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Das SkimoTeamGermany

Toni Lautenbacher

29.07.2019, 13:45 Uhr

Toni Lautenbacher (28) – „Ich will auf meine gute Form 2019 aufbauen – und dann ist einiges drin!“

Als Athlet der Sportförderung findet Toni ideale Trainingsmöglichkeiten vor. „Ohne behördlichen Platz, in meinem Fall bei der Sportförderung, kannst du auf diesem Niveau einfach nicht mithalten“, erklärt er mit dankbarer Stimme.

Im Sommer 2018 hat er beim stark besetzten Grazi Man (Multisport-Wettkampf in Bad Reichenhall: Mountainbike, Berglauf und Gleitschirmflug) seine Bestzeit beim Laufen deutlich verbessert. Im Vergleich zu vielen anderen Skibergsteigern läuft Toni verhältnismäßig viel auf der Bahn. 60%, so sagt er, trainiert er im steilen Gelände, 40% im Flachen. Seine Geschwindigkeit und sein Talent fürs Laufen hat er bei zahlreichen 10-Kilometer-Rennen in der Region aufblitzen lassen.

Toni ist Deutscher Meister über die Sprint und die Individual Disziplin 2019. Bei der Weltmeisterschaft in Villars-sur-Ollon, CH erreichte er Podiumsplatzierungen.  Toni hat zu seiner mentalen Stärke zurückgefunden und 2020 deutet auf eine Topform hin. 

Wenn er einen Wünsch frei hätte, dann möchte er wieder gesund durch den Winter kommen. das hat bisher gut geklappt, so sind sich die Betreuer der Nationalmannschaft und seine Teamkollegen einig, kann es durchaus sein, dass Toni in der Weltcupserie 2020 mal vorne dranschmecken kann.

„Natürlich habe ich mir meine Gedanken gemacht, ob ich die Ski an den Nagel hängen soll nach der schwierigen Phase 2018. Aber für mich steht fest, dass ich erst aufhöre, wenn ich sagen kann, dass ich alles aus mir rausgeholt habe. Und ich weiß, dass noch mehr in mir drinsteckt“, sagt der nach zwei harten Jahren wieder topfitte Toni.

 

Stefan Knopf

Stefan Knopf (22) – Der Berchtesgadener Prototyp

 

Erst 22 Jahre alt, aber schon seit vier Jahren im Nationalteam: Stefan Knopf ist über den Status eines Talents hinaus und hat dieses Jahr Großes vor.

„Knepfei“, wie ihn seine Freunde nennen, ist der Prototyp eines Berchtesgadener Burschen. Wer ihn Skifahren sieht hat das Gefühl, dass er mit diesem Sportgerät an den Fußen auf die Welt gekommen ist. Bergauf lief er beim Limone Skyrace 2017 der internationalen Konkurrenz davon und landete zur Überraschung aller Experten auf Platz 3. Mittlerweile macht ihm das Klettern so richtig Spaß. „Ich kratze so am 9. Grad rum im Moment“, sagt er, als wäre das in Kombination mit den anderen Leistungen das Normalste der Welt.

„Meinem Körper tut’s vor allem gut, dass mein Training mittlerweile so abwechslungsreich ist. Ich mache viel für die Rumpfstabilität und das Krafttraining kommt auch nicht zu kurz. Aber das hilft alles nix, wenn du nicht hin und wieder mobilisierst, oder dich dehnst.“

 

Ihm funkeln die Augen, wenn das Gespräch auf den großen Klassiker der Szene, die Pierra Menta in Frankreich, fällt. „Ich hab ja die Junioren-Wertung (Anm. zwei anstatt vier Tage) schon mal gewonnen. Aber die richtige Pierra Menta kann noch warten.“

Über die neuen Strukturen bei Deutschen Alpenverein im Bereich Spitzensport und vor allem bei den Skibergsteigern freut er sich ganz besonders. „Da werden jetzt wirklich professionelle Strukturen eingezogen. Und das was die Jungen da geboten bekommen ist schon aller erste Sahne. Schade, dass es das zu meiner Zeit noch nicht so gegeben hat.“

Zu „Knepfeis“ Leistungsexplosion trägt mit Sicherheit auch sein Beruf bei der Landespolizei bei. Die Lehrgänge liegen so, dass er im Winter gut trainieren kann. Der gravierende Unterschied zu seiner Lehrzeit ist allerdings, dass er jetzt deutlich mehr Zeit zum Regenerieren hat. „Die meisten unterschätzen den Faktor Regeneration im Training. Du kannst dich schinden wie eine Ochse, aber wenn du keine Zeit zum Regenerieren hast, oder dir die Zeit nicht nimmst, dann geht gar nix vorwärts.“

Im Weltcupzirkus will er sich momentan noch auf keine Disziplin spezialisieren. Nach einer halben Saison mit verletztungspech greift Stefan Knopf 2020 hoch motiviert in einer neuen Startkategorie an und man wird noch sehr viel von ihm hören.

