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Was ist Olympic Combined?

Im Sommer 2016 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme von Sportklettern in das Olympische Programm. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020 wird die Premiere stattfinden. Der Wettkampfmodus für Tokio ist ein neu geschaffenes Kombinationsformat, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt.

Der Wettkampf bei Olympic Combined läuft über zwei Runden: Qualifikation und Finale, die an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Jede Athletin und jeder Athlet muss in allen drei Disziplinen starten. Die Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommt Bouldern und als letzte Disziplin Lead.

 

Die Ergebnisse aus der Qualifikationsrunde werden multipliziert und daraus ein Ranking erstellt. Kletterer A hat beispielsweise in den drei Disziplinen die Platzierungen 2, 5 und 10, die multipliziert eine Punktezahl von 100 ergeben. Kletterer B landet in allen drei Disziplinen auf Platz 6 und erhält 216 Punkte. Kletterer A hat weniger Punkte, landet in der Gesamtwertung also vor Kletterer B und hat bessere Chancen, ins Finale einzuziehen. Die acht Athleten mit der niedrigsten Punktezahl werden dort starten. Im Finale werden die drei Disziplinen mit kurzer Pause direkt hintereinander geklettert.

 

Wege nach Olympia

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich für Tokio zu qualifizieren. Insgesamt dürfen 20 Damen und 20 Herren bei den Olympischen Sommerspielen starten, jeweils maximal zwei Damen und Herren pro Land. Die erste Chance haben die Athletinnen und Athleten in diesem Jahr bei der Weltmeisterschaft (WM) im August in Japan. Dort gibt es einen eigenen Wettkampf im neuen Olympic-Combined-Format. Die jeweils besten sieben Damen und Herren daraus qualifizieren sich für eine Teilnahme.

 

 

Eine weitere Möglichkeit gibt es Ende November im französischen Toulouse. Dort treten die 20 besten Athleten aus der Overall-Wertung aller Weltcups in diesem Jahr gegeneinander an. Diejenigen, die sich bereits bei der WM für Olympia qualifiziert haben, werden aus der Overall-Wertung hinausgerechnet. Die jeweils besten sechs Damen und Herren des Combined-Wettkampfs in Toulouse sind dann ebenfalls für Olympia 2020 gesetzt. Die letzte Möglichkeit sich zu qualifizieren, sind schließlich die Kontinentalmeisterschaften 2020: Die fünf Gewinner dürfen ebenfalls in Tokio starten.

 

 

Die zwei verbleibenden Plätze werden durch das Gastgeberland Japan und dem IOC vergeben.

 

Ablauf eines Wettkampfs

In der Qualifikationsrunde der Olympischen Sommerspiele treten die 20 Herren und 20 Damen getrennt voneinander an. Erste Disziplin ist Speed: Beim Speed wird gleichzeitig an zwei parallelen Routen geklettert, der Bahn A und der Bahn B. Insgesamt hat jeder Teilnehmer zwei Gos: einen auf Bahn A und einen auf Bahn B. Vor dem Start müssen die Finalistinnen und Finalisten in die Isolation und werden dann einzeln aufgerufen.

 

Das Boulder-Format ist das gleiche wie das bei einem Weltcup-Halbfinale. Dort gibt es vier Boulder. Jede Kletterin und jeder Kletterer hat fünf Minuten Zeit, um den Boulder möglichst zu toppen. Hier gilt: je mehr Boulder in möglichst wenigen Versuchen gemacht werden, umso besser ist das für das Ergebnis.

 

Auch die Lead-Qalifikation läuft wie ein Weltcup-Halbfinale ab. Das heißt, dass eine Tour „onsight“ geklettert werden muss. Kurz vor dem Start haben die Athletinnen und Athleten sechs Minuten Zeit, sich gemeinsam die Route anzusehen und sich die Griffabfolge einzuprägen. Dann geht es wieder zurück in die Iso und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden einzeln aufgerufen. Jede Kletterin und jeder Kletterer hat sechs Minuten zur Verfügung, um die Tour möglichst zu toppen.

 

In der Qualifikation hat jeder Starter zwischen Speed und Bouldern eine Mindestpause von 30 Minuten, zwischen Bouldern und Lead 120 Minuten.

 

Im Finale hat dann jeder Athlet zwischen seinen Starts eine Pause von mindestens 15 Minuten.

 

Im Finale wird wieder mit Speed begonnen. Die Startreihenfolge ergibt sich aus der Qualifikation, das heißt der Schnellste tritt gegen den Langsamsten aus dieser Runde an. Vor dem Start müssen die Finalistinnen und Finalisten in die Isolation. Das Finale findet im sogenannten KO-System statt. Der Schnellere gewinnt und kommt weiter, der andere Teilnehmer scheidet aus. Gesamtsieger wird, wer sich bis ans Ende im KO-System durchsetzt, was nicht immer bedeutet, dass er auch insgesamt der Schnellste war. Im Finale treten immer zwei Athleten parallel gegeneinander an, also einer auf Bahn A, der andere auf Bahn B.

