60er-Jahre waren diese fast ausschließlich aus Hanf. Dann erst wurde Hanf durch Polyamidfasern ersetzt und das Kernmantelseil auf den Markt gebracht. Das war ein Meilenstein in der Klettergeschichte, denn durch diese modernen Seile wurde Stürze, die zuvor vermieden wurden, erst möglich – und damit auch das schwere Klettern.

 

Heute bestehen die Seile aus einem geflochtenen Kern aus sogenannten Litzen, der für die Reißfestigkeit zuständig ist. Um diesen herum wird zum Schutz ein Mantel gewoben. Bei Kletterseilen kommen ausschließlich dynamische Seile zum Einsatz. Durch die Dehnung kann das Kletterseil höhere kinetische Sturzenergien aufnehmen. Verantwortlich für die Reißfestigkeit ist die Beschaffenheit des Kerns. Die Mindestfestigkeitswerte der heute in Deutschland erhältlichen Kletterseile sind nach Vorgaben der UIAA genormt. Kletterseile werden in Versuchsanlagen unter Laborbedingungen getestet – überprüft werden nach der Europäischen Norm (EN) 892 beispielsweise das Seilgewicht pro Meter Länge, der maximale Fangstoß, Mantelverschiebung, die statische und dynamische Dehnung sowie die Anzahl der Normstürze. Ein Seilstück muss den Sturz von 80 Kilogramm aus 4,80 Metern Höhe in ein ebenso langes Seilstück mindestens fünf Mal aushalten, ohne zu reißen. Dabei muss es sich aber so weit dehnen, dass der Fangstoß, also die Kraftwirkung auf den Anseilpunkt des Kletterers, zwölf Kilonewton nicht übersteigt. Seile müssen den Kletterer beim Abseilen, Ablassen, Ruhen oder bei einem Sturz halten. Das Seil wird in einer Route in jede Zwischensicherung eingehängt, um die Sturzhöhe zu verringern. Beim Wettkampfklettern (wie auch beim Sportklettern) werden Einfachseile verwendet. Das Einfachseil wird, wie es der Name schon sagt, als Einzelstrang benutzt und ist im Handling am einfachsten. Der Seildurchmesser beträgt zwischen 8,5 und 10,5 Millimeter.

 

Chalkbag/Chalk

Kletterer bezeichnen Magnesia als Chalk (Englisch für Kreide). Es wird zum Trocknen der Hände verwendet, um besseren Grip zu haben und nicht von den Griffen abzurutschen. Chalk gibt es in ganz unterschiedlichen Formen: Grobkörnig, mehlartig oder auch im Block. Jeder Athlet hat seine bevorzugte Marke. Das Chalk wird in einem kleinen Beutel, dem Chalkbag, gefüllt, der mit einem dünnen Band um die Hüfte befestigt wird. Daneben gibt es auch flüssiges Chalk, das Athleten vor allem im Wettkampf benutzen, da es länger haftet und eine extrem trocknende Wirkung hat.