 

Toni Palzer

Anton Palzer (26) – „Lieber Europameister im Individual, als Gesamtweltcupsieger“

Durchlebt da etwa der Lausbub aus der Ramsau, der Spaßvogel der Skitourenszene, eine Verwandlung zum seriösen Supersportler? Toni Palzer, die „Ramsauer Rakete“, ist im Trainingslager vor der neuen Saison deutlich erwachsener, abgeklärter und noch fokussierter als in den Vorjahren. „Die Erfolge aber vor allem die Rückschläge in den letzten Jahren haben mich schon gescheiter gemacht. Da waren riesige Erfolge, wie die Weltcupsiege, dabei, aber auch brutale gesundheitliche Rückschläge. Und wenn du nach der Saison so darüber nachdenkst, dann merkst du schnell: mein Beruf ist zwar Profisportler, aber der Sport ist garantiert nicht alles“, gibt er zu.

 

Mit 26 Jahren gehört er zu den komplettesten Skibergsteiger unseres Planeten. Seit unfassbaren elf Jahren ist er fester und mittlerweile integrativer Bestandteil der Nationalmannschaft. Dass für ihn der Weg an die absolute Spitze kein leichter war gibt er unverblümt zu. „Im Nachhinein weiß ich schon, dass ich hin und wieder einen ziemlichen Schmarrn gemacht habe, vor allem beim Training. Mittlerweile sehe ich schon auch, dass es nicht gesund ist, wenn du vor Weihnachten 40 Tage am Gletscher trainierst, jeden Tag 4.000 Höhenmeter machst und auch noch oben schläfst.“ Er gesteht sich ein, dass sogar sein Körper tatsächlich auch mal Ruhe braucht, auch wenn es mit der Selbstdisziplin nicht immer ganz einfach ist.

„Es dauert einfach bis man die Erfahrungen macht, welches Training gut ist, was der Körper braucht und dass zwei Wettkampfsaisonen im Jahr unmöglich sind – außer du heißt Kilian Jornet“, ergänzt er mit einem Schmunzeln.

Trotz aller Fokussierung auf die neue Saison bleibt Toni ganz der „Alte“: Alleinunterhalter, Lausbub und mit Sicherheit auch heißer Kandidat auf jedes Stockerl in diesem Winter.

 

David Sambale

David Sambale (19) – Langlaufen und Alpinskifahren: Die idealen Voraussetzungen für eine steile Karriere.

David bringt alles mit, was ein moderner Skibergsteiger braucht. Bereits seit seiner Jugend verbringt er viel – und intensive – Zeit mit Langlaufen und auch Alpinskifahren.

 

Gebürtig aus Immenstadt im Allgäu kommend liegt es auf der Hand, dass er in seiner Freizeit viel in den Bergen unterwegs ist. Und wer beim legendären Teamrennen, der Grüntenstafette, den dritten Platz erkämpft hat sein Talent in der Szene definitiv unter Beweis gestellt.

 

„Nach meinem Kreuzbandriss kämpfe ich mich gerade zurück zur alten Form. Das ist schon hart, wenn du so lange nicht richtig trainieren kannst und merkst, dass es einfach noch ein bißchen instabil im Knie ist." David hat 2019 mit seinem Studium begonnen.

 

Beim Blick auf Idole und Ziele fallen schnell die großen Namen der Szene. „Ja klar, auf Kilian Jornet schaue ich schon ganz genau. Es fasziniert mich einfach, was der alles macht und wie schnell er ist. Und später will ich natürlich auch mal bei den ganz großen Skitourenrennen starten. Jetzt muss ich aber erstmal auf nationalem Niveau zeigen, dass ich es draufhabe. Vor allem beim Vertical glaub ich, dass ich ganz gute Chancen haben könnte.“

 

Selbstkritisch genug gibt er zu, dass ihm noch eindeutig die Kraft im Oberkörper fehlt und mit acht Stunden pro Woche die Trainingsumfänge einfach noch zu gering waren, um deutliche Leistungssteigerungen zu erreichen.

