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"Ich konnte es kaum fassen!"

Paraclimbing-Weltmeister Korbinian Franck im Interview

27.10.2016, 14:45 Uhr

Deutschland hat einen neuen Weltmeister: Korbinian Franck gewann bei der Kletter-WM in Paris 2016 die Goldmedaille.


Mit einem neuen Trainer und hohen Ambitionen startete das Paraclimbing-Team des Deutschen Alpenvereins in die Saison. Der Weltmeistertitel für Korbinian Franck (27) aus Bad Feilnbach zeigt, wie sehr sich die Anstrengungen gelohnt haben. Das hervorragende Ergebnis für die Paraclimber des DAV komplettierte in Paris der Teamkollege Nils Helsper: Er landete auf Platz 2.

 

Herzlichen Glückwunsch, Korbinian. Wie fühlt man sich als frisch gebackener Weltmeister?

In der Situation selbst kann man gar nicht registrieren, was da passiert. Ich konnte es kaum fassen, dass ich auf einmal oben auf dem Podest stand. Und dann zuhause und auf der Arbeit die ganzen Glückwünsche… Jetzt liegt alles schon ein paar Tage zurück und es ist wieder Normalität eingekehrt. Das Video von der Siegerehrung schaue ich mir aber immer noch gern an!

 

Hast Du mit dem Sieg gerechnet?

Mein Ziel war es, vorn mit dabei zu sein. Dafür habe ich nicht zuletzt dreimal pro Woche trainiert und so manchen Tag fürs Training freigenommen. Das hat sich anscheinend gelohnt.

 

Wie lief es beim Wettkampf?

Ein perfekter Start: In der ersten Runde der Qualifikation kletterte ich bis zum Top und gewann. Da habe ich gleich nach Hause die Nachricht geschrieben: „Es läuft!“ Die zweite Quali hat dann der Nils gewonnen und wir waren gleich auf. Es war spannend bis zum Schluss.

 

Kannst man sich in so einer Situation überhaupt auf seine Fähigkeiten konzentrieren?

Das Rundherum ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich konzentriere mich auf mich selbst. Und der Trainer kümmert sich schließlich auch um einen.

 

Wann hast Du mit dem Klettern begonnen?

Mit ungefähr neun Jahren auf einem Volksfest. Dann mit zwölf beim Ferienprogramm der Bergwacht. Später habe ich als Forstwirt gearbeitet. Da war ich den ganzen Tag draußen im Bergwald unterwegs und beinah froh, meine Freizeit in der Halle verbringen zu können. Damals hatte ich allerdings viel zu wenig Zeit für den Sport.

 

Du hattest 2009 einen schweren Unfall – was ist passiert?

Ein Autounfall. Mich hat es auf der Straße geschmissen und das Auto konnte nicht mehr bremsen. Ich lag mit einem Schädel-Hirn-Trauma sechs Wochen im Koma. Neun Monate war ich im Krankenhaus, dann drei Monate in der Reha. Ich musste alles wieder lernen: sprechen, laufen…

 

Wie kam es, dass Du wieder mit dem Klettern angefangen hast?

Meine Mutter hat in der Zeitung über den Verein Stützpunkt Inntal gelesen, der Kurse für Klettern mit Handicap anbietet. Sie hat mich motiviert, es zu versuchen. Stück für Stück habe ich mich dann hochgekämpft. Natascha Lindemann (Vorsitzende des Vereins "Stützpunkt Inntal", Anm. d. Red.) hat mich schließlich in die Höhe gebracht.

 

Was gibt Dir das Klettern? Was gibt Dir der Sport?

Beim Klettern kann ich meine Kraft herauslassen. Die Kraft ist mir geblieben, auch nach dem Unfall. Als Ausgleich zur Arbeit fahre ich gern Rad. Da kommen schon mal 180 Kilometer am Tag zusammen.

 

Fühlst Du Dich beim Klettern in der Halle zuhause? Oder zieht es Dich auch nach Draußen?

Am Fels ist es schöner, aber einsamer. Ich bin immer gern mit vielen Leuten zusammen. Kletterer sind schon ein eigenes Volk. Mit dem Stützpunkt Inntal ging es auch mal nach Arco oder ins Ötztal - und nächste Woche nach Sizilien.

 

Wie fördert der DAV die Paraclimber?

Paraclimbing wird aktuell immer populärer. Früher war man als Paraclimber Einzelkämpfer. Seit diesem Jahr haben wir mit Christoph Reichert einen eigenen Trainer, worüber wir uns sehr freuen. Wir sind mittlerweile als Team zusammengewachsen.

 

Was sind Deine Kletter-Pläne für die Zukunft?

Jetzt erstmal nach Sizilien. Dieses Jahr werde ich wohl an keinen Wettkämpfen mehr teilnehmen. Wenn es darum geht, meinen Weltmeistertitel zu verteidigen, bin ich wieder dabei!