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Olympia-Rückblick mit Alex Megos

Interview mit Alexander Megos über die Olympischen Spiele in Tokio 2021

24.08.2021, 13:37 Uhr

Ein paar Wochen nach den Olympischen Spielen in Tokio erzählt uns Alex Megos von seinen Eindrücken im Olympischen Dorf, dem Wettkampf an sich und ohne wen er nicht zu den Spielen gekommen wäre.

DAV: Nimm uns mit in die zwei Wochen Tokio: Welche Highlights und Ereignisse werden dir vor allem im Gedächtnis bleiben?
Alex Megos: Was mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird, ist das Olympische Dorf. Die Atmosphäre mit so vielen unterschiedlichen Sportler*innen auf einem Fleck war richtig cool. Der erste Teil der Reise war eher Trainingslager und durch die Quarantäne-Regelungen auch nicht allzu spannend. Der Wettkampf selber war gut organisiert, allerdings auch nichts Neues meiner Meinung nach.


DAV: Was war anders als bei allen anderen Wettkämpfen/Weltcups zuvor?
Alex Megos: Es war seit langem mal wieder ein Combined Wettkampf. Seit der WM 2019 in Japan habe ich keinen offiziellen Combined Wettkampf mehr mitgemacht. Die Routen waren durchwegs gut geschraubt, die Boulder leider nicht. Also das ist ja auch nichts Neues. Alle schienen mehr angespannt. Nach dem Wettkampf musste man direkt für Interviews zur Verfügung stehen und durfte leider nicht bei anderen Athlet*innen zuschauen.

 

DAV: Hat das Publikum gefehlt?
Alex Megos: Für einen Wettkampf dieser Größe auf jeden Fall! Es waren zwar ein paar Trainer*innen und VIP Gäste da, aber die gesamte Tribüne vor der Wand war leer.


DAV: Hattet ihr Kontakt zu anderen Sportler*innen? War TeamD-Flair zu spüren?
Alex Megos: Im Olympischen Dorf hatten wir Kontakt zu sehr vielen Sportler*innen! Wir waren auch mit dem ganzen Team D im selben Haus untergebracht, zusammen mit dem österreichischen und belgischen Team.


DAV: Wie war der Tag vor der Qualifikation?
Alex Megos: Wir waren am Tag vor der Quali nochmal im B-Pump für eine kleine Aktivierung. Den Rest des Tages haben wir im Olympischen Dorf verbracht.


DAV: Wie hast du den Qualitag erlebt?
Alex Megos: Wir wussten ja schon, dass die Quali relativ spät am Abend sein wird und haben uns die Tage vorher schon darauf eingestellt. Wir haben also am Qualitag ausgeschlafen und waren ausgiebig frühstücken. Gegen 14 Uhr ging es dann los zur Venue zum Aufwärmen. Der offizielle Start war um 17 Uhr, wir hatten also viel Zeit. Nach jeder Disziplin sind wir wieder zurück in die Athleten-Lounge, um dann erneut in die Iso zu gehen für die nächste Disziplin.


DAV: Leider kein Finale. Woran lag's?
Alex Megos: Woran hat's gelegen, woran hat's gelegen. Das fragt man sich immer woran es gelegen hat. Ja, woran hat es gelegen, das fragt man sich immer.


DAV: Was sagst du bei den Damen und Herren zum Podium?
Alex Megos: Damen war zu erwarten, und dennoch muss man es dann trotz Erwartung erstmal machen. Janja auf Platz eins hätten vermutlich fast alle getippt, was es nicht gerade einfacher für sie gemacht hat. Platz 2 und 3 hätten auch anders aussehen können, aber ich denke ein bissl Glück ist auch immer dabei. Für Akiyo sicher ein super Abschluss ihrer Karriere.
Bei den Herren war es sicher nicht wie es die meisten erwartet hätten, aber ich denke, daran hat man ganz gut gesehen wie unberechenbar das Combined Format sein kann. Thats the Game, sage ich da nur.


DAV: Stichwort Paris 2024 – eine Option für dich?
Alex Megos: Ich denke, das sehe ich dann in ein bis zwei Jahren. Im Moment ist's noch zu früh, mir darüber Gedanken zu machen.


DAV: Mit Platz 9 bist du ganz knapp nicht ins Finale gekommen. Wie siehst du die Reglements? Sollte es in deinen Augen künftig eine Nachrückregelung geben? Wenn ja, warum?
Alex Megos: Ich denke für Speed war es nicht optimal, dass kein Nachrücker ins Finale gekommen ist. Ich finde, man könnte einen Nachrücker mit reinnehmen und dann gibt's halt am Ende zwei 8. Plätze.


DAV: Wenn du auf's letzte Jahr zurückblickst: Würdest du irgendwas anders machen?
Alex Megos: Ich denke, ich wäre noch knapper vor Olympia nochmal an den Fels gefahren, dann wäre ich vermutlich noch entspannter gewesen. Im Jahr 2020 habe ich relativ viel richtig gemacht. Da fällt mir jetzt spontan nichts ein, was ich anders machen würde.


DAV: Urs, euer Coach vor Ort, hat gesagt, dass es aus seiner Sicht entscheidend ist, künftig eine engere Betreuung und Steuerung der Athlet*innen im ganzen Zyklus zu gewährleisten. Wie wichtig ist für dich die Verbindung Trainer*in - Athlet*in in Bezug auf's Wettkampfklettern generell sowie die Betreuung z. B. bei Olympia vor Ort?

Alex Megos: Ich gebe Urs recht, dass ein enger Austausch zwischen Athlet*in und Trainer*in wichtig ist. Im Vorfeld sollten also viele gemeinsame Maßnahmen erfolgen und vor Ort sollten nur die wirklich wichtigen Personen für den Wettkampf sein und nicht noch ein ganzer Stab an Leuten. In meinem Fall hätten Patrick und Dicki mit dabei sein sollen, um ein optimales Umfeld für mich zu schaffen.

 

DAV: Möchtest du noch was loswerden?
Alex Megos: Ich würde gerne Urs, Schlagi und Jan für den Trip danken! Ich bin vor allem Urs dankbar, dass er mich damals 2017 wieder zum Wettkampfklettern bewegt hat und mir den Einstieg so leicht gemacht hat. Ohne ihn wäre ich nicht zu Olympia gekommen. Ich wünsche Urs auch alles Gute bei seinem neuen Job ab dem Herbst. Leider verlieren wir damit unseren besten Mann…

 

Alex Megos bei den Olympischen Spielen in Tokio.