logo-dav-116x55px

Nico Schlickum – vom Sport zur Profession

Seit Anfang 2021 ist Nico Schlickum "Funktionstrainer Bildung & Wissenschaft Sportklettern" beim Deutschen Alpenverein. Das hört sich zunächst vielleicht sehr trocken an, ist es aber nicht: „Es geht darum, vorhandenes Wissen zu bündeln und wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Unser Ziel ist, internationale Erfolge zu sichern und das leistungssportliche Konzept weiterzuentwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben“, erklärt Schlickum. Er freut sich auf seine neue Aufgabe: „Ich bin von den Kolleginnen und Kollegen herzlich empfangen worden und bin gespannt auf die gemeinsame Zeit im Trainerteam.“

 

Der "Funktionstrainer Bildung & Wissenschaft" ist bereits in vielen olympischen Spitzenverbänden etabliert. Nun beschäftigt auch der DAV einen hauptberuflichen Sportwissenschaftler im Trainerteam. Hier hat Nico Schlickum vor allem eine beratende Funktion für die Bundestrainer und die Bundestrainerin. Durch die Aufnahme des Sportkletterns in den olympischen Kanon habe sich der Leistungssport in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, sagt Schlickum. „Für die Spiele in Tokyo musste ein neues Wettkampfformat etabliert werden. Für Olympia 2024 in Paris wurde dieses aber schon wieder verändert.“ Solche sportpolitischen Entscheidungen bedeuten aber viele Herausforderungen für das Training: „Das parallele Training von Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer bedarf einer sensiblen Planung und Evaluierung. Bei solchen Herausforderungen versuche ich, die Bundestrainer zukünftig mit aktuellen Forschungserkenntnissen zu unterstützen“, erklärt Schlickum.

 

"Ich habe auf das Potenzial des Sports vertraut"

Vielleicht kann man Nico Schlickum am besten als Wissenschaftskoordinator bezeichnen. „Meine Aufgabe ist es, auch die bundesweiten Forschungsvorhaben zu steuern.“ Viele Forschungseinrichtungen hätten Interesse an wissenschaftlichen Untersuchungen in einer neuen olympischen Sportart. „Da gibt es eine Menge Interessen und Bedarfe abzustimmen.“ Wichtig sei aber auch, das bereits vorhandene Wissen in der Breite verfügbar zu machen. Deshalb arbeitet er eng mit dem Ressort Bildung zusammen. „Zusammen mit den Kollegen dort überarbeiten wir die Ausbildungskonzepte im Leistungssport. 2021 bieten wir beispielsweise erstmalig die A-Lizenz an.“ Die Ausbildung von A-Trainern und Trainerinnen im Leistungssport stellt die höchste Verbandsausbildung dar und richtet sich an Landes-, Stützpunkt- und Bundestrainer.

 

Nico Schlickum beschäftigt sich aber nicht nur aus wissenschaftlicher Perspektive mit dem Klettern. Auch privat geht der 30-jährige viel Klettern. Begonnen hat alles während seinem Zivildienst in Brasilien, den Schlickum in einem kleinen Bergdorf an einer Schule leistete. Es sei eine sehr spannende Zeit gewesen, ihm gefiel nicht nur das Klettern, sondern auch die Community, erzählt er. Als er dann zurück in Deutschland war, begann er sein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln – mit Wahlfach Klettern. „Ich habe früh meinen beruflichen Fokus auf das Sportklettern gerichtet. Damals waren einige Entwicklungen noch nicht abzusehen, aber ich habe auf das Potenzial des Sports vertraut – und das Glück gehabt, dass ich aus meinem Sport eine Profession machen konnte.“

 

Nicht mehr viel Zeit zum Klettern

Parallel zum Studium durchlief Schlickum die Ausbildung im DAV vom Trainer C Sportklettern bis zum Trainer B Alpin. Von 2016 bis 2018 studierte er an der Universität Innsbruck und absolvierte dort eine Ausbildung zum staatlich geprüften Instruktor und zum Tiroler Sportkletterlehrer. Zurück in Deutschland folgte ein Intermezzo als sportlicher Leiter der Kletterhalle Bergstation in Hilden – in dieser Zeit kam er auch erstmals mit dem Nationalkader des DAV in Berührung. Derzeit ist Schlickum wieder an der Sporthochschule in Köln eingeschrieben und beginnt gerade mit seiner Promotion.

 

Viel Zeit bleibt Nico Schlickum momentan also nicht, um selber noch klettern zu gehen. Privat ist er nämlich auch noch im Vorstand seiner Heimatsektion Siegburg aktiv. Wenn er aber doch mal Freizeit hat, dann geht er klettern: „Indoor oder Outdoor, je nach Wetter – ich mag beides gleich gerne.“

 

Schnell gefragt:

  • Halle oder Fels?
    Fels und Plastik - beides ist super.
  • Sloper oder Leisten?
    Eine coole Tour muss beides haben.
  • Pizza oder Salat?
    Erst Salat - dann Pizza
  • Laufen oder Couch?
    Erst laufen - dann auf die Couch.
  • Auto oder Rad?
    Wenn´s geht mit dem Rad.
  • Abendgarderobe oder Kletterhose?
    Mit der Kletterhose zum Maskenball

 

 

Interview: Gudrun Regelein

 

Ingo Filzwieser: Ein Zufall wird zum Beruf

Der neue Stützpunkttrainer Süd im Portrait

Mehr erfahren
Dass Ingo Filzwieser zum Klettern fand, ist einem großen Zufall zu verdanken. Seitdem aber dominiert es das Leben des Österreichers: zunächst privat, später dann auch beruflich. Er war Landestrainer Tirol, Trainer der österreichischen Jugendnationalmannschaft und österreichischer Nationaltrainer Bouldern. Seit diesem Jahr arbeitet der 37-Jährige als Trainer des Stützpunktes Süd in München und betreut dort gemeinsam mit Urs Stöcker, leitendem Bundestrainer, die Kaderathletinnen und Athleten Deutschlands.

Friederike „Fritze“ Kops

Die Bundestrainerin in Portrait

Mehr erfahren
Neben Urs Stöcker und Maxi Klaus ist Friederike Kops eine der Bundestrainerinnen des DAV Kletterkaders. Als Lehrerin und begeisterte Sportlerin bringt sie die besten Voraussetzungen für diese Aufgabe mit sich – nämlich Empathie und die Liebe zum Sport.

Urs Stöcker

Der Nationaltrainer Klettern im Portrait

Mehr erfahren
Seit gut einem Jahr arbeitet der 42-jährige Urs Stöcker als Trainer des Nationalkaders mit den größten Klettertalenten Deutschlands. Und das, obwohl der Schweizer aus dem Kanton Graubünden ursprünglich einen ganz anderen Weg eingeschlagen hatte. 2003 schloss er nämlich sein Diplomstudium als Quantenphysiker ab. Die Leidenschaft für Sport und Klettern im Besonderen führte ihn schließlich in eine ganz andere Richtung: er ließ sich zum Trainer für Leistungssport ausbilden.