 

Beim anschließenden Boulder-Finale gibt es eine neue Startreihenfolge. Derjenige, der im Speed-Finale den achten Platz belegte, startet nun als Erster, der Beste als Letzter. Hier gibt es wie in der Qualifikation vier Boulder. Diese dürfen vor dem Beginn gemeinsam zwei Minuten lang besichtigt werden. Maximal vier Minuten hat ein Finalist dann Zeit, um einen Boulder möglichst zu toppen, dann muss er wieder in die Zwischenisolation. Erst wenn alle acht Starter an der Reihe waren, geht es weiter zum nächsten Boulder. Bei einem Gleichstand zwischen zwei Athleten, also wenn beide die gleiche Wertung haben, entscheidet die Vorrunde über die Platzierung. Die Startreihenfolge für das Lead-Finale wird dann aus den Ergebnissen vom Speed- und Boulderfinale errechnet. Derjenige mit der höchsten Punktezahl startet als Erster im Leadfinale. Derjenige, der nach Speed und Bouldern auf Platz eins ist, also die niedrigste Punktezahl hat, als Letzter.

 

Im Leadfinale gibt es wie in der Qualifikation eine Tour, die vor dem Beginn gemeinsam sechs Minuten lang besichtigt werden kann. Maximal sechs Minuten hat dann jeder Kletterer Zeit, um die Route möglichst zu toppen, danach ist der nächste Starter an der Reihe. Diejenige oder derjenige, der am höchsten kommt, gewinnt. Bei Gleichstand ist hier nicht die Platzierung in der Qualifikation entscheidend, sondern die benötigte Kletterzeit im Finale: Der Schnellere liegt vorne.

 

Am Ende werden die Ergebnisse aus jeder Disziplin - also Lead, Bouldern und Speed - multipliziert. Derjenige mit der niedrigsten Zahl ist der Sieger und gewinnt als erste Kletterin oder Kletterer Olympia-Gold.

 

Herausforderungen

Das neue Olympic-Combined-Format bedeutet für die Athleten eine Herausforderung. Da nun drei verschiedene Disziplinen oft parallel trainiert werden müssen, hat sich das Trainingspensum noch einmal deutlich erhöht. Im Wettkampf ist dann viel Schnellkraft, Maximalkraft und Ausdauer gefragt. Die Ressourcen müssen gezielt eingesetzt werden. Und auch die Haut auf den Fingern muss möglichst geschont werden. Das Umstellen zwischen den drei Disziplinen in relativ kurzer Zeit bedeutet zudem eine große mentale Anstrengung. Im besten Fall – bei Finalteilnahme – müssen sich die Athleten sechs Mal erneut auf einen Start fokussieren.

 

Im vergangenen Jahr wurde das neue Wettkampfformat in Deutschland als eigener Combined-Wettkampf etabliert. Die Premiere der Deutschen Meisterschaft in Augsburg gewann bei den Damen Frederike Fell (DAV Freising) und bei den Herren Jan Hojer (DAV Frankfurt-Main).

 

Ausblick

Bei den Sommerspielen in Paris 2024 hat Sportklettern ebenfalls gute Chancen, vertreten zu sein. Dann voraussichtlich mit einer Kombination aus Bouldern und Lead und Speed als eigenem Wettkampf. Letztendlich liegt die Entscheidung darüber aber noch beim IOC und fällt erst nach Tokio 2020.

 

Was ist Speed-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Lead-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Lead, also das Klettern mit Seil, wird auch als Vorstiegs- oder Schwierigkeitsklettern bezeichnet. Es ist die traditionellste Disziplin des Kletterns. Hier geht es darum, eine definierte Route in einer vorgegeben Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern – beziehungsweise höher als die anderen Starterinnen und Starter zu kommen. Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich das Leadklettern als Wettkampfsportart etabliert – 1989 ging der erste Weltcup über die Bühne. Zu Beginn fanden die Wettkämpfe noch am Fels statt, beim „Rockmaster“ im italienischen Arco beispielsweise, einem der ältesten Sportkletterwettkämpfe überhaupt. Inzwischen aber werden Wettkämpfe in Hallen an bis zu 20 Meter hohen Kunstwänden durchgeführt. Für diese Disziplin ist vor allem Ausdauer und Kraft nötig. Daneben sind eine ausgefeilte Technik und eine gute Taktik gefragt, um an der Weltspitze mitklettern zu können. Zunehmend sieht man bei den Leadwettkämpfen aber auch spektakuläre Sprünge oder Bewegungen, wie die „Figure Four“, bei dem mangels Tritt das Bein über den Unterarm gehängt und aus dieser Position weitergezogen wird.   Das Niveau beim Leadklettern ist mittlerweile sehr hoch, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften beispielsweise sollte die männliche Jugend A den 9. UIAA-Grad beherrschen. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren liegen die Schwierigkeiten bereits bei UIAA 10/10+, international sogar noch höher: Bei den Weltcups werden Touren bis zum UIAA-Grad 11-/11 geklettert. 

Was ist Bouldern?

Die Sportart als Wettkampf

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Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen. Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher. 

Qualifikationsevents im Überblick

2019 – das Jahr der Entscheidung

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Jetzt geht’s los: In diesem Jahr werden die meisten Tickets für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vergeben. Die Reise nach Tokio führt über die Qualifizierungsevents. Wann sie stattfinden und wieviele Plätze dort vergeben werden, verrät Ihnen unsere Übersicht.