 

Sehr froh ist er aber über die neue geschaffenen Rahmenbedingungen: „Die Möglichkeiten die uns der Deutsche Alpenverein bietet sind schon sagenhaft! Alleine die Tatsache, dass wir mit dem ganzen Team ins Trainingslager fahren können, auf internationale Wettkämpfe geschickt werden, oder die Jungs und Mädels aus dem Berchtesgadener Land besser kennenlernen, sind schon tolle Erfahrungen.“

 

David ist seit 2019 Mitglied der Nationalmannschaft. 

 

Die Skimo Nachwuchsmannschaften

Die deutsche Perspektivmannschaft bestehend aus:

  1. Jacqueline Brandl
  2. Stefan Damböck
  3. Thomas Kletzenbauer
  4. Alois Kunz
  5. Josef Pelzer

Die deutsche Nachwuchsmannschaft bestehend aus:

  1. Franz Eder
  2. Finn Hösch
  3. Antonia Niedermaier
  4. Sophia Weßling

Die deutsche Beobachtungsmannschaft bestehend aus:

  1. Marc Dürr
  2. Alex Kunz
  3. Anna-Maria Michel
  4. Antonia Stöger

 

Das SkimoTeamGermany im Kadersystem für die Wintersaison 2019/2020.

Nationalmannschaft (4) | Perspektivmannschaft (5) | Nachwuchsmannschaft (4) | Beobachtungsmannschaft (4) | Betreuerstab (9)

 

Dr. Thomas Bösl

Trainer der Nationalmannschaft Skibergsteigen, Dr. Thomas Bösl - „Die Deutschen Skibergsteiger: ein erfolgreiches Team!“

Thomas bringt aus seiner wissenschaftlichen und beruflichen Vergangenheit langjährige Erfahrungen in der Trainingssteuerung, Leistungsdiagnostik und Sporttherapie mit – nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.

Der unbedingte Willen Dinge zu verbessern, voranzutreiben und jeden einzelnen Athleten ein Stück weiter zu bringen, wird in jedem seiner Sätze deutlich.

„Das was ich bis jetzt gesehen habe zeigt mir, dass das Training unbedingt komplexer, vielfältiger und fordernder werden muss. Mir ist es wichtig, dass ich neue Reize und Impulse für jeden einzelnen schaffe. Dazu gehört nach Möglichkeit ein disziplinspezifischeres Training, aber auch spezielles Kraft- und Koordinationstraining. Wenn wir das nicht anstoßen, dann besteht die Gefahr, dass die jungen Skibergsteiger in einen Trainings-Trott verfallen.

 

Dem erfahrenen Trainingswissenschaftler ist schon bewusst, dass es dauern wird, bis bei den Athleten die Erkenntnis einsetzt, dass vielfältiges Training Vorteile für die Leistungsentwicklung bietet. „Da müssen Verhaltensmuster aufgebrochen, verändert und neu angelegt werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Da muss man eher in einem Zyklus von zwei bis drei Jahren rechnen. Und wir sollten uns auch ganz bewusst dem Vergleiche mit anderen Sportarten aussetzen. Wie professionell trainieren die Langläufer, Rennradfahrer, oder Leichtathleten.“

 

Als ersten Probelauf für die neue Saison möchte er den Weltcupstart in Frankreich im Dezember 2019 nutzen. „Zu diesem Zeitpunkt wissen wir dann ein erstes Mal, wo das Kern Team steht. Drei Wochen später, am 05. Januar 2020 wird’s dann bei er Deutschen Meisterschaft Vertical in Immenstadt für Alle ernst . Ganz wichtig ist mir dabei aber, dass wir nicht zu früh in die Saison starten und die Wettkämpfe vernünftig dosieren und priorisieren.

 

Zum Ende der Saison wünsche sich Thomas, dass die deutschen Skibergsteiger wieder als starkes Team wahrgenommen werden, dass beim letzten Weltcup in Madonna di Campiglio viele junge Athleten mitfahren und natürlich auch bei Meisterschaften nach Möglichkeit einige Top-Platzierungen herausspringen.

 

Die Interviews führte Johannes Schmidt, 2018 (modifiziert)

 

News zum Team in Bildern

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Bei Fragen und weiterem Interesse wenden sie sich gerne an anine.hell@alpenverein.de

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